Die Fokusgruppe Pflegequalität

Innovation und Austausch zum Wohle des Patienten

Andrea van Schayck ist stellvertretende Pflegedirektorin der Regio Kliniken und Mitglied in der Fokusgruppe Pflegequalität. Im Interview spricht sie über Innovationen in der Pflege, die Versorgung älterer Patienten und den Wissenstransfer bei Sana.

Andrea van Schayck ist stellvertretende Pflegedirektorin der Regio Kliniken und Mitglied in der Fokusgruppe Pflegequalität.

Die Pflege ist eine tragende Säule in jedem Krankenhaus. Entsprechend hoch ist auch ihr Stellenwert bei den Sana Kliniken. Deutschlands drittgrößter Klinik-Verbund hat eigens eine „Fokusgruppe Pflegequalität“ ins Leben gerufen. Was macht dieses Experten-Gremium?

Andrea van Schayck: Das Gremium setzt sich aus Pflegeexperten zusammen,  die aus unterschiedlichen Pflegebereichen kommen und die Studienausrichtungen Wissenschaft und Management haben. Mein persönlicher Schwerpunkt liegt im Bereich der Pflegewissenschaften. Ziel der Fokusgruppe ist die Sicherstellung, Konzeptionierung und Organisation der pflegerischen Versorgung der Sana Kliniken. Dabei liegt der Fokus auf der Patienten- und Qualitätsorientierung. 

Die „Fokusgruppe Pflegequalität“ stellt sicher, dass die Patienten die bestmögliche Versorgung erhalten und von Innovationen in der Pflege profitieren. Wie hat man sich die Arbeit konkret vorzustellen – in welchen Bereichen setzt die Fokusgruppe ihre Schwerpunkte?

van Schayck: Die Fokusgruppe konzentriert sich auf folgende Aktivitäten:

  • Konzernweite Mindeststandards:
    Qualitätssicherung durch konzernweite Mindeststandards wie beispielsweise zum Umgang mit freiheitseinschränkende Maßnahmen. Als Ausgangspunkt wurde hierzu eine Punktprävalenzstudie durchgeführt. Ziel ist, einen Überblick über den Umgang mit freiheitseinschränkenden Maßnahmen und die Rahmenbedingungen zu diesem Thema zu erhalten. Anschließend folgt das  Projekt „Basisschulung – Umgang mit kognitiv eingeschränkten Patientenim Akutkrankenhaus, Erarbeitung eines prästationären Aufnahmebogens, Erarbeitung einer „VA Transport sedierte Patienten in den OP“.
  • Expertenstandards:
    Qualitätssicherung durch konzernweite Umsetzung der Expertenstandards, darunter das Sana Wundmanagement-Konzept 2.0 (Erarbeitung einer Wundfibel, Wundtafel, VA Wundmanagement, AA Fotodokumentation, md Wundrand- und Umgebungsschutz, VA Hygienischer Verbandswechsel), Überarbeitung des Sturzprophylaxe-Konzepts, Erarbeitung von Assessmentinstrumenten für das Entlassmanagement (ISAR-Score, Barthel-Index), Erarbeitung eines Ernährungsassessments.
  • Früherkennung von kritisch kranken auf der Normalstation: Projekt: Etablierung eines IT-gestützten Frühwarnsystems für Patienten auf Normalstation im Akutkrankenhaus,
  • Ausbau der IT-gestützten Pflegedokumentation, beispielsweise die Digitalisierung der Wunddokumentation

Sie sehen, ein bunter Blumenstrauß an Themen, die alle gleichermaßen wichtig sind – und zwar für alle Häuser. Daher ist eine konzernweite Erarbeitung von Mindeststandards eine effiziente Nutzung von Wissen und Ressourcen, um für alle einen umsetzbaren und sicheren Weg im daily doing und besonders in unserer Dokumentation zu haben.

Die Menschen werden immer älter und alterstypische Beschwerden nehmen zu. Das stellt die Pflege vor neue Herausforderungen. Wie gehen sie mit kognitiv eingeschränkten Patienten um, um Lebensqualität und Sicherheit gleichermaßen zu gewährleisten?

van Schayck: Die wesentlichen Erfolgsfaktoren auf dem Weg zu einer zielgruppenorientierten Versorgung von kognitiv eingeschränkten Patienten sind die Aspekte Vernetzung, Wissen und Innovation. Neues Wissen aus Forschung und Praxis müssen dem Patienten zugänglich gemacht werden. Daher wurden konzernweit Demenzlotsen geschult, die Ihr Wissen in die Häuser tragen und Ihre Kollegen als Lotse durch das Thema führen wird. Schwerpunkt wird im ersten Schritt das Angebot von CNE online Schulungen sein. Weiterführende Maßnahmen sind in Planung.

Die Digitalisierung schreitet im Gesundheitswesen weiter voran. Können Sie erklären, wie IT-gestützte Systeme die Pflege machen?

van Schayck: Die Herausforderungen und der Kostendruck  im Gesundheitswesen steigt weiter. Nur durch praktikable Innovationen werden wir die Entwicklung meistern. Natürlich benötigen wir dafür digitale Lösungen, die uns Arbeit abnehmen beziehungsweise erleichtern wie beispielsweise Wlan im gesamten Krankenhaus, oder auch eine vernetzte und komplett digitale Patientendokumentation. Allerdings gibt es in unseren Kliniken schon ganz viele tolle, interessante und innovative Ansätze, auf deren Umsetzung wir als erstes unseren Fokus legen sollten. Wir brauchen einfache, kosteneffiziente, leicht umsetzbare Lösungen sowie eine Vereinfachung der bestehenden Prozesse. Nur so kann eine effiziente Versorgung unserer Patienten und eine Entlastung der Mitarbeiter stattfinden. 

Informationen bereitzustellen und Experten aller Fachbereiche zu vernetzten ist eine Triebfeder der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Auch die „Fokusgruppe Pflegequalität“ beschäftigt sich mit Kennzahlen und Wissenstransfer.

van Schayck: Um Qualitätssicherung effizient durchführen zu können, brauchen wir die Auswertungen von Routinedaten. Durch die Festlegung von klinikweiten Pflegequalitätskennzahlen, beispielsweise  Hygienerelevante Kennzahlen, Dekubitus- und Sturzstatistiken sowie Daten aus den permanenten Patientenbefragungen, bieten wir Transparenz und Vergleichbarkeit innerhalb der Klinik und im gesamten Sana Verbund. Nur so können wir lernen und wachsen.

Wissenstransfer ist ein wichtiges Thema bei Sana. Seit einigen Jahren gibt es bereits das Potential Förderprogramm, an dem ich auch teilnehmen konnte. Im aktuellen Programm, begleitet durch den Konzernbereich "Unternehmensstrategie Pflege", wird ein Konzept zur die Identifizierung und Nutzung von pflegewissenschaftlichen Kompetenzen im Sana Konzern erarbeitet (Wundexperten ICW, Atmungstherapeuten, Kinästhetik-Trainer, Pain Nurse u.v.m.). Diese Netzwerk ermöglicht die Sicherstellung und Bereitstellung von Expertenwissen.

Weiterhin gibt es Kooperationen mit nationalen und internationalen Instituten im Gesundheitswesen. Besonders hervorheben möchte ich das Projekt: „Implementierung des Magnetkrankenhaus-Modells am RKU in Ulm“. Ein sehr beeindruckendes Projekt der Ulmer Kollegen!