Zahlen und FaktenGeschichte des Karl-Olga-Krankenhauses

1872
Im Städtischen Krankenhaus Heilbronn entsteht eine Krankenpflegeschule, deren Schwestern sich nach ihrer Patronin, der Königin Olga, bald "Olgaschwestern" nennen dürfen.

1882
Königin Olga stiftet das silberne Ehrenkreuz, das noch heute zur Tracht der Olgaschwestern gehört.

1893
Die Olgaschwestern gründen den "Verein für Krankenpflegerinnen". Kurz nach Gründung ihres Vereins gingen die Olgaschwestern mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit: "Es gilt die Gründung eines Mutterhauses für die nahezu 70 Schwestern, die dem Verband des Olgahauses angehören. Es gilt aber auch die Gründung eines eigenen Krankenhauses, in welchem die Pflegerinnen eine sorgfältige Ausbildung erhalten sollen. Karl-Olga-Krankenhaus soll die neue Anstalt mit allerhöchster Zustimmung heißen." Dieser Name sollte die Erinnerung an das Königspaar Karl und Olga als tatkräftige Förderer auf sozialem und karitativem Gebiet wach halten.

1894
Am 1. April 1894 wird das Karl-Olga-Krankenhaus eröffnet.
Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt sich der Stuttgarter Osten zu einem industriell geprägten Vorort mit Fabriken und Arbeitersiedlungen. Der Bevölkerungszuwachs und die mit der Industrialisierung einhergehende Veränderung der Lebensverhältnisse fordern schließlich die Einrichtung eines Krankenhauses. Zur gleichen Zeit etwa rufen die Olgaschwestern zur Gründung eines Krankenhauses auf, was ein lebhaftes Echo findet. Zunächst muss aber die Finanzierung geklärt werden, um den Neubau für 400.000 Mark realisieren zu können: 45.000 Mark stehen den Olgaschwestern aus ihrem Vorgängerverein zur Verfügung, das Rote Kreuz gibt weitere 10.000 Mark dazu. Verschiedene Legate des verstorbenen Königspaares Karl und Olga erbringen 80.000 Mark und die amtierende Königin Charlotte verspricht regelmäßige finanzielle Zuwendungen. Für den Neubau fließen aber auch reichlich Spenden aus der Bevölkerung. Allein 26.000 Mark erbringt eine Wohltätigkeitskirmes, die unter Schirmherrschaft der Königin für das Krankenhaus veranstaltet wird. Und die Württembergische Sparkasse räumt dem Verein einen zinsgünstigen Kredit über 150.000 Mark ein. Letztendlich kommen die finanziellen Mittel zusammen, um das Karl-Olga-Krankenhaus bauen und am 1. April 1894 eröffnen zu können. Das von den Bewohnern des Stadtbezirks liebevoll "KOK" genannte Haus bietet für 100 Patienten Raum und ist zugleich Mutter- und Schwesternhaus. Welche Lücke das neue Haus in der Krankenversorgung des Stuttgarter Osten schließt, zeigt der erste Jahresbericht: Demnach wurden im Gründungsjahr 1.548 Kranke an 20.997 Pflegetagen behandelt.

1902
Die Schwesternschaft wächst weiter und zählt 130 Olgaschwestern, die in zahlreichen Krankenhäusern des Landes den Pflegedienst leisten und in vielen Landgemeinden die Krankenpflege übernehmen.

1909/1910
Das Karl-Olga-Krankenhaus betreibt ab 1909 eine staatlich anerkannte Krankenpflegeschule. Wegen des steigenden Patientenzustroms in die Chirurgische Abteilung unter Prof. Franz v. Hofmeister fällt der Entschluss zum Bau einer Chirurgischen Klinik. Bereits 1910 wird der Charlottenbau als neue Chirurgische Klinik seiner Bestimmung übergeben. Während des ersten Weltkriegs müssen zwei Drittel der Olgaschwestern an die Front und werden in fast allen Kriegsgebieten eingesetzt. Das Karl-Olga-Krankenhaus selbst wird zum Vereinslazarett umfunktioniert.

1918
Prof. Dr. Bogumil Lange erwirbt Ende 1918 in der Alexanderstraße eine Villa mit Stallgebäude und richtet dort eine orthopädische Klinik ein.

1923
Am 15. August werden die Olgaschwestern in den Kaiserswerther Verband aufgenommen. Der bislang bestehende "Verein für Krankenpflegerinnen vom Roten Kreuz" ändert seinen Namen in "Verein Diakonissenmutterhaus der Olgaschwestern und Karl-Olga-Krankenhaus". Zwischen Mitte der Zwanziger Jahre und der Machtübernahme der Nationalsozialisten übernimmt der Verein vorwiegend die Ausbildung und Ausstattung der Schwestern und bemüht sich um die Erweiterung der räumlichen Infrastruktur.

