Sana Blaubuch
09 A u f b r u c h d e r P i o n i e r e Im Kern geht es darum, dem stark zergliederten deutschen Krankenhauswesen die unternehme- rische Idee der Kooperation und Vernetzung ent- gegenzusetzen. Dr. Weissenböck ist überzeugt: Krankenhäuser, die ihr Wissen mit anderen aus- tauschen, die Leistungen vereinheitlichen, Res- sourcen bündeln und den Patienten als Kunden betrachten, können wesentlich wirtschaftlicher arbeiten als jedes separat betriebene Kranken- haus. Was heute nahezu banal klingt, ist für die frühen 1970er Jahre ein radikaler Ansatz, der intensiver Überzeugungsarbeit bedarf. NachdemDr. Weissenböck umfassendeWirt- schaftlichkeitsberechnungen und Bedarfsanalysen vorgelegt hat, kann er die privaten Krankenver- sicherer schließlich für seine Idee gewinnen. Bescheidene Anfänge Am 17. November 1972 gründen 18 private Kran- kenversicherungen den Verein zur Planung und Förderung privater Krankenhäuser e. V. Seine Aufgabe ist die Erstellung eines exakt durch- kalkulierten Konzepts für den Aufbau der neuen Krankenhauskette. Dr. Herbert Weissenböck leitet den Verein. In München zweigt die Süddeutsche Krankenversicherung zwei Büroräume ab und bittet die Chefsekretärin ihres Vorstands, Wal- trud Menge, den neuen Untermieter als « rechte Hand» zu unterstützen. «DieAusstattung unseres Büros mit Blick auf die Theresienhöhe bestand aus einigen gebrauch- ten Büromöbeln, Schreibmaschine, Telefon und Kopierer », erinnert sich Menge heute. «Dass dies die Keimzelle eines der größten privaten Klinik- betreiber Deutschlands sein wird, hätte ich damals niemals zu träumen gewagt. » Kein Wunder, denn in dieser Pionierphase ist die Zukunft des Projekts längst noch nicht gesi- chert. Die anfängliche Idee, eigene Kliniken in deutschen Großstädten neu zu bauen, entpuppt sich bald als wenig zweckmäßig, da die neue Gesetzgebung der Finanzierung dieses Vorhabens entgegensteht. Außerdem zeigt sich, dass es in Deutschland schon zu viele Krankenhäuser gibt. Sinnvoller und dazu noch kostengünstiger erweist sich daher ein verändertes Geschäftskonzept: Statt eigener Neubauten sollen bestehende Kran- kenhäuser übernommen und auf Vordermann gebracht werden— in baulicher, medizinischer und kaufmännischer Hinsicht. Damit soll auch ein klares sozialpolitisches Zeichen gesetzt werden, um beispielhaft zu zeigen, dass Krankenhäuser für alle Patienten medizinische und pflegerische Leistungen auf hohemNiveau anbieten und gleich- zeitig wirtschaftlich erfolgreich geführt werden können. Staat auf Sparkurs Während das Projekt eines privaten Kranken hausverbunds in Deutschland allmählich Gestalt annimmt, brauen sich amKonjunkturhimmel dunkle Wolken zusammen. Im Oktober 1973 drosseln die arabischen Erdölexporteure als Reaktion auf den Jom-Kippur-Krieg ihre Ölfördermengen und würgen damit imWesten einen jahrzehntelangen Autofreie Sonntage Bonn, Konrad-Adenauer Brücke. Fahrradfahrer am autofreien Sonntag auf der Südbrücke in Bonn. «Dass dies die Keimzelle eines der größten privaten Klinikbetreiber Deutschlands sein wird, hätte ich damals niemals zu träumen gewagt.» Waltrud Menge Sana Mitarbeiterin Nummer eins und rechte Hand des Vorstands bis zu ihrem Ruhestand 2006.
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