LABOR LAUSITZER SEENLAND KLINIKUM HOYERSWERDA

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Das Krankenhauslabor liefert nur kühle Messwerte ab? Von wegen! Seine Mitarbeiter begleiten den Patientenvon der Aufnahme bis zur Entlassung. Hinter den Kulissen und rund um die Uhr.

Bild: © Bernhard Kahrmann

Könnte der Patient jetzt spüren, was mit seinem Blut passiert, ihm würde wohl schwindlig werden. Die soeben entnommene Probe rast in einer zylinderförmigen Box mit sechs Metern pro Sekunde durch das Rohrpostsystem der Klinik und poltert in die Materialannahme des Labors. Kurz darauf laufen einige Tropfen des Patientenbluts durch einen Automaten, der den Körpersaft mit Laserlicht beschießt und Abertausende seiner Zellen durchzählt und einordnet. Kaum eine Minute nach Befüllung spuckt das sogenannte Durchflusszytometer ein großes Blutbild aus — 40 Werte, von der Konzentration der roten Blutkörperchen und des Blutfarbstoff s bis zur Menge und Verteilung der verschiedenen Typen weißer Blutkörperchen. Diese Blutanalyse zeigt schwarz auf weiß, ob der Patient unter einer Infektion, einer Mangelerkrankung oder Blutarmut leidet.

Der nächste Laborautomat schäumt das Serum auf und ermittelt die Konzentration seiner chemischen Bestandteile — Elektrolyte, Eiweiße, Cholesterin, Glukose, Botenstoffe. Diese Werte off enbaren zum Beispiel Erkrankungen von Organen wie Leber, Niere oder Schilddrüse. Mithilfe von Antikörpern kann das Gerät sogar Krankheiten aufspüren, die noch gar nicht ausgebrochen sind, etwa den HI-Virus nachweisen oder die Veranlagung für Allergien.

Insgesamt 4000 Werte kann das Großlabor des Lausitzer Seenland Klinikums Hoyerswerda ermitteln, vom Blutgerinnungsfaktor vor Operationen bis zur Leukämietypisierung für die Krebstherapie. Damit spielt das Labor eine gewichtige, wenngleich oft unterschätzte Rolle im klinischen Alltag.

« Zwar entscheidet letztlich der Arzt über die Behandlung des Patienten, doch wir stehen in ständigem Austausch mit ihm », sagt Dr. Hans-Peter Maidhof, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene. « Nahezu jede ärztliche Entscheidung wird von den Rückmeldungen aus dem Labor beeinflusst — sei es bei der Diagnose, der Wahl des Behandlungspfads, der Medikation, der Therapiekontrolle oder dem Zeitpunkt der Entlassung. »

Maidhofs Fachgebiet ist die klinische Mikrobiologie, also der Nachweis von Erregern wie Bakterien, Viren oder Pilzen in Körperflüssigkeiten. Wenn etwa ein Patient nach einer Operation plötzlich Fieber bekommt und der Verdacht auf Sepsis geklärt werden muss, ist die Expertise des Mikrobiologielabors gefragt. Kein leichtes Unterfangen, denn Blutvergiftung ist eine gefährliche Infektion, die von einem ganzen Spektrum verschiedener Bakterien, aber auch von Pilzen verursacht werden kann. Um den möglichen « Täter » aufzuspüren, legt das Labor Blutkulturen in einem automatischen Bebrüter an, der Alarm schlägt, sobald Krankheitserreger wachsen. Unterm Mikroskop erkennt das geschulte Auge dann, welche Art von Erreger die Infektion verursacht hat. Damit er auch wirksam bekämpft werden kann, testet das Labor im zweiten Schritt die Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber Antibiotika. Erst mit diesen Informationen kann der behandelnde Arzt über die geeignete Therapie entscheiden.

Doch nicht alle Infektionserreger lassen sich problemlos in Nährlösungen anzüchten. Viele Viren zum Beispiel, die zum Wachstum lebende Zellen brauchen, gehen nach der Probenentnahme rasch zugrunde. Auch bestimmte Bakterien, etwa Legionellen oder Chlamydien, sind nur schwer oder gar nicht im Labor zu züchten. Allerdings kommt ihnen das mikrobiologische Labor sogar noch nach dem Ableben auf die Spur, denn sie hinterlassen eindeutige « Fingerabdrücke » ihrer Erbinformation. Mit einer Art DNA-Kopiermaschine lassen sich diese Erreger dann auf molekularer Ebene nachweisen. Das Verfahren heißt Polymerase-Kettenreaktion und dient auch dem Erkennen von Erbkrankheiten oder außerklinisch dem Vaterschaftsnachweis.