Sana Blaubuch

10 Aufschwung ab. Der Ölpreis steigt um 70 Prozent und stürzt die Industrieländer in schwere Rezes- sionen. Noch im November 1973 verordnet die Bundesregierung ein Fahrverbot für alle Bürger an vier Sonntagen. Der wirtschaftliche Effekt ist zwar gering, doch das Sonntagsfahrverbot ist ein symbolischer Akt, um der Bevölkerung den Ernst der Lage bewusst zu machen. Der zeigt sich mit voller Wucht bereits im Jahr darauf: Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Sozialausgaben steigen in bislang nicht gekannten Dimensionen an, ebenso die Staatsschulden. Dagegen sinkt dieWirtschafts- leistung erstmals seit der Nachkriegszeit—um satte 1,6 Prozent. Politisch und gesundheitlich angeschlagen, tritt Bundeskanzler Willy Brandt im Mai 1974 überraschend zurück, die Regierungs- geschäfte übernimmt Helmut Schmidt. Mit diesem überraschenden Ende des Nach- kriegsbooms tritt auch zutage, dass der Staat mit denAufgaben, die er sich aufgeladen hat, zuneh- mend überfordert ist. Der Traum vom klassenlosen Krankenhaus verschwindet sang- und klanglos aus der gesundheitspolitischen Diskussion. Da- für macht ab 1974 eine neue Wortschöpfung die Runde: «Kostenexplosion». Gleich auf den Fuß folgt der Ruf nach Kostendämpfung, infolgedes- sen das deutsche Gesundheitswesen auf einen Sparkurs einschwenkt, der bis heute anhält. Trotz des und mitten in diesem krisenhaften Klima wird die Vision Dr. Weissenböcks Wirklichkeit: Am Abend des 11. März 1976 klingelt das Telefon im Büro von Waltrud Menge. «Dr. Weissenböck meldete sich aus Dortmund mit der langersehnten Botschaft: « ‹Die Kliniken-GmbH ist gegründet. Jetzt geht es los.› Und ich dachte nur: Endlich! » Das Stammkapital, das die 18 Gründungs­ gesellschafter der privaten Krankenkassen dem frischgebackenen Unternehmen bereitstellen, beträgt fünf Millionen Mark. Den Vorsitz des fünf- köpfigen Aufsichtsrats übernimmt Dr. Paul Wolf, Vorstandsvorsitzender der damaligen Halleschen Krankenversicherung, der die Aufbaujahre we- sentlich mitprägen wird. Wenig später erhält der Firmenname den Zusatz «Sana», um formelle Forderungen des Registergerichts zu erfüllen. Das lateinischeWort «Sana» bedeutet «gesund», «heil », « vernünftig»—Eigenschaften, die der neuen Gesellschaft gut zu Gesicht stehen. Ziel der neu gegründeten Sana Kliniken GmbH ist ausdrücklich nicht dieGewinnmaximierung. Zwar erhalten die privaten Krankenversicherer eine angemessene Verzinsung ihres Kapitals, doch der festgeschriebene Unternehmensauftrag lautet: « …Vorbild sein für andere und zeigen, dass me- dizinische und pflegerische Höchstleistungen mit wirtschaftlicher Betriebsführung vereinbar sind». Eine Mission, die dem Spannungsfeld zwischen Kostenexplosion und Kostendämpfung unterneh- merische Kreativität und soziale Verantwortung entgegensetzt. Mit einem Fuß im Markt Noch imGründungsjahr 1976 ist die erste Kranken­ hausübernahme in trockenen Tüchern: Sana wird zur Hauptgesellschafterin des Tabea-Krankenhauses in Hamburg-Blankenese. Der bisherige Träger des Krisenreaktion Willy Brandt tritt zurück, neuer Kanzler ist Helmut Schmidt. A u f b r u c h d e r P i o n i e r e Dr. Paul Wolf Vorsitzender des Aufsichtsrats 1976 bis 1993.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2Njg=