Radevormwald

Anja Berger betreut seit einem Jahr die „Familiale Pflege“ im Sana Krankenhaus Radevormwald. Der Start in ihre neue Aufgabe war nicht einfach. Hilfe für pflegende Angehörige

Pflegetrainerin Anja Berger berät pflegende Angehörige derzeit telefonisch. (Foto: Matthias Morawetz)

Als Anja Berger vor einem Jahr ihre neue Aufgabe im Sana Krankenhaus Radevormwald aufnahm, hatte sie sich noch kein Bild davon machen können, wir ihre ersten Monate verlaufen würden. Die Pflegeberaterin und -trainerin rutschte mitten hinein in die erste Corona-Welle in Deutschland und konnte ihre Arbeit von Beginn an nicht so in Angriff nehmen, wie sie es eigentlich geplant hatte. „Normalerweise würde ich zahlreiche Kurse im Krankenhaus und Beratungen im häuslichen Umfeld anbieten, mit denen ich Menschen für die Pflege ihrer Angehörigen fit mache“, erklärt sie. „Das war aber angesichts der pandemiebedingten Auflagen nicht mehr möglich beziehungsweise konnte im Spätsommer nur für kurze Zeit stattfinden.“

Stattdessen verlegte Anja Berger ihre Beratungsexpertise und die Begleitung von Entscheidungsprozessen in die telefonische Beratung. Auch das Zusenden von Infomaterialien, die üblicherweise vor Ort mitgegeben würden, war und ist wichtige Grundlage für die Fernberatungen. „Es ist schon eine ganz andere und auch nicht immer einfache Vermittlung der Inhalte“, berichtet Berger. „Es fehlt der direkte Kontakt zu den zu Pflegenden und es ist auch nicht möglich, einen Eindruck von Mimik und Körpersprache der Gesprächspartnerinnen und -partner zu erhalten. Das ist im Normalfall ein wichtiger Indikator für mich, wie die Informationen aufgenommen und verstanden werden.“

Wer plötzlich in die Situation kommt, Angehörige zuhause zu pflegen, ist in den meisten Fällen Spannungen im Familienumfeld ausgesetzt und muss sich selbst erst mal völlig neu orientieren. Je nach Erkrankung fängt das bereits bei der Kommunikation an, geht über zu beschaffenden Hilfsmittel im häuslichen Umfeld bis hin zur Umgestaltung der räumlichen Gegebenheiten. In diesen Fällen kann die familiale Pflege in Anspruch genommen werden – vorausgesetzt, es ist ein Pflegegrad beantragt oder bereits vorhanden und es ist eine pflegende Person aus dem persönlichen Umfeld festgelegt. „Zur Bewältigung vieler für die Betroffenen neuen Themen und der Konflikte – die eher die Regel als die Ausnahme sind – bedarf es eines funktionierenden Hilfsnetzwerks, das es zu erweitern gilt“, erklärt Anja Berger. „Diese wichtigen Kontakte vermittele ich und das nach individueller Prüfung, was genau in der Situation benötigt wird. Die Beschaffung von Hilfsmitteln erfolgt in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Ergotherapeuten aus dem Sana Krankenhaus.“

Anja Berger hofft, schon bald wieder persönliche Hausbesuchen machen zu können und die notwendige Anamnese dann nicht mehr nur anhand schriftlich dokumentierter und mündlich zugetragener Informationen machen zu können. „Für den direkten und persönlichen Kontakt zu den Menschen ist die Distanzberatung kein Ersatz.“ Insbesondere bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen sei ein persönlicher Zugang unbedingt notwendig, um bei den Patientinnen und Patienten überhaupt eine Akzeptanz für notwendige Hilfestellung – sei es durch die eigenen Angehörigen, Pflegedienste oder Therapeuten – zu erhalten. „Durch Hintergrundwissen über die Patientinnen und Patienten sowie Wertschätzung Ihrer Persönlichkeit suchen wir gemeinsam Lösungswege für die herausfordernde Situation. In der Regel gelingt es, diese Menschen über besondere Fähigkeiten wie Musizieren, Malen oder andere Hobbies zu erreichen. Dafür benötige ich natürlich viele Informationen über die Biografie – und einen direkten Kontakt.“

Zur Person

Anja Berger ist Gesundheits- und Krankenpflegerin, Pflegeberaterin und -trainerin, Palliativ-Fachkraft und Demenzexpertin. Im Sana Krankenhaus Radevormwald ist sie für die Unterstützung pflegender Angehöriger, die sogenannte „familiale Pflege“, zuständig.

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