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Modernste PalliativmedizinWas bedeutet das in der Praxis?

Das Sana Klinikum Lichtenberg verfügt über eine neue moderne Palliativstation. Aber was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „Palliativmedizin“? Dörte Rooch, Oberärztin des Bereichs Palliativmedizin, klärt auf.

Palliativmedizinische Einrichtungen werden oft mit Hospizen verwechselt. Erklären Sie uns doch bitte einmal die unterschiedlichen Aufgaben.
Palliativmedizinische Einrichtungen befinden sich meist an einem Krankenhaus. Hier begleitet ein multiprofessionelles Team Menschen mit einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung (wie etwa Krebs). Ziel der Behandlung ist es, mit den Ressourcen und Behandlungsmöglichkeiten des Krankenhauses die spätere Entlassung nach Hause oder in eine geeignete Anschlusseinrichtung zu ermöglichen, zum Beispiel in ein Hospiz. Diese wiederum ist eine vom Krankenhaus oder Seniorenheim unabhängige Pflegeeinrichtung, in der Menschen mit einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung betreut werden – bis zu ihrem Tode.

Inwiefern ergänzen sich Palliativ- und Hospizarbeit?
Ziel der Behandlung in beiden Einrichtungen ist es, belastende Krankheitssymptome wie etwa Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit zu minimieren und somit zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen und deren Angehörigen beizutragen. Es geht darum, dass der Patient die verbleibende Lebenszeit optimal nutzen kann. Palliative und hospizliche Arbeit ergänzen sich etwa in der Möglichkeit, von einer Palliativstation direkt in eine Hospizeinrichtung verlegt werden zu können.

Welche Indikationen sollten Patienten erfüllen, um eine Behandlung auf der Palliativstation stationär fortzuführen?
Voraussetzung für die Behandlung auf einer Palliativstation ist eine palliative Erkrankungssituation, also eine fortgeschrittene Erkrankung mit belastenden Krankheitssymptomen. Häufig besteht eine körperliche Schwäche, die die Mobilität einschränkt oder zu Bettlägerigkeit führt. Auch eine akute Depression in Folge einer Krebsdiagnose kann hier behandelt werden. Gleiches gilt auch für die Verarbeitung einer plötzlichen Pflegebedürftigkeit, die einen Menschen aus der Selbstständigkeit reißt.

Geht der Palliativstation immer eine stationäre Krankenhausbehandlung voraus?
In unserem Haus können die Patienten während der Krankenhausbehandlung über ein Konsil den Palliativmedizinern vorgestellt werden. Die Kollegen beurteilen dann die Beschwerden, erfassen die Patientenwünsche und entscheiden, ob der Patient durch den hausinternen Palliativdienst ergänzend betreut werden, oder ob er eine palliative Komplexbehandlung durch ein multiprofessionellesTeam auf „seiner“ Station erfährt oder direkt auf unsere Palliativstation verlegt wird. Häufig erfolgen auch Direkteinweisungen auf die Palliativstation von niedergelassen Onkologen, Palliativmedizinern oder niedergelassenen Fachärzten.

Wie lange dauert in der Regel ein Aufenthalt auf der Palliativstation?
Das ist sehr unterschiedlich und variiert je nach Bundesland und Krankenhaus. Bei uns liegt die mittlere Verweildauer bei 10 bis 16 Tagen. Die Finanzierung des Aufenthalts ist übrigens durch die Krankenkassen abgedeckt.

Welche Rolle spielt die Einbeziehung von Familienangehörigen?
Die Einbeziehung von Familienangehörigen ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Wir wollen die Angehörigen einbinden, sie zur Unterstützung motivieren und ihnen praktische, alltagsbezogenen Hilfestelllungen geben. Ebenso sollen Ängste abgebaut werden. Aufgrund der räumlichen Möglichkeiten in unseren Patientenzimmern können Angehörige auch im Zimmer übernachten.

Kontakt

Dörte Rooch

Oberärztin und ärztliche Leitung des Bereichs Palliativmedizin, Sana Klinikum Lichtenberg

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