Pflege als Beruf

Hingabe und voller Einsatz: Ein Beruf, viele Facetten

Die Beziehungskünstlerinnen

„Man muss bereit sein, mit dem Patienten gemeinsam eine Therapie zu entwickeln, die zu seinem Leben passt.“
Petra Heßelbarth

„Der Patient muss so viel Vertrauen zu uns haben, dass er uns aus seinem Leben erzählt, denn nur dann können wir ihm helfen.“
Susanne Reichenbach

„Man muss bereit sein, mit dem Patienten gemeinsam eine Therapie zu entwickeln, die zu seinem Leben passt“, sagt Petra Heßelbarth, Diabetesberaterin am Diabeteszentrum. Um Diabetesberaterin zu werden, haben sie und ihre Kollegin Susanne Reichenbach als gelernte Krankenschwestern eine einjährige Zusatzqualifikation bei der Deutschen Diabetes Gesellschaft absolviert. In Einzel- und Gruppenschulungen betreuen sie Typ 1- und Typ 2-Diabetiker, Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes und Schwangerschaften mit vorbestehendem Typ 1- und Typ 2-Diabetes. „Der Patient muss so viel Vertrauen zu uns haben, dass er uns aus seinem Leben erzählt, denn nur dann können wir ihm helfen“, erklärt Susanne Reichenbach. Im freundlichen Ambiente des Schulungsraums und der Lehrküche lernen die Patienten, einen Umgang mit der Erkrankung zu finden, der ein weitgehend normales Leben ermöglicht. „Innerhalb der Grenzen, die der Diabetes jedem Patienten setzt, suchen wir den goldenen Mittelweg zwischen einer guten Lebensqualität und der Vermeidung von Folgeerkrankungen“, sagt Petra Heßelbarth und ihre Kollegin nickt.

Die Schmerzstillerin

„Gerade nach Operationen ist eine gute Schmerzlinderung wichtig.“
Claudia Keller

Bei Claudia Keller sind Schmerzpatienten gut aufgehoben. Als Fachschwester für Anästhesie und Intensivmedizin kennt sie sich bestens mit den Möglichkeiten der medikamentösen und nichtmedikamentösen Schmerztherapie aus. Auf den Stationen der Klinik betreut sie Patienten, die einen Schmerzkatheter haben. Das sind vorwiegend operierte Patienten. „Gerade nach Operationen ist eine gute Schmerzlinderung wichtig“, erklärt Claudia Keller. Zweimal täglich – morgens in Begleitung eines Anästhesisten – schaut sie bei ihren Patienten vorbei. Im Rahmen dieser Schmerzvisiten wird die aktuelle Schmerzsituation erfasst und die Schmerztherapie angepasst. Sie assistiert beim Anlegen der Schmerzkatheter, ist Ansprechpartnerin für das Pflegepersonal zur Schmerztherapie und schult die pflegerischen Mitarbeiter im Umgang mit den Schmerzpumpen und zu den Grundsätzen der Schmerztherapie. Zu ihren weiteren Aufgaben gehören der berufspraktische Unterricht zur Schmerztherapie in der Medizinischen Berufsfachschule und Inhouse-Schulungen für externe Pflegekräfte.

Die Mutmacherin

„Wir unterstützen die Patienten darin, die Situation anzunehmen, vermitteln Kontakte zu Selbsthilfegruppen, beraten und geben emotionalen Halt.“ 
Andrea Schiller

„Wichtig ist, dass die Patienten sich selbst versorgen können“, sagt Andrea Schiller. Die Stoma -therapeutin begleitet und unterstützt Menschen, die dauerhaft oder vorübergehend über eine Stomaanlage Stuhl oder Urin ableiten müssen. Ihre Beratung beginnt bereits vor der OP. „Wir besprechen, was auf die Patienten zukommt und übernehmen die Markierung“, erzählt die gelernte Kinderkrankenschwester. „Das heißt, wir schauen gemeinsam mit dem Patienten, wo der Ausgang optimal gelegt werden kann.“ Nach dem Eingriff rücken neben dem Umgang mit dem Stomabeutel und der Ernährungsberatung vor allem die psycho-sozialen Aspekte in den Vordergrund. „Eine Stomaanlage zu bekommen, bedeutet einen starken Einschnitt in das Leben der Betroffenen“, sagt Andrea Schiller, die für ein ambulantes Gesundheitsdienstleistungsunternehmen arbeitet und zweimal wöchentlich Patienten im Sana Klinikum Borna betreut. „Wir unterstützen die Patienten darin, die Situation anzunehmen, vermitteln Kontakte zu Selbsthilfegruppen, beraten und geben emotionalen Halt.“

Die Tabubrecherin

„Ich möchte Betroffene dazu ermutigen, zu uns ins Haus zu kommen, denn die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig. Am Ende einer Therapie steht fast immer eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.“
Dominika Junghanns

