Sana vor 15 Jahren

Heiße Zeiten

Im Sommer 2003 liegt Deutschland gefühlt in den Tropen: Über Monate hinweg klettert das Thermometer auf über 30, mehrfach sogar über 40 Grad. Ein außergewöhnlich stabiles Hoch sorgt dafür, dass die Menschen von den Alpen bis zur Nordsee bis in den Herbst hinein in der Hitze brüten. Hitzig sind im späten Jahrhundertsommer auch die Diskussionen um eine neue Gesundheitsreform, die den charmanten Namen « Gesundheitsmodernisierungsgesetz » trägt. Nach zähem Ringen einigen sich die rot-grüne Regierungskoalition und die CDU/CSU-Opposition darauf, das Gesetzespaket der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt Anfang 2004 in Kraft zu setzen. Viel Wirbel verursacht vor allem die vorgesehene Praxisgebühr von zehn Euro, die gesetzlich Versicherte nun pro Quartal beim Arztbesuch hinblättern müssen. Wenig öffentliche Aufmerksamkeit erregen dagegen zwei Gesetzespunkte, die dem stationären Sektor bislang verwehrte Freiheiten eröffnen.

Dr. Josef Beutelmann
Vorsitzender des Aufsichtsrats 2003 bis heute.

© Barmenia Versicherungen

Erstens dürfen Krankenhäuser ab 2004 auch im ambulanten Bereich hoch spezialisierte fachärztliche Leistungen anbieten, etwa Strahlentherapie für Krebspatienten. Davon sollen vor allem Patienten im ländlichen Raum profitieren, wo die medizinische Versorgung durch niedergelassene Fachärzte oft nicht ausreicht. Zweitens wird die Einrichtung medizinischer Versorgungszentren nun ausdrücklich gefördert - auch dies mit dem Ziel, den ambulanten und stationären Sektor enger zu verzahnen, um die Gesundheitsversorgung effizienter zu machen.

Heiße Debatten
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt kämpft im Rekordsommer 2003 um ihre Gesetzesreform.

© Bundesregierung/Julia Faßbender

Mit beiden Regelungen soll künftig rasch zusammenwachsen, was jahrelang streng voneinander ferngehalten wurde. Im Westen Deutschlands galt die Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung traditionell als heilige Kuh, die von den jeweiligen Interessengruppen eifersüchtig verteidigt wurde. Niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser scheuten den gegenseitigen Wettbewerb und setzten sich vehement dafür ein, dass die Grenzen ihres jeweiligen Hoheitsgebiets gesetzlich geschützt blieben. Im Gesundheitswesen der DDR dagegen waren der ambulante und stationäre Sektor durch das Konzept der Polikliniken per staatlicher Verfügung eng miteinander verzahnt. Mit der Wende verschwanden diese Kliniken zunächst fast völlig von der Bildfläche, doch nun taucht die Idee mit marktwirtschaftlichem Vorzeichen wieder auf.

BEHANDLUNG AUS EINEM GUSS

Mit der neuen Gesetzgebung dürfen Kliniken ab 2004 eigene Angebote für die ambulante Versorgung betreiben oder Ärztehäuser auf ihrem Areal errichten. Der Sana Klinikverbund gehört zu den ersten Unternehmen der Gesundheitsbranche, die solche integrierten Versorgungsmodelle ins Leben rufen: Das Klinikum in Bergen etwa startet im Juli 2004 das Modellprojekt « Gesundheitsinsel Rügen ». Zum neuen Versorgungsnetzwerk gehören niedergelassene Ärzte, Rehakliniken, das Deutsche Rote Kreuz, Apotheken und das Sana-Krankenhaus Rügen. Das Konzept der regionalen Vernetzung im Dienste der besseren und effizienteren Gesundheitsversorgung bewährt sich. Heute umfasst das Netzwerk mehr als 70 Partner und macht Rügen zu einer guten Adresse für den Gesundheitstourismus.

Für Sana bringt das Jahr 2004 eine weitere wichtige Weichenstellung, denn neben Ulrich Bosch und Dr. Reinhard Schwarz wird Dr. Michael Philippi, der bereits seit 1995 mehrere Führungspositionen bei Sana innehatte, neuer Geschäftsführer.

Außerdem wird die Geschäftsführung durch fünf regionalverantwortliche Generalbevollmächtigte erweitert. Im Jahr zuvor hatten die Gesellschafter des Unternehmens das Stammkapital auf 80 Millionen Euro verdoppelt. Ein solides Fundament, auf dem die Wachstumsstrategie nun zügig vorangetrieben werden kann.

Dr. Michael Philippi
Vorsitzender des Vorstands (CEO)

© Esther Neuman Munich Germany

« Ab diesem Zeitpunkt beschleunigte sich das Tempo auf dem Weg vom Verbund zum Konzern spürbar », sagt Dr. Philippi rückblickend. « Wir haben an vielen Stellschrauben gedreht, um unsere gemeinsame Kraft zur vollen Entfaltung zu bringen. »

Ein ganzes Bündel von Neuerungen läuft 2004 vom Stapel. Zum Beispiel beginnen die Kliniken im Sana Verbund mit regelmäßigen Patientenbefragungen und starten mit der konzernweiten Qualitätszertifizierung - beides Maßnahmen, die heute fest in der Unternehmenskultur verankert sind. Außerdem etabliert Sana ab 2004 das Medizin-Board, ein Gremium aus Ärzten, Pflegepersonal und Apothekern, das Strategien und Konzepte entwickelt und die Geschäftsführung berät. Diese Vordenkerrunde soll medizinische Entwicklungen frühzeitig erkennen, Impulse für künftige Investitionen geben und neue Formen der Patientenversorgung erkunden.

Seite 3/6