KrankheitsbilderSchilddrüsenerkrankungen

Die Schilddrüse (»Glandula thyroidea«) ist eine wichtige Drüse des menschlichen Körpers. Sie bildet, abhängig von der Aufnahme von Iod mit der Nahrung, Hormone. Die Schilddrüse besteht aus zwei Lappen (»Lobus sinister und dexter«), die über eine schmale Gewebebrücke (»Isthmus«) miteinander in Verbindung stehen. Diese Gewebebrücke befindet sich unmittelbar vor der Luftröhre (»Trachea«). Mit einem Gesamtvolumen von bis zu 18 ml bei Frauen und bis zu 25 ml bei Männern, ist die Schilddrüse die größte hormonproduzierende Drüse des menschlichen Körpers. Die von ihr gebildeten Hormone (Triiodthyronin und Thyroxin) sind von großer Bedeutung für die normale Entwicklung des neugeborenen Organismus und beim Erwachsenen für den Stoffwechsel und Funktionszustand vieler Organe.

Krankheiten

Die Krankheiten der Schilddrüse sind sehr vielfältig und reichen von Schilddrüsenüber- und unterfunktionen, Schilddrüsenknoten- und vergrößerungen (»Struma«; am häufigsten durch einen Iodmangel bedingt) oder –zysten über Autoimmunerkrankungen (Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis) bis hin zu bösartigen Tumorerkrankungen (follikuläres, papilläres, anaplastisches, medulläres Karzinom). Je nach Art, Ausprägung oder Stadium der Erkrankung kommt es zu Symptomen wie Schluckstörungen, Atemnot, Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Rhythmusstörungen und zahlreichen weiteren allgemeinen Beschwerden.

Operation

Die Empfehlung zur Operation wird unter anderem vom Nuklearmediziner und HNO-Facharzt gestellt. Das Ausmaß der Schilddrüsenoperation, das heißt, ob nur ein Teil (Hemithyreoidektomie) oder die gesamte Schilddrüse (»Thyreoidektomie«) entfernt werden muss, hängt von der zu Grunde liegenden Erkrankung ab und wird im Vorfeld der Operation besprochen. Die Operation erfolgt üblicherweise in Vollnarkose. Es findet einige Tage vor der geplanten Operation ein Vorgespräch mit den entsprechenden Untersuchungen (körperliche Untersuchung, Ultraschall) und dem Aufklärungsgespräch statt. Der sich an die Operation anschließende stationäre Aufenthalt umfasst circa 2-4 Tage, da hier mögliche Komplikationen (Schwellungen, Blutungen, Heiserkeit) und Schmerzen schneller und besser kontrolliert werden können, als zu Hause.

Für die Operation gibt es unterschiedliche Techniken:

  • Zum einen die seit über 125 Jahren durchgeführte konventionell-offene Technik, bei der der Zugang über einen queren Hautschnitt am Hals etwa 2 Finger breit über dem Brustbein erfolgt. Dieser ist ungefähr 5-6 cm lang und wird in eine Hautfalte gelegt, um ein besseres kosmetisches Ergebnis zu erzielen. Je nach Ausmaß der Operation werden die Gewebebrücke und die beiden Schilddrüsenlappen dann aus der Umgebung am Hals herausgelöst und die versorgenden Blutgefäße abgebunden und durchtrennt. Dies ist ein sehr häufig durchgeführtes und hoch standardisiertes Operationsverfahren (Lupenbrille, Neuromonitoring). Im Verlauf der Operation ist die sorgfältige Darstellung und der Erhalt des Stimmbandnerven (Nervus laryngeus recurrens) notwendig. Die Darstellung des Nerven kann während der Operation mittels elektrischer Stimulation (Neuromonitoring) erfolgen, sodass der Nerv während der Operation sicher erkannt werden kann. 
  • In den letzten Jahren wurde in unserer Klinik eine weitere Operationsmethode entwickelt und über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt, die Trans-Oral Endoskopische Thyreoidektomie (TOET). Bis Ende 2017 wurden weltweit bereits mehr als 1.000 Patienten mit dieser neuen Methode operiert. Dabei entstehen keine äußeren Narben, weil der Zugang  zur Schilddrüse nicht über einen Schnitt in der Haut, wie oben beschrieben erfolgt, sondern die Schilddrüse durch kleine Schnitte im Mund entfernt wird. Dabei werden über einen 3-Wegezugang (BILD) verschiedene Operationsinstrumente und einEndoskop durch eine Schlüsselloch-Technik zur erkrankten Schilddrüse vorgeschoben und diese nachfolgend nach Befund teilweise oder komplett entfernt. Die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen eine ähnlich geringe Rate an Komplikationen wie bei der oben beschriebenen konventionellen Technik. Zudem entstehen keine sichtbaren Narben, da ja kein Hautschnitt durchgeführt werden muss. Bisher wurden von den Patienten, die so operiert wurden, keine Schluckstörungen beschrieben und auch das postoperative Schmerzempfinden ist wesentlich geringer als bei der Standard-Technik. Zudem gibt es ähnlich geringe Raten von Schäden an den Stimmbandnerven. 
     

Studie In Borna

In unserer Klinik wird zurzeit eine wissenschaftliche Untersuchung über die zwei oben vorgestellten Operationsverfahren der Schilddrüse durchgeführt. Mithilfe der Studie soll verglichen werden, wie stark sich Schmerzen, Schluckstörungen und die Patientenzufriedenheit nach der Operation im Vergleich zum herkömmlichen Verfahren unterscheiden. Insgesamt ist der Einschluss von jeweils 50 Patienten für die transoral-endoskopische und die konventionelle Operationstechnik geplant.Die Patienten werden – das dokumentierte Einverständnis vorausgesetzt – entsprechend Ihrem Wunsch bzw. der Indikation dem jeweiligen Operationsverfahren zugeteilt. Die wissenschaftliche Untersuchung soll über einen Zeitraum von insgesamt drei Jahren laufen. Für die Patienten selbst werden zusätzliche Untersuchungen im Rahmen der Studie eine Woche, zwei Wochen und sechs Monate nach der Operation durchgeführt.