Sana vor 40 Jahren

Aufbruch der Pioniere

Was macht ein typisches Start-up aus? Eine brillante Idee für einen brachliegenden Markt, ein Geschäftsmodell mit hohem Wachstumspotenzial, eine Handvoll kreative und zupackende Mitstreiter und meistens knappe finanzielle Mittel.


Genau so beginnt die Geschichte von Sana, obwohl das Wort « Start-up » damals noch nicht erfunden ist. Zwei spartanisch eingerichtete Büroräume in der Münchner Mozartstraße 15, eine hoch motivierte Mannschaft, ein kluges, skalierbares Geschäftsmodell - und eine starke Vision: Krankenhäuser mit einem deutlichen Mehr an Leistung zu betreiben, bei gleichen oder geringeren Kosten als üblich. Die Leitplanken auf dem Weg dorthin: modernes Management, Transparenz, Optimierung der Abläufe, flache Hierarchien, Eigenverantwortung aller Akteure, Kundenorientierung, Gestaltung statt Verwaltung. Kurz: Ein Krankenhauskonzept nach Prinzipien, die im staatlich reglementierten Krankenhauswesen Deutschlands Anfang der 1970er wahrhaft revolutionär sind.

Zu dieser Zeit betreiben Kommunen und freigemeinnützige Träger bundesweit 3600 Kliniken mit 670 000 Betten - und das nicht immer mit Erfolg: Zusammengenommen häufen die deutschen Krankenhausträger ein jährliches Defizit von zwei Milliarden Mark an. Dazu kommt ein nicht gedeckter Investitionsbedarf von geschätzten 13 Milliarden Mark. Weil die Modernisierung der Krankenhäuser in den ersten zwei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg nur zögerlich vorangekommen ist, stammen viele Kliniken noch aus Kaisers Zeiten und sind allenfalls für Routinefälle eingerichtet. Die Dialyse etwa, damals « künstliche Niere » genannt, ist nur für jeden vierten bis fünften bedürftigen Patienten verfügbar. Überall fehlt es an moderner Medizintechnik, Pflegepersonal und Wirtschaftlichkeit. In den 1970ern verbringen die Patienten durchschnittlich 19 Tage im Krankenhaus, nicht selten in Bettensälen oder in Notbetten auf dem Flur.

 
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