KRANKENHAUS RUMMELSBERG

"Die Pflegequalität nachhaltig erhöhen"

Wir sprachen mit Christian Köbke über seine spannende und wichtige Tätigkeit am Krankenhaus Rummelsberg.

HERR KÖBKE, WAS SIND HAUPTAUFGABEN EINES PFLEGEWISSENSCHAFTLERS?

Christian Köbke: Die Hauptaufgabe meines Handlungsfeldes liegt im Theorie-Praxis-Transfer. Das bedeutet, dass ich aktuelle Erkenntnisse aus der Pflegeforschung mit auftretenden Problemen oder vorhandenen Strukturen aus der Praxis abgleiche. Die Herausforderung besteht darin, aktuelle Erkenntnisse in die Praxis so zu integrieren, dass sie auch den notwendigen Zweck erfüllen. Dafür stehe ich in ständigen Kontakt zu den Pflegenden und Patienten, um die Strukturen und Abläufe des Hauses zu kennen. Nur so kann ich Neuerungen in der Praxis integrieren. Das letztendliche Ziel meiner Tätigkeit ist es, die Versorgung der Patienten zu verbessern und Handlungsalternativen für Pflegende zu entwickeln, um die Pflegequalität nachhaltig zu erhöhen.

WIE GELINGT ES, NEUE ERKENNTNISSE IN DIE PFLEGERISCHE PRAXIS ZU BRINGEN?

Köbke: Das Hinterfragen von bestehenden Prozessen und Aufbrechen von Routinen birgt eine gewisse Herausforderung. Die Pflegenden müssen Situationen aus neuen Blickwinkeln bewerten und teilweise auch anders handeln. Zum Beispiel in Bezug auf das Erkennen von kritischen Ernährungssituation bei Patienten: Hier bewerten wir anhand eines Erhebungsbogens, ob Risiken zur Mangelernährung vorliegen und ob auf dieser Grundlage weiterführende Interventionen beim Patienten durchgeführt werden müssen. Die Ausgestaltung dieser pflegerischen Interventionen liegt auch in meinem Aufgabengebiet. Aus den Erfahrungen meiner Praxisbegleitungen habe ich erkannt, dass es oftmals an Handlungsalternativen mangelt – meine Aufgabe ist es dann, begründete Alternativen aus der evidenzbasierten Forschung abzuleiten und den Pflegenden praktikabel zur Verfügung zu stellen.

WOHER BEKOMMEN SIE DIE THEMEN, DIE FÜR DIE PRAXIS RELEVANT SIND?

Köbke: Durch meine regelmäßigen Praxisbegleitungen erhalte ich wertvolle Informationen über die pflegerische Versorgung und Verbesserungspotenziale, sodass ich gezielt auf eine positive Patientenversorgung hinwirken kann. Darüber hinaus ergeben sich aus bestimmten Kennzahlen gewisse Handlungsnotwendigkeiten. Zum Beispiel bei Dekubitus- oder Sturzraten, anhand derer auch der Erfolg neuer Pflegeprozesse gemessen werden kann.

FÜHREN SIE ALS WISSENSCHAFTLER SELBST AUCH FORSCHUNG DURCH?

Köbke: Eine gezielte Pflegeforschung orientiert sich an einem gewissen Handlungsbedarf auftretender Pflegephänomene, wie wir ihn beispielsweise in Bezug auf freiheitsentziehende Maßnahmen festgestellt haben. Hier haben wir mit dem Arbeitskreis der evidenzbasierten Pflegepraxis eine Studie durchgeführt, um die derzeitige Situation abbilden zu können. Darauf aufbauend konnten wir gezielte Interventionen in die Praxis bringen, damit die Anzahl von freiheitsentziehenden Maßnahmen nachhaltig reduziert werden kann. Ein weiteres Forschungsthema könnte die Effektivität von Maßnahmen zur Sturzprophylaxe bei Morbus Parkinson darstellen. Der Themenspeicher ist gut gefüllt.

ÜBERNEHMEN SIE NOCH WEITERE AUFGABEN, ALS DIE BISHER DARGESTELLTEN?

Köbke: Als Teil der Pflegedirektion bin ich unterstützend mit Recherchen auf wissenschaftlicher Basis tätig. Darüber hinaus fließen die Erkenntnisse aus der Praxisbegleitung hier zusammen, sodass weitere Handlungsfelder entsprechend abgestimmt werden können.
Derzeit bin ich auch in die Auditierung der Pflegedokumentation involviert. Der Fokus liegt hier auf die Verbesserung der Patientensicherheit, sowie einer gesetzeskonformen Dokumentation.

DIE PFLEGEWISSENSCHAFT IST IN DEUTSCHEN KRANKENHÄUSERN NEU – WIE HABEN SIE DIE ERSTEN MONATE IM KRANKENHAUS ERLEBT?

Köbke: Aus meiner Sicht ist meine Tätigkeit nur mit der Unterstützung des oberen Managements in dieser Form durchzuführen. Ein Haus muss sich aktiv für einen solchen Weg entscheiden und ich erfahre sehr viel Unterstützung. Der Start war für alle Beteiligte ein Schritt auf Neuland. Die Kollegen aus der Pflege konnten anfangs meinen konkreten Aufgabenbereich kaum einschätzen, was zu Unsicherheiten führte. Mittlerweile hat sich die Haltung geändert. Das spüre ich auch daran, dass viele Kollegen auf mich zukommen, Fragen stellen, um Unterstützung bitten, oder ähnliches. Ich habe viel Spaß an meiner Tätigkeit und freue mich über die Akzeptanz und dass sich die Pflegewissenschaft immer weiter im Haus etabliert.