Radiologie / NeuroradiologieInterventionelle Radiologie

Die interventionelle Radiologie ist eine recht junge, rasant wachsende Subspezialisierung innerhalb der Radiologie und verkörpert deren „therapeutischen Arm". Mithilfe von bildgebender Steuerung (z.B. Angiografie) werden eine Vielzahl von Krankheiten therapiert. Hierzu zählen z.B. Eröffnung von verschlossenen Gefäßen (pAVK, Schlaganfall), Ausschaltung von krankhaft erweiterten Gefäßen (Aneurysma) oder der Verschluss von Gefäßen („Embolisation“, z.B. bei Blutungen, Tumoren, Prostatahyperplasie und Uterusmyomen). Für unsere Dialysepatienten führen wir die Wiedereröffnung dysfunktionaler Shunts (Shunt-PTA) durch oder implantieren getunnelte Langzeitdialysekatheter (Dermerskatheter). Im Rahmen der Behandlung von onkologischen Erkrankungen bieten wir die (ambulante) Implantation von Portkathetern an, verschließen blutende Tumoren minimal-invasiv (Embolisation) oder therapieren Tumoren von Lunge, Leber und Niere durch Mikrowellen- oder Radiofrequenzablation.    

Auch können Gewebeproben gewonnen oder Abszesse drainiert werden, wobei häufig die Computertomografie für eine hochpräzise Steuerung des Eingriffs Anwendung findet. Allen interventionell-radiologischen Eingriffen gemein ist deren minimal-invasiver Charakter, d.h. die Eingriffe werden häufig in Lokalanästhesie und ohne größere Schnitte durchgeführt: Blutverluste werden minimiert und die Dauer des Krankenhausaufenthaltes sowie die Erholungsphasen nach dem Eingriff sind kurz. In unserem Institut bieten wir für unsere Patienten ein großes Spektrum interventionell-radiologischer Eingriffe an. Exemplarisch möchten wir im Folgenden einige der von uns behandelten Krankheiten bzw. Verfahren vorstellen.

Einen vollständigen Überblick über unser Leistungsspektrum finden sie hier.

Bei Fragen können Sie uns gern ansprechen. 

Sekretariat
Katrin Fiedler

Tel.: 0451 585-1451
Fax: 0451 585 1971-1450
katrin.fiedler@sana.de

periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Die Atherosklerose führt überwiegend an den Schlagadern von Bauch, Becken und Beinen zu Gefäßverengungen (Stenosen) oder –verschlüssen (Okklusionen). Diese Verengungen können in den meisten Fällen interventionell-radiologisch behandelt werden. In Lokalanästhesie wird meist die Leistenschlagader punktiert und die entsprechende Gefäßläsion geweitet, bzw. eröffnet (PTA, perkutane transluminale Angioplastie). Darüber hinaus werden u.a. medikamentenfreisetzende Ballone oder Stents implantiert, um eine langfristige Offenheit der behandelten Läsion zu ermöglichen. Wir behandeln die pAVK nach modernsten Erkenntnissen der Wissenschaft und halten sämtliche, auch hochspezialisierte Therapieverfahren (z.B. Rotationsthrombektomie, Atherektomie) vor.

Regelmäßig führen wir eine nicht-invasive Bildgebung (z.B. CT oder MRT) der betroffenen Gefäßabschnitte durch, um das Ausmaß der Erkrankung und die Läsionsmorphologie zu charakterisieren. Anschließend wird mit den beteiligten Fachkollegen für jeden Patienten/-in individuell die optimale Behandlungsstrategie festgelegt.

A) Angiografie eines chronischen, langstreckigen Verschluss (Stern) der Oberschenkelschlagader links. B) Nach Erweiterung der Schlagader und anschließender Stentimplantation ist die Oberschenkelschlagader (Pfeil) wieder regelrecht durchblutet. 

Therapie von Aneurysmata

Unter einem Aneurysma versteht man die krankhafte Erweiterung aller (echtes Aneurysma) oder bestimmter Anteile (Pseudaneurysma) der Gefäßwand. Je nachdem wo diese Aneurysmata gelegen sind, besteht die Gefahr einer Ruptur oder Gerinnselbildung mit Embolie. In Abhängigkeit der Aneurysmakonfiguration und – lokalisation bestehen unterschiedliche Möglichkeiten, diese Aussackungen zu behandeln. Es können membranüberzogene Stents (sog. Stentgrafts) oder kleine Metallspiralen (sog. Coils) implantiert werden, damit im Aneurysma kein Blutfluss mehr stattfindet und oben genannte Gefahren gebannt werden.

