TECHNISCHER LEITER SANA KLINIKEN DES LANDKREISES CHAM

Der Unerschütterliche

Mehrmals jährlich fliegt der Technische Leiter der Sana Kliniken des Landkreises Cham in die Ukraine. Walter Seidl hilft, moderne Medizintechnik in dem Bürgerkriegsland aufrechtzuerhalten.

« Ohne mein eingespieltes Team zu Hause könnte ich dieses Ehrenamt so nicht ausfüllen. »

Walter Seidl
Technischer Leiter
Sana Kliniken des LandkreisesCham

© Uwe Moosburger

Walter Seidl ist ein starker Typ aus dem Bayerischen Wald. Ehrlich, bodenständig und pflichtbewusst. Und so kommt es ihm derzeit noch gar nicht in den Sinn, seine langjährige, ehrenamtliche Tätigkeit in ukrainischen Krankenhäusern aufzugeben. Obwohl er als Technischer Leiter mehrerer Krankenhäuser im Bayerischen Wald wirklich mehr als genug zu tun hat. « Wenn ich es nicht mehr machen würde, wäre es leider zu Ende », sagt der 60-Jährige, der — wer würde es ihm verdenken – gerne mehr Zeit mit seiner Familie samt Kindern und Enkelkindern verbringen möchte. « Doch was man angefangen hat, muss man auch zu Ende bringen. » Und so wird Seidl noch einige Jahre dranhängen und weiterhin für seine Fahrten in die Ukraine Urlaubstage opfern. Er kann einfach nicht anders.

Wie alles anfing? Der Verein « Aktion Tschernobyl » fuhr anfänglich, vor über 30 Jahren, in Konvois medizinische Hilfsgüter in die Ukraine. Gebrauchte ebenso wie neue Instrumente und Geräte. Zunächst wurden zehn Krankenhäuser, die rund um der 30-Kilometer-Zone des havarierten Atomkraftwerks lagen, ausgestattet. Einschließlich der Hauptstadt Kiew. Voraussetzung war dabei immer, dass die Leute vor Ort die Geräte auch bedienen konnten. « Da kam schon mal ein Arzt nach Deutschland, lernte hier die Sprache und wurde ausgebildet », sagt Seidl.

MEHRMALS IM JAHR NACH KIEW

Im Laufe der Jahre rückte dann das Thema Sterilisation immer stärker in den Mittelpunkt. Ein wichtiges Thema, wie sich herausstellen sollte. Zum Beispiel in der Kinderchirurgie, in der Tschernobyl-Opfer mit Tumoren und anderen schlimmen Krankheiten operiert und behandelt werden mussten. Echte Hilfe zur Selbsthilfe: Gute, noch einsatzfähige Sterilisatoren aus Deutschland abbauen, instand setzen und in der Ukraine wieder aufbauen. Heute sind vor allem Wartung und Reparatur zu gewährleisten, wenn Seidl und Kollegen mehrmals jährlich nach Kiew fliegen. Wichtig dabei: Alle Sterilisationseinheiten sind doppelt installiert, damit bei Ausfall der einen die andere den Job übernehmen kann. In einigen Jahren sollen dann ukrainische Techniker selbständig Geräte warten und reparieren können.

Land und Leute hat Seidl nicht so sehr intensiv kennengelernt. « Wir haben uns eher auf unsere Aufgabe konzentriert. Dennoch war die herzliche Gastfreundschaft der Ukrainer immer besonders », betont Seidl, « und dankbar waren die Leute ebenso. » Ressentiments gegenüber den Deutschen hätten sie übrigens so gut wie nie gespürt.

Kurzer Blick zurück: Ins Krankenhaus nach Cham kam Seidl im Jahre 1984 als Elektroinstallateur. Einige Jahre später hat er auf eigene Kosten die Meisterprüfung absolviert. Zehn Monate war er dafür weg, seitdem ist er ununterbrochen in Cham und Umgebung tätig. Schon früh kamen die Krankenhäuser in Roding und Bad Kötzting dazu. Riesige Sanierungsarbeiten waren zu stemmen. « Das hat uns als Team zusammengeschweißt », sagt der Oberpfälzer.

Heute wird Eigenverantwortung großgeschrieben, « sonst könnten wir diese Riesenmenge an Arbeit und Entscheidungen gar nicht bewältigen », fügt er hinzu. Seidl ist längst für viele Themen zuständig. Eine große Klinik muss für alle Eventualitäten gewappnet sein. Für Strom- und Geräteausfälle ebenso wie für neue bauliche Maßnahmen und deren Abwicklung. « Ein großes Gebäude am Laufen zu halten. » Das ist eine Lebensaufgabe, die bis in die Ukraine reicht.