SANA KLINIKUM HAMELN-PYRMONT

Palliativversorgung schafft mehr Lebensqualität in schweren Tagen

Barbara Vahldieck ist eine erfahrene Krankenschwester aus Überzeugung. Sie arbeitet in einem der emotional schwersten Bereiche, der im Klinikum bereitgehalten wird – der Palliativpflege. Doch sie arbeitet gerne dort, denn sie sieht, wie das Palliativ-Team Menschen in einer schweren Zeit helfen kann.

„Viele Menschen haben eine sehr unklare Vorstellung von palliativer Versorgung und Pflege“ sagt  die 55-jährige Krankenschwester, die nach ihrer Ausbildung im Jahr 1982 langjährig Erfahrungen im stationären und ambulanten Pflegebereich gesammelt hat, bevor sie sich 2009 entschloss, sich im  Palliativbereich zu bewerben. „ Ziel unserer Palliativversorgung ist die Verbesserung der Lebensqualität bei weit fortgeschrittenen, lebensverkürzenden Erkrankungen im Rahmen der klinisch notwendigen Behandlung. Dazu gehören neben der menschlichen Zuwendung, professioneller Pflege und einer möglichst angenehmen Umgebung auch medizinische Maßnahmen wie die Infektverhütung oder die Unterstützung beim Erhalt einer möglichst guten allgemeinen Konstitution.  Und das sind doch eigentlich sehr positive Ziele. “ 

Die Palliativpflege ist eingebettet in die Klinik für Onkologie und Hämatologie. Die Pflegekräfte dort haben sich in einer Weiterbildung mit den besonderen Anforderungen schwerstkranker Menschen befasst, um sie körperlich und mental bestmöglich zu betreuen. Ärztlich wird der Bereich von einer dafür besonders ausgebildeten Palliativmedizinerin geleitet.

Barbara Vahldieck gibt schwerkranken Patienten und deren Angehörige Geborgenheit und individuelle Betreuung.

STATIONÄRE UND AMBULANTE PFLEGE SIND ENG MITEINANDER VERZAHNT

Neben den zwei im Landkreis vorhandenen stationären Hospizen findet auch im ambulanten Bereich eine gute palliative Versorgung im häuslichen Umfeld durch spezialisierte Pflegekräfte und niedergelassene Palliativmediziner statt, sodass nach dem Klinikaufenthalt diese spezielle Betreuung nahtlos fortgeführt werden kann.

„Damit diese Versorgungskette gut ineinandergreift ist es nicht allein wichtig, dass sich Pflegekräfte und Ärzte intensiv austauschen. Auch die Einbindung vieler weiterer Berufe in das Team ist notwendig. Dabei kommen, abhängig von den Bedürfnissen der Patienten, die Psycho-Onkologie, eine Krankengymnastik, die Seelsorge, der Sozialdienst oder eine Entspannungstherapie zusätzlich in Frage.“

Einmal wöchentlich treffen sich alle Teammitglieder, um die Versorgung individuell auf die Patienten abzustimmen. Dabei muss neben der klinischen Versorgung oft bereits der Blick auf die Zeit nach der Entlassung gerichtet werden. „Und da besteht enormer Beratungsbedarf“, so Barbara Vahldieck, „denn die wenigsten Betroffenen oder ihre Angehörigen sind darauf vorbereitet.“

ZUWENDUNG UND PROFESSIONELLE PFLEGE GEBEN HALT

Sie selber hatte vor ihrem Wechsel in die Palliativpflege bereits im häuslichen Bereich Berührungspunkte mit diesem Thema. Sie begleitete eine Freundin in einer Zeit, als deren 16-jähriges Kind an einer Tumorerkrankung verstarb. „Dabei habe ich erfahren, wie wichtig es für die Betroffenen und ihre Angehörigen ist, nicht allein zu sein, sondern Unterstützung, Zuspruch und professionelle Pflege zu erfahren.“

Doch auch heute, nach vielen Jahren im Beruf gibt es Situationen, die Barbara Vahldieck an ihre Grenzen bringen. Wenn zum Beispiel Bekannte betroffen sind, Freunde ihrer Kinder, oder Patienten im gleichen Alter wie sie selbst. „Dann müssen Bewältigungsstrategien greifen, sonst kann man das nicht lange machen“, so Barbara Vahldieck. Dazu gehören aus ihrer Sicht neben einer grundsätzlich positiven Lebenseinstellung und beruflicher Kompetenz vor allem kollegiale Gespräche und der wöchentliche Austausch des gesamten Teams. Auch Supervision hilft ihr bei der Bewältigung der emotionalen Belastung.

FRÖHLICHKEIT IST GERADE AUF DER PALLIATIVSTATION HILFREICH

Ein unterschätzter Aspekt im Umgang mit Patienten ist aus ihrer Sicht das Thema Fröhlichkeit und Humor. „Die Angehörigen und Besucher denken oft, dass hat in dieser Lebensphase keinen Raum. Doch viele Patienten möchten gerade die Normalität des Lebens erfahren und sind froh, auch einmal zu lachen und fröhlich zu sein. Auch die Atmosphäre im Zimmer unterscheidet sich von den normalen Krankenzimmern. Alles ist wohnlich, Tischdecken und Gestecke sorgen für ein Gefühl der Wärme. Und noch etwas ist außergewöhnlich: Wenn Angehörige in dem Zimmer übernachten möchten, ist das jederzeit möglich.

DEM PATIENT UND SEINEN ANGEHÖRIGEN BESONDERE WÜNSCHE ERFÜLLEN

Der Tagesablauf auf der Palliativstation ist vor allem eines: flexibel. „Wenn er lange schlafen möchte, dann kann er das gern. Unsere Klinikküche ist flexibel und zaubert sogar noch mitten am Tag ein schönes Frühstück. Und wenn ein Patient außer der Reihe einmal ein Rührei möchte, genügt ein Anruf in der Küche und es wird frisch zubereitet.“

Diese individuelle Versorgung ist es, die Barbara Vahldieck und ihre Kollegen in der Palliativpflege anspornt.  „Wenn ich am Ende sagen kann, der Patient hatte es angenehmer, hatte weniger Schmerzen und war am Ende seines Lebens nicht allein – dann fühlt es sich nicht wie eine Niederlage gegen die Erkrankung an, sondern im positiven Sinne wie das gemeinsame Erreichen der vorab realistisch gesteckten Ziele“.