Sana vor 15 Jahren

Krankenhaus der Zukunft

Den Auftakt macht 2001 die Übernahme des kommunalen Klinikums Remscheid. Das Haus ist hoch defizitär und baulich hoffnungslos veraltet. Sana wagt die bislang größte Investition seiner Unternehmensgeschichte und errichtet mit über 70 Millionen Euro aus Eigenmitteln einen sehr ambitionierten Neubau. Am Remscheider Standort entsteht das « Krankenhaus der Zukunft » - basierend auf einem Konzept, das baulich und organisatorisch konsequent dem Prinzip der Vernetzung folgt. Neu ist auch, dass die Mitarbeiter bei der Gebäudeplanung ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Ihre Erfahrungen aus dem Krankenhausalltag fließen in einen Neubau ein, der altgewohnte Routinen fundmental verändert. Schon die Aufnahme des Patienten geschieht anders als zuvor üblich: Bei der Erstuntersuchung in der zentralen ambulanten Aufnahmestation stellen Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam die Diagnose. Die interdisziplinäre Erstuntersuchung erspart dem Patienten lange Wege und Wartezeiten und vermeidet Doppeluntersuchungen. Seinerzeit europaweit nahezu einmalig ist auch die technische Vernetzung des Hauses mit vollständig digitalisierter Radiologie, WLAN-Handys für die Ärzte und 500 vernetzten Computerarbeitsplätzen. So ist die Klinik trotz ihrer fast 700 Betten auch für das Personal ein Krankenhaus der kurzen Wege. Vernetzung im Dienst der Effizienz ebenso wie zum Wohl des Patienten - damit rüstet sich Sana für den schärferen Wettbewerb um Patienten, Mitarbeiter und finanzielle Mittel.

Wissensmagnet im Netz
Bei der 2001 gestarteten deutschen Wikipedia-Version sind heute rund zwei Millionen Artikel abrufbar.

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BANGE STUNDEN

Das Geld, genauer gesagt der Euro, bewegt Anfang 2002 die Volksseele. Seit dem Jahreswechsel spucken Bankautomaten erstmals die neuen Scheine aus. Viele Deutsche trauern der D-Mark nach und klagen über steigende Preise im Restaurant oder an der Ladentheke. Das Misstrauen gegenüber dem « Teuro » hält lange an, doch die befürchtete Inflation bleibt aus.

Dafür kommt eine Jahrhundertflut: Nach heftigen Regenfällen im August schwillt die Elbe unaufhaltsam an und überflutet weite Teile Sachsens. Das Hochwasser reißt Autos und Häuser mit und fordert 21 Menschenleben. In Dresden erreicht die Elbe am 17. August 2002 den historischen Höchststand von 9,40 Metern.

Jahrhundertflut 2002
Im Innenhof des Dresdner Zwingers watet ein THW-Helfer durch die braunen Fluten der Elbe. Das Hochwasser erreicht die Rekordhöhe von über neun Metern.

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Unweit der Elbauen hatte Sana wenige Monate zuvor das Herzzentrum der Universität Dresden übernommen. Die sächsische Spezialklinik mit 600 Mitarbeitern soll das erste universitäre - Herzzentrum der Sana Gruppe werden. Doch mit dem steigenden Pegel der Elbe wächst auch die Sorge um die Zukunft des Hauses, denn die Wassermassen schwappen immer näher und reichen fast bis zur Tür der Klinik. In den kritischen Stunden davor evakuieren die Mitarbeiter des Herzzentrums und viele freiwillige Helfer die 150 Patienten. Die meisten werden mit Hubschraubern ausgeflogen oder mit dem Rettungsdienst in andere Häuser des Sana Verbunds gebracht. Letztlich hat die Elbe doch noch Erbarmen: Kurz vor dem Herzzentrum macht der Strom kehrt, das Haus bleibt vor dem Schlimmsten bewahrt, und dank des gemeinsamen Engagements aller Helfer kommen keine Menschen zu Schaden.

VON FALL ZU FALL

Eine Flut ganz anderer Art bricht ab 2003 über die deutsche Krankenhauslandschaft herein: Zu diesem Zeitpunkt soll es mit der drei Jahre zuvor gesetzlich verfügten Einführung des neuen Abrechnungssystems auf der Basis von « Diagnosis Related Groups » ernst werden. Tatsächlich aber wird sich die Umsetzung bis zur nächsten Bundestagswahl 2005 hinziehen. Die aufwendigen Prozessumstellungen auf das neue Klassifikationssystem sind in vielen Krankenhäusern kaum zu bewältigen. Der Systemwechsel ist nicht nur eine organisatorische Herausforderung, sondern stellt auch die Denkweise in Sachen Krankenhausvergütung gründlich auf den Kopf. Künftig erstatten die Kassen nicht mehr Tagessätze, sondern für jeden Patienten eine Pauschale, die je nach Diagnose unterschiedlich hoch ist. Das DRG-System definiert Fallgruppen - etwa Hüftoperationen, Entbindungen oder Akutbehandlungen bei Herzinfarkt - , die den gleichen durchschnittlichen Behandlungsaufwand erfordern, also auch gleich bezahlt werden. Die Pauschale berücksichtigt auch den Zustand und das Alter des Patienten, nicht aber den tatsächlichen Behandlungsaufwand pro Fall. Krankenhäuser sind also angehalten, die Abläufe rund um den Patienten möglichst effizient zu gestalten, sonst zahlen sie am Ende drauf. Umgekehrt können gut organisierte Krankenhäuser pro Fall einen Erlös erwirtschaften. Mit diesem neuen System sollen wirtschaftliches Denken, Qualitätsbewusstsein und Transparenz in die Krankenhäuser einziehen. Bezahlt wird die Pauschale nur für exakt dokumentierte ärztliche und pflegerische Leistungen. Das beschert den Krankenhausmitarbeitern mehr Verwaltungsarbeit, erfordert aber auch deutlich mehr bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Sana ist gut auf die Einführung des neuen Entgeltsystems vorbereitet: Schon seit Mitte 2000 sind Arbeitskreise im Klinikverbund aktiv und schulen den Umgang mit den DRGs. Deshalb nutzen viele Krankenhäuser des Verbunds das Optionsrecht, bereits 2003 auf die neue Abrechnungssystematik umzusteigen. Ein Vorsprung, der sich auszahlt - auch weil die nächste Reform des Krankenhauswesens schon vor der Tür steht.

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