Sana Blaubuch
29 S a n f t e R e v o l u t i o n Allerdings will Champagnerlaune nicht so recht aufkommen angesichts der immer diffizileren ge- sundheitspolitischen Rahmenbedingungen. Ge- genüber der Süddeutschen Zeitung bezeichnet Sana Geschäftsführer Ulrich Bosch das Jahr 1996 als «das schwierigste für alle Krankenhäuser in den vergangenen Jahrzehnten». In ruhigem Fahrwasser hat sich das Kranken- hauswesen auch vorher nicht bewegt. Seit der Gründung von Sana hat der Staat mit annähernd 7000 Einzelbestimmungen und fast 50 größeren Gesetzen versucht, die Reform des Gesundheits- systems voranzutreiben. Alle Maßnahmen für sich genommen waren durchaus berechtigt, doch immer wieder wurden sie von der Realität überholt und mussten mit neuen Regeln und Gesetzen nachjustiert werden. Im Jahr 1996 ist die Gesetzeslage unklarer denn je. Niemand im Krankenhaussektor weiß, auf welche Zukunft man sich einstellen soll. Seit 1993 waren die Krankenhäuser angehalten, das neue Vergütungssystemmit Fallpauschalen, Son- derentgelten und Basispflegesätzen zügig um- zusetzen. Dafür sollten sie wirtschaftlich belohnt werden. Nun aber heißt es aus Bonn: Zurück—marsch, marsch! Um die Kostenlawine zu stoppen, bleibt es für Krankenhäuser auch weiterhin bei gede- ckelten Budgets. Dabei war ursprünglich vorge- sehen, den Deckel nach drei Jahren zu lüpfen. Die immense Arbeit, die viele Krankenhäuser in die Umsetzung von Seehofers neuem Abrech- nungssystem investiert haben, scheint umsonst gewesen zu sein. Erschwerend hinzu kommt der Beschluss des Gesetzgebers, die Krankenhaus- budgets in den kommenden drei Jahren nicht nur zu deckeln, sondern um je ein Prozent zu senken. Das außerplanmäßig verordnete vierte Jahr der Budgetdeckelung ist das rigoroseste und stürzt viele Krankenhäuser in eine äußerst prekäre fi- nanzielle Lage. Der drastische Sparkurs der Regierung trifft zwar die Krankenhäuser, erklärt sich aber nicht alleine aus deren Handlungsbedarf. Vielmehr befindet sich Deutschland in einer beklemmenden Konjunkturlage, die es so nie zuvor gegeben hat. Zwar hat sich die Wirtschaft fit für den globalen Wettbewerb gemacht und läuft wieder besser. Aber dennoch steigen die Arbeitslosenzahlen ungewöhnlich stark—auf mehr als zehn Prozent in den alten und fast 17 Prozent in den neuen Bundesländern. Der industrielle Strukturwandel hin zu «schlankeren» Unternehmen fordert sei- nen Tribut und verursacht klaffende Löcher in den Sozialkassen. Zeit, dass sich was dreht. Im Spätherbst 1996 knallen dann doch noch die Korken der Champagnerflaschen—und zwar bei der Deutschen Telekom. Mitte November legt das hoch verschuldete Staatsunternehmen einen fulminanten Börsenstart hin—mit 716 Millionen ausgegebenen Aktien den bislang größten welt- weit. Millionen Deutsche lassen sich vom Bör- Prost dot.com Der Hype um die New Economy beflügelt die Börse. 7,2% 8,9% 12,7% Jobverlust nach der Wende Arbeitslosigkeit in Prozent. 1991 1993 1997
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