Sana Blaubuch
A u f b r u c h d e r P i o n i e r e 07 Was macht ein typisches Start-up aus? Eine bril- lante Idee für einen brachliegenden Markt, ein Geschäftsmodell mit hohemWachstumspotenzial, eine Handvoll kreative und zupackende Mitstreiter und meistens knappe finanzielle Mittel. Genau so beginnt die Geschichte von Sana, obwohl das Wort «Start-up» damals noch nicht erfunden ist. Zwei spartanisch eingerichtete Büroräume in der Münchner Mozartstraße 15, eine hoch motivierte Mannschaft, ein kluges, skalierbares Geschäftsmo- dell—und eine starke Vision: Krankenhäuser mit einem deutlichen Mehr an Leistung zu betreiben, bei gleichen oder geringeren Kosten als üblich. Die Leitplanken auf dem Weg dorthin: moder- nes Management, Transparenz, Optimierung der Abläufe, flache Hierarchien, Eigenverantwortung aller Akteure, Kundenorientierung, Gestaltung statt Verwaltung. Kurz: Ein Krankenhauskonzept nach Prinzipien, die im staatlich reglementierten Krankenhauswesen Deutschlands Anfang der 1970er wahrhaft revolutionär sind. Zu dieser Zeit betreiben Kommunen und frei- gemeinnützige Träger bundesweit 3600 Kliniken mit 670000 Betten—und das nicht immer mit Erfolg: Zusammengenommen häufen die deut- schen Krankenhausträger ein jährliches Defizit von zwei Milliarden Mark an. Dazu kommt ein nicht gedeckter Investitionsbedarf von geschätz- ten 13 Milliarden Mark. Weil die Modernisierung der Krankenhäuser in den ersten zwei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg nur zögerlich voran- gekommen ist, stammen viele Kliniken noch aus Kaisers Zeiten und sind allenfalls für Routinefälle eingerichtet. Die Dialyse etwa, damals «künstliche Niere» genannt, ist nur für jeden vierten bis fünf- ten bedürftigen Patienten verfügbar. Überall fehlt es an moderner Medizintechnik, Pflegepersonal und Wirtschaftlichkeit. In den 1970ern verbringen die Patienten durchschnittlich 19 Tage im Kran- kenhaus, nicht selten in Bettensälen oder in Not- betten auf dem Flur. Vater Staat greift ein «Krankenhauselend in der Wohlstandsgesell- schaft » lautet 1969 das Motto des Deutschen Krankenhaustags. Und im Jahr darauf titelt der Spiegel mit der durchaus berechtigten Frage « Ist das Krankenhaus pleite?». Gegen die Misere des deutschen Kranken- hauswesens will die sozialliberale Koalition unter Willy Brandt entschlossen vorgehen. Unter den Fittichen von Vater Staat, so die Strategie, sollen der Bestand und die Modernisierung der Kran- kenhäuser wirtschaftlich gesichert werden. Dafür soll mehr Geld aus den Staatskassen kommen, die dank des Nachkriegswirtschaftswunders noch prall gefüllt sind. Im Jahr 1969 erwirkt das Kabinett unter Bundes kanzler Brandt zunächst mit einer Grundgesetz änderung, dass die Krankenhausfinanzierung zu einer Aufgabe der öffentlichen Hand wird. Waren vormals die Krankenkassen für die wirt- Sana vor 40 Jahren Aufbruch der Pioniere Notfallpatient Krankenhaus Ende 1970 prangert der Spiegel die Finanzmisere des deutschen Kranken hauswesens an. 19 Tage 14 Tage 7,4 Tage Entlassung entlastet Seit 40 Jahren ist die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus stark gesunken. 1970 1991 2014
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