BehandlungImmun- und Plasmapherese-Therapie

Mit den Fortschritten der intensivmedizinischen Therapie haben sich die Behandlungsmöglichkeiten des GBS deutlich verbessert. Abgesehen von leichten Fällen sollten die Patienten auf einer Intensivstation behandelt und die Indikationen zur Intubation und Beatmung frühzeitig gestellt werden.

Autonome Funktionsstörungen erfordern eine engmaschige Überwachung der Herz-Kreislauf-Funktion und die großzügige Anlage eines vorübergehenden Herzschrittmachers. Zur Prophylaxe thrombembolischer Komplikationen sind frühzeitige Mobilisierung, Anti-Thrombose-Strümpfe und die Gabe von Heparin notwendig.

Immunmodulierende Therapie

Die Immuntherapie hat zum Ziel, die Rückbildung der Symptome zu beschleunigen und damit die Zeitdauer der maschinellen Beatmung und den Aufenthalt auf der Intensivstation abzukürzen. Während Glukokortikosteroide bei verschiedenartigen anderen neuroimmunologischen Erkrankungen wie z. B. der Myasthenia gravis oder auch der chronischen Polyneuritis wirksam sind, konnte eine große randomisierte, plazebo-kontrollierte Studie bei 242 GBS-Patienten keinen Effekt für eine Pulstherapie mit 500 mg Methylprednisolon über 5 Tage zeigen. Eine systematische Zusammenfassung ("Cochrane review") von sechs randomisierten Studien bestätigte diese Befunde, wobei nach 4 Wochen kein Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen festzustellen war, während nach einem Jahr die mit Steroiden behandelten Patienten sogar leicht schlechter abschnitten.

Demgegenüber konnte die Wirksamkeit der Plasmapherese-Therapie in mehreren kontrollierten Studien gesichert werden. Übereinstimmend besserten sich unter einer Behandlung mit 5 Plasmapheresen mit jeweils 50 ml/kg Körpergewicht an alternierenden Tagen die Patienten schneller, konnten frühzeitiger von der künstlichen Beatmung entwöhnt werden und im Durchschnitt einen Monat eher wieder selbständig gehen als die Patienten der Plazebogruppe. Die Behandlung sollte bei Patienten, die weniger als 5 Meter selbständig gehen können, vorgenommen und innerhalb der ersten zwei Krankheitswochen eingeleitet werden. Kürzlich berichtete eine französische Arbeitsgruppe, dass bei leichter betroffenen Patienten zwei Austauschbehandlungen besser sind als die alleinige unspezifische Therapie, dass vier Behandlungen besser als zwei sind bei Patienten, die nicht ohne Hilfe aufstehen können, und dass bei beatmeten Patienten sechs Plasmapheresen nicht besser als vier sind. Mit den intravenösen Immunglobulinen (IVIg) in einer Dosis von 0,4 g/kg Körpergewicht über 5 Tage steht eine ebenfalls wirksame Therapie als Alternative zur Verfügung. Obwohl eine frühere Studie behauptete, dass IVIg besser als Plasmapherese seien, konnte dieser Unterschied in nachfolgenden Untersuchungen und insbesondere in der bis dahin größten vergleichenden Untersuchung bei 379 Patienten nicht bestätigt werden: Hier waren sowohl der funktionelle Behinderungsgrad nach 4 Wochen als auch verschiedene andere Zielparameter bei allen Patientengruppen gleich, unabhängig davon, ob mit Plasmapherese, IVIg oder einer Kombination beider Therapieformen behandelt wurde.

Damit können beide Therapieverfahren als gleichwertig angesehen werden. Da IVIg technisch einfacher zu applizieren sind, sollten sie bei Patienten ohne Kontraindikationen bevorzugt eingesetzt werden. Inwieweit die zusätzliche Gabe von Glukokortikosteroiden oder ein zweiter Therapiezyklus mit IVIg zu einer zusätzlichen Verbesserung führt, wird derzeit in kontrollierten Studien untersucht.