KLINIKUM DAHME-SPREEWALD

Fremdsprachen-App unterstützt Verständigung in der Notfallmedizin

Ob Verständigungsprobleme mit ausländischen Passagieren am Flughafen, bei Unfällen auf der Autobahn oder mit Flüchtlingen, gerade bei medizinischen Notfällen geht es um Zeit und klare Verständigung. Um die Kommunikation mit ausländischen Patienten zu erleichtern, kommt im Klinikum Dahme-Spreewald eine besondere Fremdsprachen-App zum Einsatz.

Für Notärzte ist es sehr wichtig schnell zu erfahren, ob jemand Allergien hat, Diabetiker ist, unter Bluthochdruck leidet oder welche Medikamente er gerade einnimmt. Zur Verbesserung der Kommunikation bei medizinischen Notfällen hat die Brandenburger Firma Medilang aus Jüterbog gemeinsam mit Notärzten aus dem Klinikum Dahme-Spreewald eine Sprach-App entwickelt, die mit Text- und Tondokumenten in zehn Sprachen ein Gespräch ermöglicht. Mit Blick das Qualitätsmanagement in der Notfallmedizin ist diese App eine hilfreiche Neuerung. Im September letzten Jahres ging die Sprach-App bundesweit erstmals in den Notfallambulanzen des Klinikums Dahme-Spreewald in Betrieb. Für die Mitarbeiter der Notfallambulanzen sind damit hilfreiche Bausteine für eine erfolgreiche Kommunikation mit Patienten vorhanden.

Medizin in zehn Sprachen: Im Klinikum Dahme-Spreewald setzt man im Arzt-Patienten-Dialog auf moderne Kommunikationsformen.

FREMSPRACHEN-APP UNTERSTÜTZT ARZT-PATIENTEN-DIALOG

Dr. med. Benno Bretag, Chefarzt der Notfallambulanzen im Klinikum Dahme-Spreewald fasst die Erfahrungen seit September 2015 zusammen: „Eine App kann nicht einen vertrauensvollen Arzt-Patienten-Kontakt ersetzen. Dieser muss insbesondere bei Verständigungsschwierigkeiten dann eben nonverbal aufgebaut werden. Die Medilang-App hat sich als eine hilfreiche Unterstützung bei der Vermittlung von medizinischen Sachverhalten erwiesen. Hier liegt ihre Stärke. Der Patient kann seine Beschwerden verständlich schildern, die Mitarbeiter der Notfallambulanzen erhalten Hilfe bei der Erläuterung der notwendigen Maßnahmen.“ Unsere Patienten fühlen sich wahrgenommen. Manchmal erscheint – auch in der Notsituation – ein kurzes Lächeln, wenn die Patienten merken, hier „spricht“ jemand mit mir.

Nach den ersten Erfahrungen ist die Sprach-App inzwischen bundesweit an mehr zwanzig Krankenhäusern im Einsatz. Mit Blick auf die zunehmende Mobilität, Migranten und Asylsuchende, ebenso rund um Flughafen-Regionen, ist damit eine praxistaugliche Lösung vorhanden, um der Vielfalt von Sprachen im Alltag der Notfallmedizin gerecht zu werden.

Grafiken in der App erleichtern Kommunikation und Diagnose.

SPRACHENVIELFALT FÜR DIE NOTFALLMEDIZIN

Eine qualitative Frageführung umfasst 265 mit Tondateien unterlegte Bausteine mit bis zu 1.000 Elementen. Damit ist die Feststellung akuter Beschwerden, bestehender Erkrankungen und Allergien ebenso möglich wie Erläuterungen zu diagnostischen Maßnahmen und Erstversorgung. Ein Modul dient der allgemeinen Verständigung mit Erklärung der App, Fragen zur Einwilligung und Benachrichtigung von Angehörigen, vier Module widmen sich den Beschwerden, den Symptomen, der Anamnese und den nächsten Behandlungsschritten. Das Interview basiert auf Ja-Nein-Fragen oder Multiple-Choice, damit es unmissverständlich verläuft. Der Gesprächsverlauf wird protokolliert und bleibt als Dokument mit Unterschrift verfügbar.

Rund ein Jahr nach Einführung der Notfall-App zur medizinischen Behandlung fremdsprachiger Patienten in den Notfall-Ambulanzen des Klinikums Dahme-Spreewald und einer ausführlichen Testphase, stattet der Landkreis nun auch die Rettungsfahrzeuge mit dieser App aus. Der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Dahme-Spreewald, Dr. med. Frank Mieck, erklärt: „Wir haben an der Entwicklung dieser App mitgewirkt. Nachdem sich die App als hilfreich erwiesen hat, werden im Landkreis Dahme-Spreewald alle Rettungswagen damit ausgerüstet.“ Der Landrat nannte die App einen wichtigen „Beitrag zur Verbesserung der Qualität im interkulturellen Gesundheitswesen“.