1930
Trotz der Wirtschaftskrise kann ab 1928 am Karl-Olga-Krankenhaus die Innere Klinik erbaut und 1930 eingeweiht werden. Dr. Walter Baumann nimmt am 1. Juli 1930 seine Tätigkeit in der orthopädischen Klinik Dr. Langes auf.

1938-1945
Der II. Weltkrieg beeinflusst bald auch den Krankenhausbetrieb. Mit Beginn der Luftangriffe auf Stuttgart müssen die Schwestern die Kranken oft mehrmals am Tag in die Kellerräume führen oder tragen. Nächte mit wenig Schlaf wechseln mit anstrengenden Tagen. Schließlich muss das Karl-Olga-Krankenhaus wie auch die anderen Stuttgarter Krankenhäuser evakuiert werden. In der Nacht vom 19. auf 20. Oktober 1944 werden während zweier Fliegerangriffe das Mutterhaus und die umliegenden Gebäude getroffen. Das Mutterhaus brennt bis zum Erdgeschoss nieder, der Dachstuhl der Chirurgischen und Inneren Klinik sind ebenfalls durch Feuer zerstört. Glücklicherweise überleben alle Patienten, Schwestern und Mitarbeiter die folgenschweren Bombentreffer.

1947
Aus den Ruinen des Feierabendhauses buddeln Schwestern und Freiwillige mehr als 60.000 Backsteine aus, die zum Aufbau eines neuen Mutterhauses verwendet werden. Im Zuge des Wiederaufbaus folgt 1949 der Neubau eines Wirtschafts- und eines Verwaltungsgebäudes.

1952
Am 1. September geht die wieder aufgebaute Baumann-Klinik erneut in Betrieb.

1954
Die zerstörten Klinikdachstöcke des Charlottenbaus am Karl-Olga-Krankenhaus sind wiederhergestellt.

1957
Am 1. Juli 1957 eröffnen Dr. Hans Reuter und seine Frau Waltraut in der Paulinenstraße 10 eine urologische Privatklinik mit drei Betten.

1960
Umzug der Reuter-Klinik auf die Karlshöhe - Raumnot und der zunehmende Verkehrslärm am Standort Paulinenstraße veranlassen die Familie Reuter, mit ihrer Klinik in einen viergeschossigen Neubau in der Humboldtstraße 16 umzuziehen. Am 1. Juni 1960 geht das 40-Betten-Haus in schöner Stuttgarter Halbhöhenlage in Betrieb. Ein Team von sieben Urologen zusammen mit Kollegen anderer Fachrichtungen, unterstützt von rund 90 Schwestern und Angestellten betreut anfangs die schnell steigende Zahl von Patienten. Das Konzept des Hauses lautet ganz einfach: höchste schwäbische Qualitätsarbeit und Nummer 1 ist der Patient, der das Krankenhaus familiär erleben und Schmerzen möglichst nicht erleiden soll. An die Stelle des Messers tritt, wenn möglich, schon damals die schonende endoskopische Operation. Dies ist ungewöhnlich in dieser chirurgisch orientierten Zeit.

1966
Das Haus "Schwesternheimat" in der Hackstraße 60 wird eingeweiht.

1970
Dr. Baumann verkauft zum 1. Oktober seine Klinik an Dr. Georg Leitz. Prof. Dr. Georg Leitz kommt von der Orthopädischen Universitätsklinik in Münster nach Stuttgart. Über seinen Anfang an der Baumann-Klinik berichtet er: "Bei meinem Arbeitsbeginn am 1. Oktober 1970 war zwar ein Kaufvertrag geschlossen, allerdings mit der auflösenden Bedingung, dass die Ausfallbürgschaft vom Gemeinderat gewährt würde. Wenn schon die vorausgegangenen Verhandlungen einigermaßen aufreibend gewesen waren, wirkte die überraschende Rücknahme der Kreditzusage der Bank wie ein Schlag. Erst neue Verhandlungen führten dann doch zu dem gewünschten Resultat. ... Die vielen notwendigen Verhandlungen neben der oft 18-stündigen Klinikarbeit haben mich nicht wenig belastet - dennoch mussten gleichlaufend schon die ersten Planungen für die Klinikmodernisierung stattfinden und auch dies kostete Hunderte von Stunden." Als Dr. Leitz die Klinik übernimmt befinden sich etwa 30 Patienten noch in Behandlung. Drei Wochen später sind alle 137 Betten belegt. Da nur ein OP-Saal zur Verfügung steht, dauern die OP-Programme bis in den späten Nachmittag, Visiten und Sprechstunden bis in die Nacht. Gutachten werden vor allem am Sonnabend erstellt. "Es musste unbedingt und so schnell wie möglich ein zweiter OP-Saal geschaffen werden, damit ich zeitsparend von einem Tisch zum anderen gehen und das Wesentliche am jeweils schon vorbereiteten Patienten vornehmen konnte", schreibt Prof. Dr. Leitz damals. Ab Sommer 1971 wird dann gleichzeitig an zwei OP-Tischen operiert. 1972 schließlich wird die Baumann-Klinik aus Finanzierungsgründen in ein frei gemeinnütziges Krankenhaus umgewandelt. Träger und damit Besitzer der Baumann-Klinik wird ein eingetragener Verein.

