Bad Wildbad

Rund 90 Gäste informierten sich über Spätfolgen der Kinderlähmung

Bad Wildbad, Quellenhof war Gastgeber des Poliotags Baden-Württemberg

Das Neurologische Rehazentrum Quellenhof war am Samstag, 17.10., Gastgeber des Poliotages Baden-Württemberg. Das umfassende Vortragsprogramm, zu dem der Polio Landesverband eingeladen hatte, gab einen vielseitigen Einblick in den Alltag von Menschen, die mit den Spätfolgen der Kinderlähmung leben müssen. 86 Gäste im kleinen Festsaal des Quellenhofs waren Post-Polio-Betroffene. Das Rehazentrum ist eine von bundesweit fünf empfohlenen Kliniken für die Behandlung von Post-Polio-Patienten. Ziel der Veranstaltung war es, zum besseren Verständnis der Erkrankung beizutragen.

Dem Post-Polio-Syndrom im Erwachsenenalter geht eine Virusinfektion mit Polioviren in der Kindheit oder Jugend voraus. Oft wird die Ursache der typischen Beschwerden wie schnelle Erschöpfbarkeit, Muskelschwäche, Schmerzen oder Atemfunktionsstörungen nicht gleich erkannt. Viele Patienten mit neurologischen Beschwerden wissen selbst nicht, dass sie einst eine Polioinfektion hatten. Daher bemühen sich die Polio-Patientenorganisationen regional und bundesweit um mehr Aufklärung.

Beim Poliotag Baden-Württemberg beleuchteten die Referenten die Komplexität des Syndroms. Dr. Regina Ascheron, leitende Oberärztin im Quellenhof, schilderte das klinikeigene, ganzheitlich neurologische Rehabilitationskonzept, das für das Post-Polio-Syndrom entwickelt wurde. "Hin zu Hilfe zur Selbsthilfe", laute das Ziel, betonte Ascheron. Daher würden bei den Betroffenen die individuelle Leistungsfähigkeit ermittelt und die Krankheits- sowie Alltagsbewältigung zielgerichtet gefördert. Entsprechend gehöre zum Behandlungskonzept eine krankengymnastische Förderung nach individuellen Erfordernissen, erläuterte Physiotherapeutin Daniela Krusche.

Mit den psychosozialen Belastungsfaktoren befasste sich der Vortrag von Michaela Bucher, Psychologin im Quellenhof. Wichtig sei es, die eigenen Kräfte richtig einzuschätzen und bei Bedarf auch Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Was man von PPS auch wissen sollte", erläuterte Prof. Dr. Kai Paschen aus Kaiserslautern. Der Facharzt für Laboratoriumsmedizin ist selbst Betroffener. Er wies unter anderem auf die schädigenden Wirkungen von Alkoholkonsum und Rauchen auf die bei Post-Polio-Patienten bereits angegriffenen Nervenzellen hin. Ziel müsse es sein, das Fortschreiten der Erkrankung durch eine optimierte Lebensweise zu bremsen.

Manchmal hilft es, sich alles von der Seele zu schreiben. Das mag sich Helmut Gotschi, Poliobetroffener, gedacht haben, als er sein Buch "Papaya und Rosinen" schrieb. Für die Gäste des Poliotages las Gotschi einige Passagen aus seinem autobiografischen Roman. Im letzten Vortrag ging Carmen Pröckl, Sozialdienstmitarbeiterin im Quellenhof, auf die Rehabeantragung ein. Über den Sozialdienst könnten weitere Informationen angefordert werden.

Der Sprecher des Polio Landesverbandes Baden-Württemberg, Siegfried Spliesgart, und Dr. Ascheron kündigten Folgeveranstaltungen an, ehe die Gäste die Klinik besichtigten.

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