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Eine psychiatrische KlinikEin ganz normales Krankenhaus?

Manchmal sind seelische Krisen so erschütternd für die Betroffenen, dass eine ambulante Therapie nicht ausreicht. Hier können Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie und/oder Psychosomatik unterstützend wirken. Unterschieden werden Tageskliniken von vollstationären Angeboten: Die Tagesklinik setzt voraus, dass die Betroffenen nicht weit vom Standort der Klinik wohnen und psychisch soweit stabil sind, sodass sie zu Hause schlafen können, weiß Prof. Dr. Peer Abilgaard, Chefarzt für Psychatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an den Sana Kliniken Duisburg.

Keine typische „Krankenhaus-Atmosphäre“

„Nicht selten sind die Patienten überrascht, wenn sie eines unserer Häuser betreten. Denn vieles erinnert so gar nicht – wie viele vielleicht im ersten Moment vermuten – an einen typischen Krankenhaus-Aufenthalt“, erzählt Prof. Abilgaard. Im Gegenteil: Die Atmosphäre auf den Stationen wird ganz bewusst möglichst behaglich gehalten und auch die klassische weiße Berufsbekleidung wird man in der Regel nicht antreffen. Zumal sich seelische Krisen ja nicht als ansteckende Krankheiten verbreiten, denen man mit entsprechenden Hygiene-Maßnahmen begegnen müsste. Dass sich die Patienten wohlfühlen, steht daher ganz klar im Mittelpunkt. Darüber hinaus ist auch die Zusammensetzung des Behandlungsteams im Vergleich zu einer körpermedizinisch orientierten Klinik vergleichsweise bunt. Pflegekräfte sind hier genauso therapeutisch tätig wie Kunst-, Bewegungs- und Musiktherapeuten, Sozialarbeitern, Psychologen sowie Ärzte.

Untersuchungsablauf und Therapiemöglichkeiten

Nach einer Eingangsuntersuchung, die mögliche körperliche (Mit-)Erkrankungen erfasst und körperliche Ursachen für psychische Krisen abfragt, erhalten die Patienten einen umfangreichen Therapieplan. Dieser Therapieplan ist immer individuell auf die zu behandelnde Person abgestimmt und umfasst ein vielfältiges Konzept, bestehend aus unterschiedlichen Bausteinen: Hierin enthalten sind beispielsweise Einzel- und Gruppengespräche, kreativtherapeutische Angebote, ärztlich und pflegerisch geleitete Visiten. Es gibt aber auch Zeiten, in denen die Patienten in der therapeutischen Gemeinschaft ihre Freizeit gestalten können. Manche Angebote sprechen die gesamte Patientengruppe an, andere wiederum behandeln gezielt die Symptome, die nur einzelne Patienten zeigen. Nicht selten werden auch wichtige Bezugspersonen in den therapeutischen Prozess miteinbezogen. Das setzt natürlich immer das Einverständnis der Patienten voraus. Generell sind Besuche in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken aber willkommen. Allerdings sollten diese außerhalb der Therapiezeiten stattfinden.

Neben der Psychotherapie spielen bei manchen psychosomatischen Erkrankungen auch Medikamente eine unterstützende Rolle. „Hierbei ist jedoch ganz besonders Wert auf eine ausführliche Aufklärung über Wirkungen und etwaige Nebenwirkungen gelegt werden“, betont Prof. Abilgaard. „Zudem ist darauf zu achten, wie sich empfohlene Psychopharmaka mit bereits bestehenden Medikamentenplänen vertragen“.

Ganzheitlicher Blick auf den Patienten ist entscheidend

Um zur Eingangsfrage zurückzukommen: Sind Psychiatrische und psychosomatische Kliniken ganz normale Krankenhäuser? Dies kann sowohl mit ja als auch mit nein beantwortet werden, sagt Prof. Abilgaard: „Sie sind durchaus anders, weil psychische Erkrankungen einen ganzheitlicheren Blick auf den Menschen verlangen. Deswegen braucht es auch ein vergleichsweise großes und multiprofessionelles Team, das die Patienten bei Diagnostik und Therapie begleitet und intensiv betreut. Denn nicht selten haben seelische Krisen eine längere Entstehungsgeschichte – und dann ist es auch nicht verwunderlich, dass der Genesungsprozess nicht unbedingt in wenigen Tagen abgeschlossen ist, sondern manchmal etwas Geduld erfordert. Und da seelische Krisen oft auch sehr unterschiedliche Ursachen haben, braucht es immer ganz individuell auf den einzelnen Menschen zugeschnittene Therapiepläne. Und doch haben psychiatrische und psychosomatische Kliniken auch Züge eines ganz normalen Krankenhauses, das die Diagnostik und Therapie nach klar definierten Standards und Leitlinien durchführen muss. Die in seelischen Krisen vermisste Lebensqualität wird wiedergewonnen und nicht selten berichten uns Patienten, dass ihre anfängliche Reserviertheit gegenüber psychiatrischen Abteilungen unbegründet war und sie eigentlich viel früher die gebotene Hilfe hätten annehmen können“.

Kontakt

Prof. Peer Abilgaard

Prof. Dr. Peer Abilgaard

Chefarzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Sana Kliniken Duisburg

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