Minimal-invasive Behandlung eines Milzarterienaneurysmas. A) 3D Darstellung des Aneurysmas (Pfeil) mittels Computertomografie. B) Angiografie-Bild des Aneurysmas (Pfeil) während der Behandlung. C) Implantation eines membranüberzogenen Stents. D) Angiografie nach Stentgraftimplantation: das Aneurysma ist nicht mehr durchblutet. E) 3D Darstellung des Behandlungsergebnisses mittels Computertomografie. Das Aneurysma wurde durch den Stent (blauer Kreis) ausgeschaltet. Die Durchblutung der Milz wird erhalten.

A) Computertomografie bei thorakoabdominellem Aortenaneurysma (krankhafte Erweiterung von Brust- und Bauchschlagader, rote Linien). B) Angiografie während der Behandlung. C) Implantation einer auf die Patientenanatomie individuell angepassten Gefäßprothese. D) Kontrolle nach der Behandlung mit Computertomografie. Die Aneurysmata sind nicht mehr durchblutet. Die Blutgefäße für Leber, Darm und Nieren wurde mit membranüberzogenen Stents mit der Hauptprothese verbunden. 

Pfortaderhochdruck - Transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS)

Bei Erkrankungen der Leber (z.B. Leberzirrhose) kann es zu einer Erhöhung des Pfortaderdruckes kommen. Hierdurch können Aszites (Bauchwasser) oder Varizen (Krampfadern) von Speiseröhre und Magen entstehen, welche wiederum lebensbedrohliche Blutungen verursachen können. Interventionell-radiologisch kann zur Symptomkontrolle eine Verbindung (Shunt) zwischen Pfortader und Lebervenen geschaffen werden, wodurch ein Teil des Blutes an der Leber vorbei in den Kreislauf zurückfließt.

A) Nach Punktion der rechten Halsvene wird eine Lebervene (gestrichelte Linie) sondiert und mit einer Nadel von hier aus die Pfortader punktiert. Dann wird eine Schleuse (Pfeil) in der Pfortader platziert, über die ein membranüberzogener Stent implantiert wird, um die Verbindung beider Gefäße (Shunt) zu ermöglichen. In dieser Angiografie sind kaliberstarke Krampfadern (Sternchen) zu erkennen. B) Nach Implantation eines membranüberzogenen Stents (Pfeil) fließt ein großer Anteil des Pfortaderblutes durch diesen Shunt an der Leber vorbei. Zusätzlich wurde die Krampfader mit Metallspiralen (Sternchen) und Kleber verschlossen (embolisiert).      

Prostatahyperplasie – Prostataarterienembolisation (PAE)

Die gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie) kommt relativ häufig vor und kann zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen führen. Betroffene Patienten leider unter anderem unter häufigem Harndrang, Harnstottern (mehrmaliges Aufhören und Starten), Gefühl einer nicht vollständigen entleerten Harnblase und einem schwachen Harnstrahl. Besteht eine Unverträglichkeit der medikamentösen Therapie oder bringt diese keine zufriedenstellenden Resultate, verspricht die minimal-invasive Prostataarterienembolisation (PAE) Erfolg. Anders als beispielsweise bei der operativen Therapie (z.B. transurethrale Prostataresektion, TUR-P) sondieren wir die Prostata versorgenden Blutgefäße und verschließen diese mit kleinen Partikeln (Embolisation). Dieser Eingriff wird in örtlicher Betäubung durchgeführt und verursacht keine oder nur wenig Schmerzen. Nebenwirkungen sind selten und wenn diese auftreten meist nicht sehr schwerwiegend. Nach 1-2 Tagen kann der Patient die Klinik wieder verlassen. Mit den ersten Verbesserungen kann nach ca. 4 Wochen gerechnet werden.

A) Vor der PAE wird ein Harnblasenkatheter (Stern) gelegt, um den Harnblasenboden lokalisieren zu können und die Harnableitung während und nach dem Eingriff zu gewährleisten. Nach Punktion der Leistenschlagader wird ein knapp 1mm dünner Katheter (Pfeil) in die Prostataarterie geführt und Kontrastmittel gespritzt. Hierbei färbt sich idealerweise die Prostata (Kreis) an, während Harnblase und Enddarm nicht kontrastiert werden. B) Um eine ungewollte Embolisation insbesondere des Enddarms (Kreis) zu vermeiden, sollte immer eine Kontrolle mittels Computertomografie erfolgen. In diesem Bild erkennt man gut, dass sich nur die katheterisierte Seite der Prostata weiß anfärbt, nicht aber der Enddarm. C) Nachdem kleine Partikel in die Arterie injiziert worden sind, kontrastiert sich die Prostata (Kreis) nach Kontrastmittelgabe nicht mehr.

