TaTME-Methode

Geringeres Rückfallrisiko und gesteigerte Lebensqualität mit der TaTME-MethodeNeuartiges Operationsverfahren bei Darmkrebs

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken in Deutschland pro Jahr rund 33.000 Männer und 27.000 Frauen an Darmkrebs - der zweithäufigsten Krebserkrankung bei beiden Geschlechtern. Als eines von nur wenigen zertifizierten Darmzentren in Deutschland bietet das Biberacher Sana Klinikum mit der sogenannten „TaTME“-Methode jetzt ein neuartiges OP-Verfahren bei Rektumkarzinomen an. Etabliert wurde die innovative Technik durch Dr. Thomas Schmidt, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.

Herr Dr. Schmidt, zunächst - was versteht man eigentlich unter Darmkrebs?

Unter Darmkrebs werden alle Krebserkrankungen des Dickdarms, des Mastdarms sowie die selteneren Krebserkrankungen des Afters sowie des Dünndarms zusammengefasst. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um bösartige Tumore, die sich unter anderem aus Wucherungen in der Schleimhaut, sogenannten Polypen, entwickeln. Andere bösartige Tumore sind eher selten und treten als neuroendokrine Tumore, Lymphome oder Sarkome auf. Bösartige Tumore des Mastdarms werden auch als Rektumkarzinome bezeichnet. Diese machen mindestens ein Drittel aller im Darm lokalisierten Tumore aus und sind in der Viszeralchirurgie seit jeher ein schwieriges Terrain.

Wieso das?

Operationen am Rektum sind technisch äußerst anspruchsvoll und deutlich schwieriger durchzuführen als am restlichen Dickdarm. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Raum im unteren Becken sehr beengt ist und sich zudem andere Organe, wichtige Nerven oder auch der Harnleiter in unmittelbarer Nähe befinden. Die tiefen, nahe dem Schließmuskel gelegenen Tumore sind in der offenen Chirurgie daher problematisch, können aber auch laparoskopisch durchs Schlüsselloch oftmals nicht wesentlich besser therapiert werden. Und genau hier setzt die TaTME-Methode an, welche wir seit Anfang 2019 im Biberacher Klinikum durchführen.

TaTME – was genau bedeutet das?

TaTME ist die Abkürzung für eine sogenannte „transanale totale mesorektale Exzision“. Die Besonderheit ist dabei, dass der Eingriff über zwei Zugänge durchgeführt wird. Während ein Chirurg in Schlüssellochtechnik vom Bauchraum (abdominell) aus operiert, führt ein zweiter Operateur den Eingriff endoskopisch durch den Anus (transanal) durch. Die sehr anspruchsvolle Operation dauert rund drei bis vier Stunden und wird von zwei kompletten OP-Teams, bestehend aus mehreren Chirurgen, OP- und Anästhesiepflegern, simultan durchgeführt.

Welche Vorteile bietet die Methode für den Patienten?

Das OP-Verfahren stellt einen völlig neuen Ansatz in der Darmkrebstherapie dar. So kann durch die direkte Sicht auf den tumorösen Darm noch genauer und damit nerven- und gewebeschonender operiert und auch tiefsitzende Mastdarmtumore besser, häufig mit Erhalt des Schließmuskels, entfernt werden. Das Verfahren trägt damit zur Vermeidung von Nebenwirkungen wie Inkontinenz, Potenzstörungen oder ein endgültiger künstlicher Darmausgang (Stoma) und damit zur Verbesserung der postoperativen Lebensqualität bei. Mittels Schnellschnitt kann darüber hinaus direkt während der OP mikroskopisch geprüft werden, ob das Tumorgewebe restlos entfernt wurde. Da die Ursache für Rezidive oftmals verborgen gebliebene Tumorreste sind, kann dadurch das Risiko, dass der Krebs zurückkehrt, langfristig gesenkt werden.

Für welche Patenten ist die Methode geeignet?

Die Methode wird ist in erster Linie bei tiefsitzenden, sich nahe des Schließmuskels befindlichen Rektumkarzinomen, die noch nicht in benachbarte Organe gestreut haben, eingesetzt. Bei Männern sind Tumore ab 12 cm Entfernung zum Schließmuskel, bei Frauen ab 10 cm geeignet. Adipöse Patienten profitieren ebenfalls stark von der OP-Technik. Selbstverständlich wägen wir bei jedem Patienten die Vor- und Nachteile im Hinblick auf die individuelle Anamnese ab, klären umfassend auf und legen so die für ihn am besten geeignete Therapie fest.

Kontakt

Dr. med. Thomas Schmidt

Dr. Thomas Schmidt
Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie an den Sana Kliniken Landkreis Biberach
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