1977/1980
Das Nachkriegsmutterhaus wird abgerissen. An seiner Stelle entsteht das "Feierabendheim", das 1980 eingeweiht wird.

1984
Eröffnung eines Endoskopiemuseums und Abteilungsgründung in der Baumannklinik. Prof. Dr. Hans J. Reuter und sein Sohn Dr. Matthias Reuter eröffnen das Museum für Medizinische Endoskopie Max Nitze e.V. in Stuttgart.
In den 70er Jahren herrscht an den Kliniken ein Mangel an Ärzten, der sich im nächsten Jahrzehnt in einen Mangel an hoch qualifizierten Medizinern bemerkbar macht. Beispielhaft ist an der Baumann-Klinik zwischen 1980 und 1983 nur ein Oberarzt tätig. Aus diesem Grund schlägt Prof. Leitz der Mitgliederversammlung des Vereins vor, zu seiner Entlastung eine selbständige Abteilung für Rheumatologie und Handchirurgie mit 30 bis 40 Betten auszuschreiben, die am 1. September 1984 unter Leitung von Prof. Dr. Guido König eröffnet wird.

1985
Grundsteinlegung und Gründung der Karl-Olga-Krankenhaus GmbH
Am 18. September 1985 feiert das Karl-Olga-Krankenhaus die Grundsteinlegung für den Bauabschnitt 1a. Dies markiert den Start für einen grundlegenden baulichen Neubeginn am Haus. Um den wirtschaftlichen Bestand des Hauses auch weiterhin zu sichern, stellt das "Diakonissenmutterhaus der Olgaschwestern in Stuttgart e.V." im gleichen Jahr die Weichen für die Zukunft: Die Karl-Olga-Krankenhaus GmbH wird gegründet und die private Sana Klinikengesellschaft mbH München mit 74 Prozent an der Trägerschaft des Hauses beteiligt. Im Vertragswerk wird ausdrücklich festgelegt, den diakonischen Charakter des Hauses auch künftig zu erhalten.

1987
Der erste Bauabschnitt in der Gesamtsanierung des Karl-Olga-Krankenhauses mit Cafeteria, Küche und Apotheke ist fertig gestellt. Das Karl-Olga-Krankenhaus übernimmt die Trägerschaft der Urologischen Klinik Prof. Dr. Reuter.

1989
Zum 1. Januar übernimmt die Karl-Olga Krankenhaus GmbH die Trägerschaft der Baumann-Klinik. Um das anerkannt hohe Niveau der Klinik auch in Zukunft zu garantieren und Arbeitsplätze langfristig zu sichern, sucht der Trägerverein der Baumann-Klinik den Anschluss an eine größere Klinik und einen potenten Krankenhausträger. Ab 1. Januar 1989 übernimmt die Karl-Olga-Krankenhaus GmbH die Trägerschaft der Baumann-Klinik. Prof. Dr. Leitz bleibt bis zu seinem Ausscheiden Ende 1990 Ärztlicher Direktor. Ab Anfang 1991 leitete Prof. Dr. Christian T. Trepte die Klinik als Ärztlicher Direktor.

1991
Der Karls-Bau, zweiter Bauabschnitt im Erneuerungskonzept, geht als neuer Funktionsbau mit modernen Operationssälen, Röntgenabteilung, Labor und Intensivstation in Betrieb.

1995
Die Reuter-Klinik Urologie zieht Mitte des Jahres in das Karl-Olga-Krankenhaus um und wird dort in der bisherigen Struktur als Belegarztklinik weitergeführt.

1997
Der Königin-Olga-Bau geht als neues Bettenhaus in Betrieb und bietet 215 Patienten eine komfortable Unterkunft auf modernen Stationen.

1999
Das Karl-Olga-Krankenhaus nimmt im Oktober 1999 seinen neuen Haupteingang in Betrieb.

2002
Am 9. Mai wird der neu erstellte Wera-Bau an der Werder-Straße offiziell eingeweiht.

2003
Anfang März wird die Baumann-Klinik Orthopädie in das Karl-Olga-Krankenhaus integriert.