„Patienten beiderlei Geschlechts tun sich oft noch schwer, über ihre Blasen-, Darm- oder Beckenbodenschwäche zu sprechen. Gerade junge Menschen sind sehr zögerlich. Das ist schade, denn man kann schon bei den ersten Symptomen viel machen“, sagt Dominika Junghanns, die als Kontinenzfachkraft am zertifizierten Beckenboden-Kontinenzzentrum des Klinikums arbeitet und stationäre und ambulante Patienten jeden Alters berät. Um Betroffene zu ermutigen, hat das Team der Bornaer Klinik einen Fragebogen entwickelt, den jeder Patient für sich ausfüllen kann. Auf Wunsch werden anschließend in einer persönlichen Kontinenzberatung zunächst geeignete Behandlungsmöglichkeiten besprochen wie zum Beispiel das Blasen- und Kontinenztraining, gezielte Beckenbodengymnastik und verschiedene Hilfsmittel. „Ich möchte Betroffene dazu ermutigen, zu uns ins Haus zu kommen, denn die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und in hohem Maße Erfolg versprechend. Am Ende einer Therapie steht fast immer eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität“, sagt Dominika Junghanns.

Die Hoffnungsgeberin

„Unser Anliegen besteht darin, unheilbar kranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase beizustehen und ihre Angehörigen zu begleiten.“
Mandy Mühling

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass eine Sache gut ausgeht. Hoffnung ist die Überzeugung, dass eine Sache Sinn macht, egal wie sie ausgeht.“ Das Zitat des ehemaligen tschechischen Präsidenten und Schriftstellers Václav Havel könnte der Arbeit von Mandy Mühling als Leitmotiv dienen. Wer die Fachpflegerin für Palliativ Care auf ihrer Station besucht, hat zunächst nicht das Gefühl, in einer Klinik zu sein. Die Station ist ein freundlicher, lebensbejahender Ort. Die Zimmer sind wohnlich eingerichtet und großzügig geschnitten. Angehörige können jederzeit übernachten. „Unser Anliegen besteht darin, unheilbar kranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase beizustehen und ihre Angehörigen zu begleiten“, erzählt Mandy Mühling. Viele der Patienten leiden unter Schmerzen, Schwäche, Angst, Übelkeit und Luftnot. Pflege und Therapie zielen darauf, die Patienten symptomgelindert nach Hause zu entlassen und ihnen wieder mehr Lebensqualität zu geben. Die Elemente guter Pflege sind hier: Professionalität, Fürsorge, Vertrauen, Zeit und Verständnis.

Die Alltagshelferin

„Wir schauen, was der Patient kann. Was ihm nicht möglich ist, übernehmen wir.“
Kathrin Stein

Wieder selbstständig essen und trinken können. Sich ohne Hilfe ankleiden. Mit dem Rollator mobil sein. So oder so ähnlich lauten die Therapieziele auf der geriatrischen Station von Kathrin Stein, Fachpflegerin für geriatrische Pflege und Rehabilitation. Viele ihrer Patienten leiden neben der Hauptdiagnose an verschiedenen Nebenerkrankungen wie Diabetes, Inkontinenz oder Demenz, die zusammengenommen zu Einschränkungen im Alltag führen. Die Arbeit des multidisziplinären Teams bestehend aus Pflegekräften, Ärzten, dem Sozialdienst, Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten konzentriert sich auf die weitgehende Erhaltung der Selbstständigkeit und das Minimieren der Pflegebedürftigkeit. Gute Pflege bedeutet vor allem Aktivierung, die sich unter der Prämisse „Hilfe zur Rückkehr in den Alltag“ zusammenfassen ließe: „Wir schauen, was der Patient kann. Ist er zum Beispiel in der Lage, sich allein zu waschen, dann motivieren wir ihn, es zu tun, auch wenn es vielleicht länger dauert. Was ihm nicht möglich ist, übernehmen wir“, erklärt Kathrin Stein.

Die Appetitmacherin

„Meine Beratung bezieht sich immer auf die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.“
Jenny Weniger

„Eure Lebensmittel sollen eure Heilmittel sein“ – das wusste bereits Hippokrates, der Vater der Heilkunde, und die Arbeit von Jenny Weniger zeigt, dass der Grundsatz noch immer Bedeutung hat. Die Diätassistentin berät und schult Patienten, deren Erkrankung über die Ernährung beeinflusst werden kann. Das können Stoffwechselerkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Adipositas oder Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sein. Die Zielgruppe ist breit, denn nicht nur Ältere sind davon betroffen. Und gerade bei Kindern ist es wichtig, mit den Eltern Hand in Hand zusammenzuarbeiten. In ihrem Beruf verknüpft Jenny Weniger ihre Liebe zum Kochen mit dem Interesse, ihr Wissen therapeutisch einzusetzen. Von Diäten und einfachen Heilrezepten wie der Anti-Krebs-Ernährung hält sie jedoch wenig. „Meine Beratung bezieht sich immer auf die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung“, sagt die Diätassistentin. Und wer ohne Jojo-Effekt abnehmen möchte, der tut das am besten mit einer fettreduzierten, zuckerfreien und ausgewogenen Kost sowie ausreichend Bewegung.