Medizinische SchwerpunkteKonservative Therapie von Rückenschmerzen/Prävention

Laut einer Prävalenzstudie über Rücken- und Nackenschmerzen (Krankheitslast-Studie BURDEN 2020) haben 61,3 % der Befragten in den letzten 12 Monaten Rückenschmerzen und 54,7 % Nackenschmerzen. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter, Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Die Ursachen sind vielfältig. In nur seltenen Fällen führen diese zu einer Operationsindikation. Die Ursachen liegen meist in der Veränderung der Muskulatur und der Faszien und haben hierdurch langsam schleichend zu Fehlhaltungen oder gar Fehlstellungen geführt, die nicht durch eine Operation zu verbessern sind.

Im Laufe der Jahre werden wir immer bequemer und Fortbewegung findet meist mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln statt. Überkopfarbeiten, d. h. eine Benutzung unseres Schultergelenks im kompletten Umfang ist meist eine Rarität. Wir sitzen den meisten Tag, so dass bestimmte Muskelgruppen sowohl verkürzen als auch bzgl. der Muskelkraft abnehmen. Bestimmte Bewegungsmuster können im Laufe der Jahre nicht mehr flüssig ausgeführt werden. Wir sprechen hier sogar von einer sensomotorischen Amnesie, d. h. unser Gehirn vergisst bestimmte Bewegungen, die uns als Kind oder junger Erwachsener noch ohne nachzudenken einfach möglich waren.

Aber auch langjährig durchgeführte Sportarten mit einseitiger Belastung und Verkürzung von bestimmten Muskelgruppen, kann zu solchen Problemen führen. Auch ein zunehmendes Körpergewicht führt zu statischen Veränderungen und zu einer vermehrten Belastung der hinteren Muskelkette, die bei Überlastung zu Schmerzen, insbesondere im unteren Rücken und der Gesäßmuskulatur, führt. Einseitige Ernährung, hormonelle Veränderungen im Alter und Stress führen ebenso nachweislich zu myofaszialen Verklebungen und Verkürzungen.

Leider wird bei Rückenschmerzen sehr schnell eine Diagnostik im Sinne von Röntgen oder gar MRT oder CT durchgeführt, ohne eine ausführliche Untersuchung des Patienten durchgeführt zu haben. Diese Untersuchungen sind für den Arzt mit wenig Zeitaufwand durchzuführen und der Patient fordert diese moderne Art der Geräte-Diagnostik. Eine körperliche Untersuchung wirkt beim Patienten heutzutage als unmodern und nicht ausreichend. Bei diesen Untersuchungen wird allerdings lediglich die Wirbelsäule abgebildet. Nur die Rückenmuskulatur, die unmittelbar an die Wirbelsäule ansetzt, ist im MRT und CT abgebildet.

Wird nun diese „Geräte-Diagnostik“ durchgeführt, so finden Sie ab einem bestimmten Alter bei fast allen Patienten altersbedingte Veränderungen, die meist nichts mit den Schmerzen des Patienten zu tun haben. Im schlimmsten Fall wird daraus eine Operationsindikation gestellt!

Wir bieten deshalb auf Selbstzahlerbasis eine Präventionssprechstunde an, in der eine ausführliche körperliche Untersuchung stattfindet. Ggf. kommt ein Ultraschall und eine Elastographie zum Einsatz, um myofasziale Verklebungen festzustellen und Triggerpunkte darzustellen.

Eine zusätzlich anzubietende Leistung ist ein strahlungsfreier Rückenscan mit IDIAG M360 (medimouse), bei dem eine computerunterstützte Analyse der Haltung, Beweglichkeit und der muskulären Stabilität erfolgt. Funktionelle Problembereiche können mit diesem System für Sie nachvollziehbar aufgezeichnet werden. Die IDIAG M360 erstellt ein Analyseprotokoll mit persönlichen Trainingsempfehlungen.

Nach dieser ausführlichen Untersuchung und funktionellen Diagnostik besprechen wir mit Ihnen Ihre muskulären Defizite und Problemstellen. Wir beraten Sie, wie eine weitere Therapie (auch Eigentherapie) aussehen soll. Eigentherapie deshalb, weil eine solche Therapie nicht mit sechs Krankengymnastik-Behandlungen abgeschlossen ist.

Sie werden nur durch eine langfristige, intensive körperliche Betätigung im Sinne von faszialen Schwungübungen, Dehnübungen, Faszientherapie mit der Black Roll, aber auch Stärken der gesamten Rumpfmuskulatur und des Beckenbodens, Koordinationsübungen, Mobilisierung der Brustwirbelsäule, eine Besserung Ihrer Schmerzen erreichen. Langsam schleichend über Jahre entstandene Dysbalancen brauchen auch wieder Zeit bis sich diese durch regelmäßige Übungen wieder bessern. Wahrscheinlich werden diese Übungen sie Ihr Leben lang begleiten. Eine Anleitung für all diese Therapien erhalten Sie gerne im Zentrum für Physiotherapie in unserem Haus. Auch Einzelleistungen, z. B. Faszientherapie mit der Black Roll können gebucht werden.

Wir möchten Ihnen ein Beispiel aus dem täglichen Leben nennen:

Sie putzen von klein auf täglich mindestens zweimal Ihre Zähne, um im Alter diese nicht zu verlieren. Für unseren Bewegungsapparat machen wir jedoch nichts. Warum soll dies alles ohne körperliche Auswirkung bleiben, wenn tagtägliche Fehlbelastungen, Bewegungsmangel, Fehlernährung, Stress, Extremsportarten auf uns einwirken?

In einigen Fällen können wir diese Therapie mit einer Infiltrationstherapie (Spritzentherapie) sowohl in die Triggerpunkte als auch myofaszial unterstützen. Hier kommt z. B. Procain (ein lokales Betäubungsmittel) als auch in seltenen Fällen Botox (je nach ausgewählter Indikationsstellung), zum Einsatz.

Haben Sie Interesse an solch einer Präventionssprechstunde? So können Sie hierfür gerne einen Termin vereinbaren.