Sana vor 15 Jahren

Ein Meilenstein der Vernetzung

Versorgungsgrenzen überwinden - darum geht es auch bei der 2005 besiegelten Partnerschaft zwischen Sana und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Aus dieser Zusammenarbeit werden im Lauf der nächsten Jahre regionale Projekte und Partnerschaften hervorgehen. Damit gelingt, was sich Sana und die niedergelassenen Ärzte gemeinsam auf die Fahne geschrieben haben: Bewegung in die bis dato eher schleppende Etablierung von vernetzten Versorgungsmodellen zu bringen.

In strukturschwachen Gebieten sind solche Modelle oft der einzige Weg, um der Bevölkerung Zugang zu einer leistungsfähigen Medizin zu verschaffen. Am Beispiel des Flächenbundeslandes Berlin-Brandenburg kann man es deutlich machen: Mitte der 2000er Jahre konzentriert sich die Krankenhauslandschaft vor allem auf die Hauptstadt Berlin. Dort versorgen rund 80 zum Teil sehr gut ausgestattete Krankenhäuser 3,4 Millionen Bewohner. Dagegen gibt es für die 2,5 Millionen Bürger des umgebenden Bundeslandes nur 50 Krankenhäuser, viele davon mit veralteter Bausubstanz und hohem Investitionsbedarf.

« Einfache Erfolgsformeln für die Zukunft gibt es nicht. Aber es zeichnet sich ab, dass große Krankenhausverbünde im Wettbewerb um innovative, gute Lösungen schneller vorwärts kommen. »
Thomas Lemke
Mitglied des Vorstands (CFO)

© Esther Neuman Munich Germany

Das Berliner Umland ist als Krankenhausstandort kein einfaches Terrain, hat aber durchaus Zukunftspotenzial. Deshalb übernimmt Sana 2005 die Mehrheit am Paritätischen Unternehmensverbund, einer Tochtergesellschaft des Berliner Paritätischen Wohlfahrtsverbands, die nach der Wende Polikliniken in Berlin und im städtischen Umland übernommen hat. Der Deal ist ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte und die bislang größte Transaktion seit der Gründung mit einer Umsatzsteigerung von 30 Prozent. Unter dem Namen « Sana Kliniken Berlin-Brandenburg » firmieren nun fünf Akut- und Rehakrankenhäuser mit 1300 Betten in Lichtenberg, Sommerfeld, Gransee und Templin sowie mit 100 Ärzten in Polikliniken und anderen Arztsitzen. Damit knüpft Sana ein großes regionales Netzwerk mit Medizin auf universitärem Niveau in den Kliniken in Sommerfeld und Lichtenberg und einer qualitativ hochwertigen Grundversorgung in den anderen stationären und ambulanten Einrichtungen. In Berlin-Brandenburg ist Sana künftig einer der größten Gesundheitsdienstleister und nimmt bei der Etablierung von integrierten Versorgungsformen deutschlandweit eine führende Rolle ein. An fast allen Standorten der Krankenhäuser des Sana Klinikverbunds ist die enge Verzahnung des stationären und ambulanten Sektors inzwischen gelebter Alltag. Das einst starre Grenzregime zwischen diesen Sektoren ist einer produktiven Offenheit gewichen - entgegen allen Widerständen und Denkblockaden.

WACHABLÖSUNG IM KANZLERAMT

Auch das schien 2005 in Deutschland lange Zeit undenkbar zu sein: Eine Frau als Bundeskanzlerin, dazu noch eine ostdeutsche Physikerin, die im Vergleich zu ihren Herausforderern spät in die Politik gekommen und mit 51 Jahren die jüngste in diesem Amt ist und kein allzu ausgeprägtes « Macht-Gen » zu besitzen scheint.

Über 60 Jahre lang hatten Männer das Bild des kämpfenden Kanzlers geprägt, und Merkels Vorgänger Gerhard Schröder hat dieses Image bis zur letzten Minute seiner Amtszeit mit Verve gepflegt. Um ein Haar hätte er der Unionskandidatin den Wahlsieg geraubt, doch am 22. November 2005 tritt Angela Merkel das Amt der Kanzlerin an.

Deutschlands erste Kanzlerin
Bundeskanzlerin Angela Merkel hier beim Besuch der Sana Kliniken Sommerfeld im September 2010.

