19.12.2013, Uetersen

Hilfe für pflegende Angehörige in den Regio Kliniken Elmshorn, Pinneberg und Wedel

Modellprojekt ‚Familiale Pflege’ von AOK NORDWEST und Universität Bielefeld:

Die Regio Kliniken gehören zu den ersten Krankenhäusern in Schleswig-Holstein, die den Angehörigen ihrer Patienten kostenlose Beratungen und Pflegetrainings anbieten.

Ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt oder ein Oberschenkelhalsbruch: von einem Tag auf den anderen ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen plötzlich alles ganz anders. Die Familie muss nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt oft unvorbereitet sehr schnell Entscheidungen zur weiteren Versorgung ihres pflegebedürftigen Angehörigen treffen. Besonders betroffen sind Angehörige von alten, multimorbiden oder an Demenz erkrankten Menschen. Wer sich zu Hause plötzlich einer solchen Aufgabe gegenübersieht, muss in Schleswig-Holstein künftig nicht mehr verzweifeln: Hilfe bietet das neue Modellprojekt ‚Familiale Pflege’ von der AOK NORDWEST und der Universität Bielefeld, das heute, in Elmshorn für die Regio Kliniken vorgestellt wurde. „Wir wollen damit den Angehörigen von Patienten mit praktischen Hilfen den Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege erleichtern“, so AOKRegionaldirektor Alf Jark.

Die Regio Kliniken gehören damit zu den ersten Krankenhäusern in Schleswig-Holstein, die den Angehörigen ihrer Patienten kostenlose Beratungen und Pflegetrainings anbieten. Sie nehmen dadurch eine wichtige Schlüsselstellung bei der Pflege ein. „Mit der Einführung des Projekts in unserem Hause unternehmen wir einen wichtigen Schritt, um Angehörige zu guter Pflege zu befähigen und so den Drehtüreffekt von Wiederaufnahmen bereits versorgter Patienten zu vermeiden“, sagt Georg Opgennoorth, Pflegedirektor für die Regio Kliniken in Pinneberg und Wedel.

Nicht selten wird der Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Versorgung als Krise erlebt: Die Durchführung der Pflege ist noch mit Unsicherheiten behaftet, da Pflegetechniken noch nicht gelernt und die häusliche Pflegesituation in der Familie noch nicht abgestimmt sind. Hier setzt das Modellprojekt‚ Familiale Pflege unter den Bedingungen der G-DRG’s’ an. „Ein Krankenhausaufenthalt dauert heute nur noch ein paar Tage, da ist schnelle Hilfe erforderlich“, sagt Stephan Seifen, wissenschaftlicher Begleiter des Projekts von der Universität Bielefeld.

Deshalb bieten Pflegetrainerinnen den Angehörigen schon im Krankenhaus einzelfallbezogene Pflegetrainings an. Dabei lernen die Teilnehmer Pflegetechniken kennen. Es geht um die richtige Lagerung und Bewegung aber auch um Körperhygiene oder praktische Hilfestellungen beim Anund Ausziehen, beim Essen und Trinken. Und sogar der Einsatz von Hilfsmitteln steht auf dem Übungsplan. Den Familien wird in Gesprächen aber auch vermittelt, wie sie ein pflegerisches Netzwerk knüpfen, damit die ganze Verantwortung nicht auf den Schultern eines Angehörigen allein lastet. „In dieser Situation müssen mehrere Leute Verantwortung übernehmen, sonst kommt es zu 2 Stress und Erschöpfung der Pflegenden“, so Stephan Seifen. Anschließend geben die Pflegetrainerinnen der pflegenden Familie Sicherheit durch individuelle Pflegetrainings im Rahmen von Hausbesuchen. Initialpflegekurse und ein monatlicher Gesprächskreis dienen der Vertiefung der Pflegekompetenz und der Reflexion des familialen Pflegealltags.

Bei den Regio Kliniken hat die Umsetzung der Pflegetrainings, Pflegekurse und Gesprächsangebote Mitte des Jahres begonnen. Seitdem beteiligten sich von Juni bis Oktober schon 62 pflegende Angehörige an den Pflegetrainings, Beratungen und Kursen. „Die Resonanz war durchweg positiv“, freut sich Sabine Gerhardt, Pflegedirektorin am Regio Klinikum Elmshorn. „Wir haben für unsere Kliniken in Elmshorn, Pinneberg und Wedel jeweils zwei Pflegexpertinnen in einer wissenschaftlichen Weiterbildung für die familiensensible Durchführung der Unterstützungsangebote qualifiziert“, so Sabine Gerhardt.

AOK-Regionaldirektor Alf Jark erhofft sich durch das Projekt, dass die Pflege allein durch die Angehörigen im häuslichen Umfeld weiter gestärkt wird. Denn gerade in Schleswig-Holstein liegt deren Anteil lediglich bei 39,5 Prozent. Damit bildet Schleswig-Holstein im Vergleich mit den anderen Bundesländern das Schlusslicht.

Bisher haben sich 23 der 50 in Frage kommenden Krankenhäuser in Schleswig-Holstein für das Modellprojekt entschieden. Die PflegetrainerInnen der beteiligten Krankenhäuser haben die wissenschaftliche Weiterbildung im Juni dieses Jahres abgeschlossen. Die Kosten des Modellprojekts trägt in Schleswig-Holstein die AOK NORDWEST.im Rahmen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Profitieren von dem Projekt können alle pflegenden Angehörigen unabhängig welcher gesetzlichen Pflegekasse sie angehören. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Hintergrund:

Das Modellprojekt wurde an der Universität Bielefeld unter der Leitung von Prof. Dr. Katharina Gröning 2004 initiiert und seither in Kooperation mit IN CONSULT Bochum kontinuierlich weiterentwickelt. Das auf Forschungsergebnissen basierende Konzept will pflegende Eheleute und Angehörige in ihrer Verantwortung durch Beratung, Bildung und Pflegeanleitung stärken.

Pflegefachkräfte und Pflegeexperten der am Modellprojekt beteiligten Krankenhäuser werden im Rahmen einer wissenschaftlichen Weiterbildung für die familiensensible Durchführung der Unterstützungsangebote qualifiziert. 2013 beteiligen sich 310 Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein am Modellprojekt. 27.151 pflegende Angehörige haben 2012 an Pflegetrainings, Initialpflegekursen und Gesprächskreisen teilgenommen. Laut Evaluationsbericht der Uni Bielefeld fühlen sich 96 Prozent der Teilnehmer durch die Pflegetrainings „gut“ oder „eher gut“ vorbereitet.

Im Dezember 2011 waren in Schleswig-Holstein 80.221 Menschen pflegebedürftig (2,85 Prozent der Bevölkerung), 59,4 Prozent (47.686) wurden zu Hause versorgt. Davon wurden 15.964 Menschen zusammen mit ambulanten Pflegediensten gepflegt. Insgesamt 40.6 Prozent der Pflegebedürftigen wurden in Heimen vollstationär versorgt.


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