Zu den Inhalten springen

Rehabilitation nach Schlaganfall: Verlorenes neu lernen

Die meisten Schlaganfallpatienten werden nach der Akutbehandlung in eine Reha-Klinik verlegt  zum Beispiel in den Quellenhof in Bad Wildbad.

„Schlaganfall-Patienten, die in der Phase C zu uns kommen, erfordern erheblich mehr pflegerisch-therapeutischen Aufwand als der übliche Reha-Patient etwa in der Orthopädie“, sagt Privatdozent Dr. Peter Flachenecker, Chefarzt im Neurologischen Reha-Zentrum Quellenhof. Für eine Anschlussheilbehandlung oder Reha sollen die Patienten üblicherweise selbständig sein. Bei Schlaganfallpatienten dagegen muss die Reha-Maßnahme oft diese Selbständigkeit erst wieder herstellen. In der Neurologischen Reha wird deshalb von unterschiedlichen Phasen gesprochen. Im Quellenhof werden Patienten nach der Frührehabilitation in den Reha-Phasen C und D behandelt. Und weil die Patienten zum Teil noch viel pflegerische Unterstützung benötigen, ähnelt auch die Station eher einer Normalstation in einer Neurologischen Klinik als in einer Reha-Einrichtung. „Viele unserer Patienten benötigen noch Hilfe beim Aufstehen, bei der Toilette oder beim Essen“, berichtet Dr. Flachenecker. „Unser Ziel ist es, dass der Patient zu diesen Alltagsaktivitäten wieder selbständig in der Lage ist.“ Erst dann schließt sich unter Umständen eine weitere Reha-Maßnahme der Phase D an, die schon eher einer klassischen Anschlussheilbehandlung entspricht. Zur Abgrenzung der einzelnen Phasen dient der Barthel Index, mit dem systematisch Selbständigkeit und Pflegebedürftigkeit erfasst werden.

Rückbildung von Schlaganfallfolgen

„Gerade bei Schlaganfallpatienten aber zeigt die Rehabilitation oft auch sehr gute Erfolge“, berichtet Dr. Flachenecker. Häufig gelinge eine Rückbildung der Schlaganfallfolgen, in anderen Fällen ist die Kompensation verlorener Fähigkeiten möglich: „Wir helfen den Patienten Verlorenes neu zu lernen, eventuell auch mit neuen Wegen und dem Finden von Umgehungen.“ Aber manchmal dauert das auch sehr lange. „Mit einer von den Kostenträgern auf drei Wochen reduzierten Reha-Maßnahme sind gute Ergebnisse nicht zu erreichen.“ Hinzu kommt, dass viele nach dem Schlaganfall schlapp und müde sind und kaum ein achtstündiges Therapieprogramm schaffen können. Als „Post Stroke Fatigue“ wird dieses Phänomen bezeichnet. Für die meisten Patienten muss daher eine Verlängerung begründet und beantragt werden. Dennoch bleiben bei manchen mehr oder weniger schwere Beeinträchtigungen zurück. Dann geht es darum, die weitere Versorgung zu Hause zu sichern. Auch das ist ein wichtiger Teil der Rehabilitation im Quellenhof. In speziellen Programmen werden dabei die Angehörigen mit einbezogen. „Ein Schlaganfall ist ja auch für die Angehörigen ein Ereignis, auf das sie sich von heute auf morgen einstellen müssen“, sagt Dr. Flachenecker. Zur Vorbereitung auf die Zeit nach der Reha können Angehörige mit im Zimmer des Patienten wohnen und werden so frühzeitig in die Pflege einbezogen. Auch „Probeentlassungen“ übers Wochenende sind möglich, um zu prüfen, wie Angehörige und Patient in der häuslichen Umgebung zurechtkommen.

Download