© Presse- und Informationsdienst der Bundesregierung

Unter Merkels Führung wird die Wehrpflicht abgeschafft, der Atomausstieg beschlossen, der Grexit vermieden. Ihr Regierungsstil wird kontrovers diskutiert, auch weil er oft eher Besonnenheit als Aktionismus verkörpert. Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit distanziert sich Merkel von großen Visionen, kraftvollen Versprechen und raumgreifenden Reformen. Vielmehr setzt sie auf eine Politik der kleinen Schritte.

Die bevorstehenden Aufgaben der Gesundheitspolitik bezeichnet die neue Kanzlerin als die schwierigsten - trotz aller Reformen ist es noch nicht befriedigend gelungen, das Gesundheitssystem wettbewerbsfähig zu machen.

GROSSE AUFGABEN - KLEINE SCHRITT

Schwierig wird es für Merkel auch, weil der Koalitionspartner am Verhandlungstisch ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Große Koalition ist gleichbedeutend mit kleinen Reformschritten. Nicht verwunderlich also, dass die Gesundheitsreform 2007 kein großer Wurf, sondern ein Kompromiss auf kleinstem Nenner ist. Zwischen der wettbewerbsorientierten Unionspolitik - Stichwort « Gesundheitsprämie » - und dem Solidaritätsprinzip der von der SPD geforderten Bürgerversicherung liegen Welten. Letztlich ist keiner der Koalitionspartner mit dem Herzstück der Reform namens Gesundheitsfonds wirklich zufrieden. Auch deshalb wird die Umsetzung erst einmal ins Jahr 2009 vertagt.

Wesentlich freundlichere Entwicklungen überlagern die Stimmung in Deutschland: Konjunkturell herrscht in der Anfangszeit der Regierung Merkel eitel Sonnenschein. Getrieben durch das weltweite Wachstum legt das Bruttoinlandsprodukt kräftig zu. Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte kann deutlich zurückgefahren werden, sodass unterm Strich seit vielen Jahren erstmals wieder ein Einnahmenüberschuss zu verzeichnen ist.

Das deutsche Sommermärchen wird auch auf anderen Schauplätzen erzählt: « Die Welt zu Gast bei Freunden » - unter diesem Motto steht die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Millionen Fans aus aller Welt zelebrieren gemeinsam das Großereignis bei strahlendem Sonnenschein unter freiem Himmel. Ein sichtbarer Beweis dafür, dass auch die vermeintlich ewig nörgelnden und pessimistischen Deutschen begeisternd, ausgelassen und friedlich feiern - ja sogar verlieren - können.

GROSSE EREIGNISS

Für Sana beginnt das Jahr 2006 mit zwei runden Zahlen: Im Januar begrüßt das Unternehmen im Sana-Herzzentrum Cottbus den zehntausendsten Mitarbeiter seit seiner Gründung. Wenige Wochen später verabschiedet sich Waltrud Menge, die Mitarbeiterin mit der Personalnummer eins, nach 30 Jahren in den Ruhestand. Dr. Horst Hoffmann, langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbunds, schreibt in seinem Abschiedsbrief: « Sie können heute in Anspruch nehmen, einen wesentlichen Beitrag zur Erfolgsgeschichte unseres Unternehmens geleistet zu haben. Bekanntlich hat der Erfolg ja viele Väter - bei der Sana aber sicherlich auch eine Mutter. »

Deutschland im Fußballfieber
Die 18. Weltmeisterschaft geht als Sommermärchen in die Sportgeschichte ein.

© dpa/picture alliance

Im Juni dieses Jahres wird Sana Anteilseigner an Europas größtem und führendem Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen. Damit baut der Klinikverbund seinen Schwerpunkt im Bereich Herzmedizin weiter aus. Ein Jahr später beteiligt sich Sana an den Kliniken in Duisburg und Düsseldorf. Gegenüber dem Vorjahr hat das Unternehmen nun 30 Prozent mehr Mitarbeiter, 30 Prozent mehr Patienten und einen Umsatzsprung in zweistelliger Höhe.

Im November 2007 wird Sana zu einer Aktiengesellschaft. Damit startet die Sana Kliniken AG ins nächste Kapitel ihrer Konzerngeschichte. Ein Börsengang ist allerdings nicht geplant - und auch an den Zielen ändert sich nichts: Weiterhin will Sana für Kontinuität, Wachstum und höchste medizinische Qualität stehen.

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