Lübeck

Mehr Lebensqualität für amputierte Patienten Neues Operationsverfahren für holländischen Soldaten zur Rehabilitation nach beidseitiger Oberschenkelamputation

Patientengeschichte

Am 15.05.2012 soll in Deutschland ein Soldat aus den Niederlanden nach beidseitiger Oberschenkelamputation mittels sog. Endo-Exo-Femurimplantate versorgt werden. Der Patient hatte diese schwere Verletzung im Rahmen eines Einsatzes in Afghanistan erlitten. Begleitet von 2 Ärzten aus den Niederlanden wird Dr. Host Aschoff, Chefarzt der Sana Kliniken Lübeck Klinik Für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie diese Operation am Patienten durchführen. Viele internationale Spezialisten der Medizin interessieren sich für
diese Operationsverfahren, welches hier in Lübeck entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um die prothetische Versorgung Oberschenkel amputierter Patienten mittels in den Oberschenkelknochen verankerter Implantate, welche durch die Haut nach außen treten und an die nach Einheilung die Knie- Unterschenkelprothetik angeschlossen werden kann. Das dadurch mögliche knochengeführte Gehen bietet dem Patienten sowohl eine erhöhte Gangsicherheit als auch einen vermehrten Tragekomfort und einen verminderten Energieaufwand beim Gehen und damit eine verbesserte Lebensqualität.

Wir laden Sie ein, die Patientengeschichte zu begleiten. In zwei Op-Steps wird der Patienten in Deutschland versorgt. Von der ersten OP bis zur Gangfähigkeit mit den Prothesen wird etwa ein viertel Jahr vergehen. Um die Geschichte schneller zu beschreiben, könnten Sie an der Operation in der nächsten Woche live dabei sein und im Anschluss ggf. ein Gespräch mit einem Patienten aus Lübeck, der bereits mit einer solchen Prothese versorgt ist sprechen.

Die simultane Versorgung gleich beider Oberschenkelstümpfe stellt eine weitere
Besonderheit dieses speziellen Falles dar.

In Deutschland werden jährlich etwa 30 000 Ober- und Unterschenkelamputationen durchgeführt, von denen geschätzt ca. 500-1000 für die vorgestellte Operation in Frage kommen.

Bei dem neuen Verfahren wird eine von der Lübecker Firma Orthdynamics GmbH
entwickelte Prothese direkt mit dem Oberschenkelknochen verbunden. Grundlage sind mit einer Titanoberfläche veredelte Implantate aus einer Kobalt-Chrom-Molybdän-Legierung. Eine reliefartige Oberfläche des Implantats ermöglicht das Einwachsen des Knochens, die so genannte Osseointegration. Die Methodik stammt ursprünglich aus der Zahnimplantologie und wurde für die Endoprothetik weiter entwickelt.

Durch die direkte Verbindung der Prothese mit dem Knochen spürt der Patient wieder den Boden und kann so sicherer auftreten. Das Gangbild verbessert sich deutlich. Die bisher mit einer EEFP behandelten Patienten konnten ungefähr acht bis zehn Wochen nach der Operation die neue Prothese voll belasten: „Das Prinzip transcutan ausgeleiteter osseointegrierter Prothesen kann für die Versorgung von Menschen, die Gliedmaßen verloren haben, eine sehr hilfreiche Alternative zur bisherigen herkömmlichen Schaftprothese darstellen,“ prognostiziert Dr. Aschoff.

Allgemeiner Hintergrund
Üblicherweise erhalten Amputationspatienten Prothesen, deren Schäfte weich ausgepolstert sind und in die der Oberschenkelstumpf eingezogen und fixiert wird. An den Schaft wird das jeweilige Knie- Unterschenkel- Prothesensystem angekoppelt. Allerdings treten bei diesem herkömmlichen Verfahren häufig Probleme zwischen Prothesenschaft, Hautmantel und dem die Last des Körpergewichts tragenden Sitz- und Schambein auf. Der weich abgepolsterte
Schaft verhindert ein sicheres, festes Auftreten und einen harmonischen Gang.
Hautirritationen, Druckstellen und Probleme bei Gewichtszu- oder Abnahme machen Prothesenträgern zu schaffen.

Die ersten Femurprothesen wurden 1999 in Lübeck implantiert. Seither wurden Implantat und Behandlungsverlauf weiter entwickelt, vor allem, um das mit dem Eingriff verbundene Infektionsrisiko zu minimieren. Weltweit erhielten seither mehr 130 Patienten eine EEFProthese, davon 66 durch Dr. Horst Aschoff. Weil die Endo-Exo-Femurprothese die Mobilität der Patienten erheblich verbessert, aber auch das Risiko einer Infektion nicht ausgeschlossen werden kann, kommen vor allem junge Patienten ohne größere Begleiterkrankungen für EEFP in Frage. Ein Gliedmaßenverlust wegen Durchblutungsstörungen oder als Folge einer Diabeteserkrankung eignet sich nicht für dieses Verfahren. Wichtig ist die Möglichkeit einer Endo-Exo-Femurprothese vor allem für Patienten, die mit einer herkömmlichen Schaftprothese nicht ausreichend versorgt werden können.


Zu den Sana Kliniken Lübeck
Die Sana Kliniken Lübeck sind mit rund 17.000 stationären und teilstationären Fällen einer der größten Anbieter medizinischer Akutversorgung im östlichen Schleswig-Holstein. Etwa 700 Mitarbeiter sind für die Patienten da. Die Sana Kliniken Lübeck bieten eine hochqualitative wohnortnahe Versorgung mit zahlreichen Spezialisierungen, so z. B. in den Bereichen Kardiologie, Gastroenterologie, Pneumologie, Diabetologie, Hämatologie und Onkologie sowie Bauchchirurgie, Orthopädie, Wirbelsäulenchirurgie, Gefäß- und Thoraxchirurgie, Plastische- und Handchirurgie, Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerztherapie, Radiologie und Urologie.


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