Rummelsberg/Feucht

Chefarzt PD Dr. Martin Winterholler lud Betroffene und Angehörige nach Feucht an – 24. Auflage Parkinson-Symposium in der Reichswaldhalle abgehalten

Die 24. Auflage des Rummelsberger Parkinson-Symposiums fand dieses Mal in der Reichswaldhalle in Feucht statt. Zahlreiche Betroffene und Angehörige folgten dem Ruf von Chefarzt PD Dr. Martin Winterholler.

Rummelsberg/Feucht. Das Parkinson-Symposium der Klinik für Neurologie des Krankenhauses Rummelsberg hat Tradition. Zur 24. Auflage traf man sich erstmalig in der Reichwaldhalle in Feucht. Neben aktuellen Studien und Forschungsergebnissen standen aktuelle Therapiekonzepte auf der Agenda – aber auch Gesprächskreise zu unterschiedlichen Themen rund um die Krankheit. Dass das Thema auf großes Interesse stößt, zeigten die Teilnehmerzahlen. Knapp 120 Personen waren gekommen.

„Man kann die Erkrankung nicht heilen, aber viele gute Jahre ermöglich“, betonte Oberarzt Dr. Harald Erxleben zu Beginn seines Vortrages über aktuelle Therapiekonzepte und zeichnete damit ein realistisches Bild für alle Betroffenen und Angehörigen. Jeder würde unterschiedlich behandelt werden, weil Medikamente oft auch unterschiedlich wirken würden, so der Mediziner. „Versuchen Sie nicht die Medikamente nach der Diagnose zu meiden. Oft ist es besser, sich damit zu arrangieren, dass man die Medikamente nehmen muss. Dann hat man vor allem am Anfang der Erkrankung ein beschwerdefreies Leben“, betonte Erxleben. Aktuell sei der jüngste Patient in Rummelsberg, bei dem Parkinson diagnostiziert wurde, 36 Jahre alt – auch wenn eine so frühe Diagnose eher die Ausnahme sei. Erxleben gab den Zuhörern mit, dass man auch bei der Diagnose Glück und Pech haben könne. Das hänge davon ab, welche Art von Parkinson-Symptome der Betroffene habe. Symptome wie Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Stürze, Inkontinenz, Impotenz und demenzähnliche Entwicklungen würden auf einen atypischen und somit ungünstigeren Verlauf schließen und seien deutlich seltener. Hingegen Symptome wie Akinese, Rigor oder Ruhetremor seien typische Symptome und häufiger verbreitet. Mit ihnen habe der Betroffene aber Glück im Unglück. Wichtig zu wissen für Angehörige, so Erxleben, dass bei der Therapie auch Nebenwirkungen auftreten können wie Spiel-, Essens-, Kauf- und Sexsucht. „So etwas muss man von vornherein wissen“, so der Mediziner.

„Ziel muss es sein, die Nervenzellschädigung im Vorfeld zu verhindern“
Chefarzt PD Dr. Martin Winterholler freute sich, dass nach zwei Jahren „Corona-Pause“ das Symposium nun endlich in Präsenz wieder stattfinden konnte – und auch ohne Corona-Auflagen. Dies sei auch ein Grund gewesen, warum das Symposium dieses Mal nicht im Krankenhaus in Rummelsberg stattfand. Winterholler zeigte sich enttäuscht von den aktuellen Erkenntnissen vom Weltkongress in Madrid rund um die Antikörper-Therapie. Mit Medikamenten will man Ablagerungen im Gehirn verhindern und beseitigen. Zwar würden die Studien beweisen, dass die Eiweißablagerungen im Gehirn, welche die Erkrankung durch das Absterben von Nervenzellen und dem dadurch entstehenden Mangel an Dopamin auslösen, deutlich weniger würden – allerdings mache das beim Betroffenen keinen Unterschied bezüglich der Symptome. „Das ist sicherlich nicht das Ende der Antikörper-Therapie oder einer möglichen Impfung, aber für den Moment enttäuschend. Ziel muss es sein, die Nervenzellschädigung im Vorfeld zu verhindern“, so Winterholler. Fortschritte gebe es hingegen bei der genspezifischen Therapie. „Jedoch betrifft diese Form nur maximal 3 Prozent der an Parkinson Erkrankten“, erklärte der Chefarzt. Waren es 1990 noch 2,6 Millionen Erkrankte, stieg die Zahl bis 2015 auf 6,3 Millionen und 2040 geht man von weltweit 17,5 Millionen aus. Knapp 700 Erkrankte werden jährlich stationär in der Klinik für Neurologie in Rummelsberg behandelt. Die Klinik zählt damit zu den größten im nordbayerischen Raum, ist von der deutschen Parkinson Vereinigung (dPV) zertifiziert und wird regelmäßig vom Nachrichtenmagazin „FOCUS“ ausgezeichnet.

Koffein förderlich, Gehirnjogging nicht
Sicher sei man, dass Koffein die Wirkung von Levodopa, einem Wirkstoff um den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen, verbessere. Damit ließe sich degenerativen Prozessen entgegenwirken. „Insofern ist Kaffee und Grüner Tee grundsätzlich förderlich – jedoch ist Koffein in Medikamentenform notwendig, damit auch die Wirkung dauerhaft aufrecht gehalten werden kann“, betonte Winterholler. Mit einer Mär musste der Chefarzt jedoch aufräumen: „Hirntraining am Computer verbessert zwar die Kenntnisse am Computer, ist aber für den Alltag mit Parkinson nicht hilfreich. Hier empfehle ich lieber sich zu bewegen oder spazieren zu gehen. Die Bewegung und Aktivität ist nach wie vor das A und O.“ Und auch dem Thema Schlaf komme eine besondere Bedeutung zu: „Wer mit Parkinson schlecht schläft, hat einen ungünstigeren Verlauf wie Studien zeigen. Aus diesem Grund ist es ganz wichtig, dass uns Betroffene in der Sprechstunde erzählen, wie es um ihren Schlaf steht“.

Abgerundet wurde das Programm durch zwei Gesprächskreise, die sehr gut angenommen wurden. Neben „Jung und Parkinson“, „Bewegen mit Parkinson“ und einem Angehörigengesprächskreis ging es auch um „Tiefenhirnstimulation“, logopädische Aspekte wie Sprechen, Schlucken und Essen sowie unterschiedliche Medikamente und Behandlungstipps. „Eine hilfreiche Pflichtveranstaltung für Betroffene und Angehörige“, wie ein Zuhörer treffend zusammenfasste – ganz gleich, ob im Krankenhaus oder in der Reichswaldhalle.

Krankenhaus Rummelsberg GmbH
Dominik Kranzer
Pressestelle
Rummelsberg 71
90592 Schwarzenbruck

Telefon: (0 91 28) 504 33 65
Telefax: (0 91 28) 504 31 50
Dominik.Kranzer@sana.de