Lachender älterer Herr

Auf dem Weg zum MagnetkrankenhausErste Schritte

Ein wichtiges Ziel auf dem Weg zum Magnetkrankenhaus ist, dass in fünf Jahren 30 Prozent aller Pflegenden an den RKU einen Bachelorabschluss haben. Weitere 20 Prozent sollen durch an den Bedarf ausgerichtete Weiterbildungen höher qualifiziert werden, zum Beispiel Intensiv- und Anästhesieweiterbildung, Stroke Nurse, Qualifizierung im Wundmanagement, Atemtherapie, Pain Nurse etc. Damit wären insgesamt 50 Prozent höher qualifiziert – ein wichtiges Kriterium für die Erlangung des Magnet-Status.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde in Kooperation mit der Hochschule Neu-Ulm (HNU) wurde ein RKU-spezifischer Bachelorstudiengang „Management für Gesundheitsund Pflegeberufe“ implementiert. Im März 2017 wird zudem ein berufsbegleitender Studiengang mit 15 erfahrenden langjährigen Pflegenden der RKU starten. Auch ist derzeit ein weiterer Studiengang mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Planung, der zum Wintersemester 2017/2018 mit pflegewissenschaftlichem Schwerpunkt beginnt.

Ab Februar 2017 wird zudem ein Netzwerk für Hochschulabsolventen in Form eines Journal Club initiiert. Ziel des Netzwerks ist ein regelmäßiger Austausch unter den Studierenden und Absolventen an den RKU. Dabei werden beispielsweise pflegewissenschaftliche Themen diskutiert und wissenschaftliche Artikel bearbeitet.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist, Führungskräfte für ökonomische Prozesse in der Klinik zu sensibilisieren. Dazu wurde ein Stationscockpit implementiert. Stationsleitungen erhalten hierüber unterschiedliche Kennzahlen, zum Beispiel Belegungszahlen, PKMS-Daten sowie Personalkennzahlen. Das Stationscockpit unterstützt Stationsleitungen darin, autonom ihre Personalressourcen nach selbsterstellten Statistiken zu steuern. Zudem bietet es eine Möglichkeit, um Verweildauern im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit zu beeinflussen. Die Kennzahlenmatrix wurde 2016 im Sanakonzern durch den Bereich Unternehmensstrategie Pflege entwickelt und konzernweit als Steuerungsinstrument für die Stationsleitungen etabliert.

Wie alles begann

Vor zwei Jahren entschied sich die Autorin, Pflegedirektorin an den RKU – Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und fuhr im Rahmen des Hospitationsprogramms Pflege der Robert Bosch Stiftung in das Magnetkrankenhaus UF Health in Jacksonville, Florida, USA. Motiviert durch diese Erfahrung entwickelte sie mit ihrem Team an den RKU eine klare Strategie zur Qualitätsentwicklung in der Pflege. Das Ziel: den Magnetstatus nach den Anerkennungskriterien der Akademie of Nursing (ANCC 2014) zu erreichen.

Der darauffolgende 1. Ulmer Pflegemanagementkongress an den RKU Ulm im Juli 2015 war ein weiterer wichtiger Schritt zur klaren Strategieentscheidung – auch im Rahmen der Geschäftsführung. Der Besuch der Magnetkonferenz in Orlando im Oktober 2016 mit mehreren deutschen Pflegemanagern sowie Führungskräften aus dem RKU bestärkte die Beteiligten in ihrer Vision – „wir machen uns auf den Weg zum Magnetkrankenhaus“.

Die RKU, eine der wichtigsten Gesundheitsdienstleister der Region, sind Kliniken der Maximalversorgung mit den Schwerpunkten Orthopädie und Neurologie. Die Orthopädische Universitätsklinik mit Querschnittgelähmtenzentrum sowie die Neurologische Universitätsklinik mit Stroke Unit bilden den Akutbereich der RKU und führen den Lehr- und Forschungsauftrag für die Universität Ulm aus. Neben den Akutkliniken existiert als zweite Säule der Patientenversorgung das Zentrum für Integrierte Rehabilitation und eine Neurogeriatrische Akutklinik. Die Gesellschafter der RKU sind zu 50 Prozent die Universitätsklinik Ulm und zu 50 Prozent die Sanakliniken AG.

Seit der Gründung der zertifizierten Stroke Unit der RKU verdreifachten sich die behandelten Patienten mit einem cerebrovaskulären Ereignis von rund 350 im Jahr 1999 auf über 1 100 Patienten in 2015. In den RKU werden Patienten in allen Rehaphasen betreut. Der Erfolg der RKU ist dabei, bedingt durch die besondere Patientenklientel, abhängig von einer besonderen Pflegekompetenz.

Projektmodell Pflege

Ein weiteres Ziel ist, pflegerische Mitarbeiter zu befähigen, Projekte eigenständig zu erarbeiten, um pflegesensitive Outcomes zu verbessern. Dazu werden im Rahmen des Projektmodells Pflege seit 2015 Projekte initiiert. Durch dieses Projektmodell sollen bestehende Standards weiterentwickeln und die Praxis verbessert werden, um damit eine höhere Pflegequalität im Sinne der bestmöglichen Patientenbetreuung zu erreichen. Zudem wurden die Besetzung der Pflegedirektion verändert: Es gibt nun eine wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Masterabschluss, die sich mit der Umsetzung der Strategie zum Magnetkrankenhaus befasst, sich um Pflegeforschung kümmert und Studenten während des Studiums in Praxisfragen begleitet. Neu sind auch eine Referentin der Pflegedirektion sowie eine Mitarbeiterin für Datenmanagement und ITApplikationen in der Pflege. Zudem sind – nach dem Modell des Advanced Practice Nursing im UF Health Jacksonville – zwei Atemtherapeuten als Experten im Einsatz, die in Form von proaktiven Runden in der direkten Pflege eingebunden sind.

Zu der Schlüsselkompetenz Empirische Outcomes finden derzeit noch Recherchen zu Qualitätskennzahlen und den dazugehörigen Benchmarks statt. Dabei ist es obligatorisch, Daten zu im Krankenhaus erworbenen Dekubitalulcera ab Grad 2, Stürze mit Verletzungsfolge, Blutstrominfektionen bedingt durch zentrale Venenkatheter und Harnwegsinfektionen bedingt durch transurethrale Dauerkatheter abzubilden. Im Rahmen der Qualitätsentwicklung in der Pflege in den RKU wird die Darstellung weiterer pflegesensitiver Qualitätskennzahlen diskutiert. Diese Entwicklung wird auch durch die aktuelle Einführung der elektronischen Patientendokumentation ePA_AC befördert. Somit können Synergieeffektegenutzt werden.