PFLEGEKRAFT SANA KLINIKEN LANDKREIS BIBERACH

Zwischen Hitze und Hoffnung

Neun Monate arbeitete sie als Krankenschwester in zwei der gefährlichsten Kriegsregionen der Welt. Stefanie Heckenberger war im Auftrag für Ärzte ohne Grenzen im Südsudan und in Afghanistan.

« Man muss sich schnell an die Realität vor Ort gewöhnen. Viel Zeit zum Überlegen hat man da nicht. »

Stefanie Heckenberger
Pflegekraft
Sana Kliniken Landkreis Biberach

© Ärzte ohne Grenzen e. V.

Stefanie Heckenberger ist so leicht nicht aus der Ruhe zu bringen. Ob nun Schlangen oder Ratten um sie herum sind oder in der Nähe Bomben explodieren, die Pflegekraft versucht, gelassen zu bleiben und sich auf ihren Job zu konzentrieren. Ein halbes Jahr war sie im Südsudan und dann noch drei Monate in Afghanistan. Zwei herausfordernde Einsatzorte für Ärzte und Pfleger. Da ist die Notaufnahme in der Sana Kliniken Landkreis Biberach fast schon Erholung. Dort arbeitet die 39-Jährige, wenn sie in Deutschland ist.

Blick zurück: Ihre Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte Stefanie Heckenberger im Marienhospital in Stuttgart. Dann ging sie für einige Jahre nach Ulm, bevor sie nach Biberach kam. Schon während der Ausbildung hatte sie den Traum, eines Tages für Ärzte ohne Grenzen unterwegs zu sein. « Ich wollte schon immer in der humanitären Hilfe arbeiten, mit Leuten, die nicht alles haben und in ärmeren Verhältnissen oder unter Kriegsbedingungen leben müssen », sagt sie. Das harte Auswahlverfahren nahm sie zweimal auf sich. 2016 wurde sie schließlich akzeptiert und nahm in der Folge ein Jahr unbezahlten Urlaub.

IN DER NACHT KEIN STROM

Als sie im Südsudan ankommt, ist sie zunächst von der unglaublichen Armut und Zerstörung überrascht. « Keine Läden, keine Autos, alles liegt darnieder, alles ist tot », beschreibt sie die Situation vor Ort. Da bleibt nicht viel Zeit zur Eingewöhnung. « Wir waren in einem kleinen Haus untergebracht, keine Privatsphäre, denn die Wände waren oben offen. Noch dazu Moskitos ohne Ende, da ich in der Regenzeit ankam. Ab 22 Uhr kein Strom mehr. » Nachts wird deshalb im Licht der Taschenlampe behandelt. Klimaanlagen oder Ähnliches sind sowieso Fremdwörter, duschen muss man mit dem Eimer. An die Lebensbedingungen gewöhnt sich die 39-Jährige schnell, « was blieb mir auch anderes übrig? » Immer wieder hört sie Schüsse in der Nachbarschaft. Bisweilen wird sogar ein « Happy Shooting » veranstaltet, wenn sich politisch etwas Positives ereignet.

NICHTS FÜR SCHWACHE NERVEN

Deshalb betont Stefanie Heckenberger: « Wer ständig Angst hätte, könnte dort nicht hingehen. » Psychische Stabilität sei unbedingte Voraussetzung. Das bezieht sich auch auf den Patientenalltag. Nicht selten kommen Menschen mit Schusswunden, aber auch viele Kinder, die an Malaria, Cholera, Tuberkulose oder Meningitis erkrankt sind. Zudem sind die Untersuchungsmethoden sehr einfach. Kein Labor, kein Röntgen. « Man lernt sehr schnell, mit wenigen Mitteln die Leute zu untersuchen. »

Szenenwechsel: Nach sechs Monaten kehrt die Krankenschwester turnusgemäß nach Deutschland zurück und wird ein paar Wochen später nach Afghanistan geschickt. Dort muss sie zunächst einige Tage in Kabul warten, bevor sie in die südliche Provinz Helmand fliegen kann. Der Kriegsalltag, den sie dort vorfindet, ist noch schwieriger. Explosionen und Gefechte sind an der Tagesordnung. « Vor allem abends gab es oft Schießereien », sagt sie. Indes sind die Lebensbedingungen « ganz in Ordnung, fast komfortabel ». Fließend Wasser, Klimaanlage, kein Vergleich mit dem Südsudan. « Und das Krankenhaus ist insgesamt mit einem guten Standard ausgerüstet. »

EINE GUTE ERFAHRUNG

16 internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind vor Ort. Sie unterstützen die etwa 700 afghanischen Ärzte und Pfleger. In die Notaufnahme, in der die Deutsche beschäftigt ist, kommen täglich bis zu 400 Patienten, die behandelt werden müssen. Schnelle Entscheidungen sind gefragt. Wer wird behandelt oder operiert, wer muss warten oder wird nach Hause geschickt? Das zehrt an den Nerven und bedeutet Stress pur. Stefanie Heckenberger hilft außerdem bei der Aus- und Weiterbildung afghanischer Pflegekräfte, vor allem in der Frauenabteilung. Nach dem Einsatz fliegt sie über Amsterdam, einem der Hauptquartiere von Ärzte ohne Grenzen, zurück. Dort bekommt sie abschließend die Möglichkeit zu Supervision und Erfahrungsaustausch. Und heute? « Ich will es auf jeden Fall wieder machen, aber nicht dauerhaft », sagt sie. « Es war einfach eine gute Erfahrung. » Und das nächste Ziel? « Vielleicht Sierra Leone, da ist aus Sicherheitsgründen mehr Freiraum möglich, und ich könnte auch mal an den Strand oder in ein Restaurant gehen. »