Uterus myomatosus – Uterusarterienembolisation (UAE)

Myome sind gutartige Tumoren der Gebärmutter. Diese können Harndrang, Obstipation, Schmerzen, Infertilität und Blutungsbeschwerden (z. B. Menorrhagie, Dysmenorrhö und Anämie) verursachen. Als minimal-invasive Behandlung können die Arterien, die die Gebärmutter versorgen, verschlossen werden, wodurch den Myomen die Blutversorgung abgeschnitten wird. Hierfür wird die Leistenschlagader punktiert und die Gebärmutterarterie auf jeder Seite mit einem unter 1mm dünnen Katheter sondiert, um kleine Partikel zu injizieren (Embolisation). Die Gebärmutter bleibt bei dieser Therapie erhalten.

Beckenvenen-Kompressionssyndrom (May-Thurner-Syndrom)

An der Überkreuzungsstelle der rechten Beckenschlagader mit der linken Beckenvene kann es zu einer Kompression der „schwächeren“ Vene kommen. Als Folge ist eine (Becken-) Venenthrombose möglich, in deren Verlauf sich u.a. ein post-thrombotisches Syndrom entwickelt. Neben der medikamentösen und konservativen Therapie kann unter Umständen eine minimal-invasive Rekanalisierung der Beckenstrombahn durchgeführt werden. Hierbei wird immer ein Stent implantiert.

A) Kontrastmitteldarstellung (Phlebografie) der linken Beckenvenen. Die Beckenvene (gestrichelte Linie) kontrastiert sich nicht. B) Nach Drahtpassage wird ein Ballon eingesetzt, um den Verschluss zu eröffnen. C) Stentimplantation in die vormals verschlossene Beckenvene. D) In der Abschlusskontrolle (Phlebografie) stellt sich die Beckenvene suffizient eröffnet dar.

Hepatozelluläres Karzinom (HCC) - Transarterielle Chemoembolisation (TACE)

Bei bestimmten Primärtumoren (z.B. hepatozelluläres Karzinom) oder Metastasen der Leber kann durch eine minimal-invasive Therapie das Tumorwachstum kontrolliert werden. Hierfür werden nach Punktion der Leistenschlagader und Vorführen eines kleinen Katheters in die Leberarterie kleine, mit Chemotherapie beladene Partikel in die Leber injiziert. Diese Form der Chemotherapie hat im Vergleich zur systemischen Therapie ein günstigeres Nebenwirkungsprofil, Komplikationen sind selten.

A) Die Kernspintomografie der Leber zeigt eine Raumforderung im rechten Leberlappen. Es handelte sich um eine Metastase (Kreis) eines Dickdarmtumors. B) Angiografie der Leberarterien: hier zeigt sich die Metastase (Kreise) mit kräftiger Kontrastierung. C) Nach Injektion der mit Chemotherapie beladenen Partikel zeigt der Tumor (gestrichelter Kreis) keine Durchblutung mehr.

Portimplantation

In bestimmten Situationen (z.B. Chemotherapie, intravenöse Langzeittherapie, künstliche Ernährung) ist die Verwendung von Portsystemen sinnvoll. Ports sind kleine Kammern, die unter der Haut implantiert werden. Sie sind mit einem dünnen Schlauch verbunden, der dauerhaft in der oberen Hohlvene liegt. Die Kammer kann jederzeit durch die Haut getastet und punktiert werden, wenn eine Infusion, Blutentnahme oder Kontrastmittelapplikation notwendig wird. Eine Vene muss dann nicht mehr punktiert werden.

Wir führen die Portanlage in Lokalanästhesie und perkutan durch (d.h. ohne größeren Schnitt). Wir verwenden ein Ultraschallgerät, um die geeignete Vene zu finden und zu punktieren. Zusätzlich erfolgt die Implantation unter Durchleuchtungskontrolle (d.h. mit Röntgenstrahlen), um die Katheterposition exakt steuern zu können. Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten und wird regelmäßig als ambulanter Eingriff durchgeführt.

A) Implantation eines Portsystems an der Brust. Die Portkammer (Pfeilspitze) wird unter die Haut implantiert. Die Spitze des Portkatheters (langer Pfeil) sollte immer in der oberen Hohlvene liegen, egal wo die Portkammer implantiert wurde. Alternative Orte für die Implantation der Portkammer sind der Ober- und Unterarm (B) sowie der Oberschenkel (C).