Stuttgart

Die German Doctors leisten freiwillige Arzteinsätze in Entwicklungsländern. Patricia Darlington, Ärztin am Krankenhaus vom Roten Kreuz Bad Cannstatt, befand sich im Frühjahr 2017 für sechs Wochen im ehrenamtlichen Einsatz in Dhaka, Bangladesch. Ehrenamtlicher Einsatz in Dhaka

In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, helfen seit 1989 deutsche Ärzte mit ihrem ehrenamtlichen Engagement bei gesundheitlichen Problemen der Bevölkerung wie Mangel- und Unterernährung, Magen-Darm-Erkrankungen, Bronchitis und Tuberkulose. Durch die große Einsatzbereitschaft fanden über die Hilfsorganisation bereits 500 Arzteinsätze in Bangladesch statt.

Frau Darlington, Sie sind eine der „German Doctors“ die ehrenamtlich für sechs Wochen in Dhaka die Menschen ärztlich versorgt haben. Wie war ihr erster Eindruck bei Ankunft in Dhaka?

Patricia Darlington: Bei Ankunft am Flughafen hat alles super geklappt. Vor Ort wurde ich vom Koordinator des Projektes herzlich empfangen, und wurde gleich zum ersten „Cha“ (süßen Tee) am Straßenrand eingeladen. Bei der anschließenden Fahrt zur Unterkunft in Manda fielen mir insbesondere die bunte Menschenmenge auf der Straße und die unzähligen Fahrrad-Rikschas auf, die versuchten im Verkehrschaos voran zu kommen. In Manda angekommen, wurde mir für die nächsten sechs Wochen eine Unterkunft im obersten Stock einer Schule bereitgestellt, die ebenfalls durch die German Doctors begründet wurde.

Wie sah Ihr Arbeitsalltag aus?

Patricia Darlington: Gemeinsam als Team fuhren wir täglich raus in die Slums und bauten dort unsere mobile Ambulanz für den Tag auf. Unser Team bestand meistens aus sieben Personen, das heißt wir Ärzte, zwei Übersetzer, eine Apothekerin, ein Administrator und der Koordinator.

Aufgrund der  erhöhten Gefahr von terroristischen Anschlägen begleitete uns täglich eine bewaffnete Polizei-Eskorte zu unseren Sprechstunden in die Slums, was zu Beginn ein mulmiges Gefühl gab. Insgesamt habe ich mich dennoch sehr sicher gefühlt, denn die Bangladeschi sind freundliche und hilfsbereite Menschen. Als Ausländer wird man in der Regel mit Respekt und Neugierde betrachtet.

In den Sprechstunden behandelten wir Menschen jeden Alters. Entgegen meiner Erwartungen gab es nur wenige Patienten mit Tuberkulose, dafür aber viele mit chronischen Krankheiten, die wir auch im Westen kennen, wie Zucker und hohen Blutdruck. Auch Hautkrankheiten und Bronchitis waren häufig.

Während meiner Zeit in Dhaka habe ich ein paar Worte Bangla gelernt. Diese ermöglichten mir einen etwas persönlicheren Kontakt zu den Menschen zu pflegen und brachten viele Patienten zum Schmunzeln.

Was hat Ihnen in Dhaka am meisten gefehlt?

Patricia Darlington: Aus Sicherheitsgründen durfte ich ohne einheimische Begleitung nicht auf die Straße. Deswegen fehlten mir am meisten die Bewegungsfreiheit und der Sport.

Was war für Sie vor Ort als Ärztin schwierig anzunehmen?

Patricia Darlington: Zwei Wochen nach meiner Ankunft beendete die zweite Ärztin planmäßig ihren Einsatz. Anders als geplant konnte die Stelle nicht direkt nachbesetzt werden. Aus diesem Grund arbeitete ich in den letzten vier Wochen als einzige Ärztin– das war erstmal ein Schock für mich. Durch die gute Einarbeitung zu Beginn blieben die anfänglichen Bedenken aber unbegründet.

Natürlich ist es auch nicht einfach, wenn man die schweren Lebensbedingungen der Slumbewohner sieht. Die Menschenarbeiten sehr hart, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, und die hygienischen Umstände in den Slums sind schlecht. Man kann als Arzt leider nicht alle diese Probleme lösen.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Patricia Darlington: Besonders in Erinnerung ist mir ein Slum nahe am Bahngleis geblieben. Die Leute wohnen dort in Hütten direkt am Gleis, oft nur einen Meter von den Schienen entfernt. Auch unsere mobile Ambulanz richteten wir in einer solchen Slumhütte neben den Schienen ein. Bei jedem vorbeifahrenden Zug mussten wir aufgrund der starken Geräuschkulisse unsere Arbeit unterbrechen. Unvorstellbar, dass die dort lebenden Menschen jeden Tag und jede Nacht den Donner der vorbeifahrenden Züge aushalten müssen – ganz abgesehen von der Unfallgefahr durch die fahrenden Züge.

Trotzdem wird mir der Einsatz noch lange in positiver Erinnerung bleiben. Das Team der German Doctors verbindet eine tolle Zusammenarbeit zugunsten der Ärmsten. Trotz den widrigen Umstände sind die Kinder immer fröhlich, und das gute, scharfe Essen brennt jetzt noch ein bisschen im Gaumen!

Gibt es noch etwas, was Sie loswerden möchten?

Patricia Darlington: Für die Projekte der German Doctors kann man mit guten Gewissen spenden. Es handelt sich um stabile, gut organisierte Projekte welche auch in der einheimischen Bevölkerung gut akzeptiert sind. Die German Doctors achten außerdem darauf, dass der Verwaltungsaufwand minimal bleibt.

Krankenhaus vom Roten Kreuz Bad Cannstatt GmbH
Badstraße 35-37, 70372 Stuttgart
i.A. Nina Ziegler
Beauftragte für Marketing & PR
Tel.: +49 711 5533 1245
Nina.Ziegler@Sana.de
 

 

Pressekontakt