Sana Blaubuch
21 S a n f t e R e v o l u t i o n Sana vor 25 Jahren Sanfte Revolution Anfang der 1990er Jahre scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. In Deutschland hallt die Euphorie der Wiedervereinigung nach. Doch auf Bauboom, Konsumlust und Lohnangleichungen im Osten folgen bald Ernüchterung und Krisenstimmung. Eine weitere visionäre Idee trägt Sana auch durch diese schwierigen Zeiten. Einige Jahre zuvor hatte sich Dr. Herbert Weissenböck zwei entscheidende Fragen gestellt: Warum sollte das Unternehmen Sana sein einzigartiges Manage- mentwissen nicht auch an Krankenhäuser wei- tergeben, die vorerst keine Übernahme möchten? Und warum sollten diese Häuser nicht auch an den Dienstleistungsangeboten interessiert sein, die Sana schon aufgebaut hat oder plant—vom medizintechnischen Service über den zentralen Einkauf und die Krankenhausreinigung bis hin zur Speisenversorgung. Einige Krankenhäuser hatten in den 1980er Jahren ohnehin schon be- gonnen, sich aus Kostengründen von ihren eige- nen Wäschereien und Küchen zu trennen. Und fundiertes Know-how in Sachen Management sollte angesichts der immer komplexeren Aufga- be, ein Krankenhaus zu führen, begehrter sein denn je. Damit war die Idee des Management- vertrags geboren—eine Sana Idee, die in der Folge vielfach kopiert wird und sich zu einer be- ständigen Option im deutschen Krankenhaus management entwickeln sollte. Das Prinzip ist so einfach wie überzeugend: Sana stellt einen Manager als Geschäftsführer eines Krankenhauses, das dessen Leistung er- folgsabhängig vergütet. Außerdem kann der Kran- kenhausträger Dienstleistungen von Sana zukau- fen. Der Träger gibt also die Funktion der Kran- kenhausleitung ab, bleibt aber Eigentümer seines Hauses. Auch die Arbeitsverhältnisse der Mitar- beiter ändern sich nicht. Revolution auf sanfte Art Managementverträge sind also das Mittel der Wahl, wenn ein Krankenhausträger externen Sachver- stand für das Management seiner Klinik braucht, sie aber nicht privatisierenmöchte. Genau das hat die Stadt Stuttgart im Sinn, als sie Sana am 1. Juli 1991 die Leitung des mit etwa 1000 Betten größten Krankenhauses der Region Stuttgart überträgt. Das Katharinenhospital ist das erste Haus, in dem Sana das Prinzip Managementvertrag in der Krankenhauspraxis umsetzt. Dass daraus kein Sonntagsspaziergang wird, ist allen Beteiligten klar. Das Katharinenhospital ist das große Sor- genkind der Stadt. Das Krankenhaus der Maxi- malversorgung belastet den städtischen Haushalt mit einem Defizit von 20 Millionen Mark. Die Lo- kalpresse prangert diesen Missstand regelmäßig an und nennt das Haus «unregierbar ». Dieses Negativ-Image wiederum vergrault Patienten und Personal gleichermaßen. Fast ein Drittel der Bet- ten im Katharinenhospital bleibt unbelegt. Das neue Managementkonzept von Sana stellt den Patienten konsequent in den Mittelpunkt und Elfmeter, Tor, Sieg 1990 ist Deutschland Fußballweltmeister. Kommentar Franz Beckenbauer: «Die deutsche Mannschaft wird auf Jahre hinaus unschlag- bar sein.» Fehlanzeige.
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