Sana Blaubuch

A u f b r u c h d e r P i o n i e r e 08 schaftliche Sicherung der Krankenhäuser zustän- dig, so ist dies nun Aufgabe des Sozialstaats. 1972 wird in einem Finanzierungsgesetz dann konkret formuliert, wie die Unterfinanzierung der Krankenhäuser zu beseitigen ist und die Versorgungsengpässe zu beheben sind: Die In- vestitionskosten der Krankenhäuser finanzieren Bund und Länder anteilig aus Steuermitteln, die Betriebskosten—also Behandlung, Pflege und Unterbringung—tragen die Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen. Außerdem ent- fällt die sogenannte Planungsautonomie der Krankenhäuser—gefördert werden nur noch Kliniken, die in die Krankenhausplanung der Län- der aufgenommen sind. Die neue Gesetzgebung ist begleitet von schar- fen ideologischen Auseinandersetzungen: Aus dem linken Lager kommt die Forderung nach der Einführung von «klassenlosen» Krankenhäusern, sprich die Abschaffung des privaten Liquida­ tionsrechts, der Privatbetten und der generellen Klasseneinteilung. Kassen- und Privatpatienten gleichermaßen sollen einen Anspruch auf Unter- bringung im Zweibettzimmer haben. Sie sollen gleiches Essen und gleiche Besuchszeiten ge- nießen und dieselben Aufenthalts- und Fernseh- räume nutzen können. «Eine unbezahlbare Uto- pie», kontert das politische Gegenlager. Ähnlich aufgebracht kritisieren die privaten Krankenver- sicherer, dass ihnen damit ein Großteil ihrer Le- gitimation entzogen würde. Unternehmertum statt Planwirtschaft « Immer stärker werdende politische Kräfte ver- suchen, beginnend mit dem Krankenhauswesen, das gesamte Gesundheitswesen zu sozialisieren. Diese Tendenz erreicht derzeit mit demGesetzes- entwurf der Bundesregierung «zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser » einen Höhepunkt. Man will damit das Krankenhaus in die Hände der staatlichen Zentralgewalt bringen, man will es zur Gänze planwirtschaftlich organisieren. Die privaten Krankenhäuser können in ihrer heutigen Quali- tät, Struktur und Organisationsform den oben geschilderten Tendenzen nicht mehr erfolgreich entgegenwirken. Dazu bedarf es neuer, effektiverer Organisationen in der privaten Bereitstellung von Gesundheitsleistungen. Diese kann in Zukunft nurmehr dann bestehen, wenn sie ganz offen- sichtlich medizinisch und ökonomisch effizienter ist als die staatlich dirigierte Medizin. » Diese Sätze entstammen einem Positionspa- pier, das Dr. Herbert Weissenböck 1971 für die privaten Krankenversicherungen formuliert. Der Betriebs- und Volkswirt aus Innsbruck ist ein Ken- ner der Materie. Er hatte während seines Studiums das amerikanische und verschiedene europäische Gesundheitssysteme auf ihre ökonomische Effi- zienz hin untersucht und verglichen. Sein Fazit: Die wenig effiziente Krankenhausfinanzierung Deutschlands verlangt dringend nach einem un- ternehmerischen Gegenmodell, das hohe Wirt- schaftlichkeit mit anspruchsvollen medizinischen und pflegerischen Leistungen für alle Patienten verbindet. « Ich war schon damals überzeugt, dass Krankenhäuser Dienstleistungsbetriebe sind, die wie Unternehmen geführt werden sollten», sagt Dr. Weissenböck rückblickend. Seine Grundidee: Erstmals in Europa soll eine private Krankenhauskette nach amerikanischem Vorbild etabliert werden, und zwar nach dem Belegarztprinzip, also mit enger Verzahnung von stationärem und ambulantem Bereich. Potenzielle Investoren für dieses neuartige Geschäftsmodell sieht Dr. Weissenböck in den privaten Kranken- versicherern. «Immer stärker werdende politische Kräfte versuchen, beginnend mit dem Krankenhauswesen, das gesamte Gesund­ heitswesen zu soziali­ sieren. Diese Tendenz erreicht derzeit mit dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung ‹zur wirtschaftlichen Sicherung der Kran­ kenhäuser› einen Höhepunkt.» Dr. Herbert Weissenböck, 1971 Initiator und Haupt­ geschäftsführer der Sana Kliniken Gesellschaft von 1976 bis 1992.

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