Adipositaschirurgie

Multidisziplinärer Ansatz in der MedizinPatientenschonende OP-Verfahren

Eine Operation und ein damit verbundener Krankenhausaufenthalt sind für viele Patienten belastend. Hinzu kommen noch die Vorgeschichte und der persönliche Leidensweg. Früher mussten Adipositas-Patienten mit Hilfe eines großen Bauchschnitts operiert werden. Diese OP hatte ein hohes Risiko und einen langen Heilungsverlauf, verbunden mit einem sich über Wochen erstreckenden Aufenthalt im Krankenhaus. Heutzutage gibt es dank neuer Technologien patientenschonende OP-Verfahren , weiß Dr. Matthias Raggi, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Karl-Olga-Krankenhaus.

Patientenschonende OP-Verfahren durch technischen Fortschritt

Im Zuge des technologischen Fortschritts wurden andere Operationsmethoden mit moderner Technik und speziellem Instrumentarium entwickelt. Einen ganz wesentlichen Beitrag dazu lieferte die Einführung der Laparoskopie (auch: Schlüssellochmethode). Die Laparoskopie machte es möglich, auf große Schnitte zu verzichten und stattdessen mehrere kleine – in der Regel fünf – zu verwenden. Durch diese minimal-invasive Operationstechnik können Schmerzen vermieden und die Genesung wesentlich beschleunigt werden. Auch die Abläufe im Krankenhaus wurden optimiert und dadurch gestrafft. Ziel dieser Bestrebungen ist es, die Patienten möglichst schonend und rasch wieder zurück in ihren Alltag zu schicken. „Einer dieser Fortschritte ist die Implementierung von ERAS oder Fast track Ende der 90er Jahre“, erklärt Dr. Raggi.

Patientenschonende OP-Verfahren im Überblick

  • „ERAS („Enhanced Recovery After Surgery“) ist ein multidisziplinärer Ansatz mit dem Ziel, die Genesung der Patienten nach ihrem bariatrischen Eingriff zu optimieren und zu erleichtern, Schmerzen zu reduzieren sowie die Mobilität zu erhöhen“, so Dr. Raggi. Mehrere Studien konnten zeigen, dass die Anwendung von ERAS zahlreiche Vorteile für die Genesung der Patienten hat, da nicht nur der Krankenhausaufenthalt um 30 Prozent reduziert werden kann, sondern auch die postoperativen Komplikationen abnehmen. „Dieses Vorgehen wird von einem Team aus verschiedenen Fachgebieten durchgeführt: Chirurgen, Anästhesisten, Krankenschwestern, Ernährungsberater und Physiotherapeuten, unter anderem mit dem Ziel, den Patienten bestmöglich zu versorgen“.
     
  • Fast track zeichnet sich durch die Einbeziehung der präoperativen Behandlung als postoperativ aus. Das heißt, die Behandlung beginnt schon vor der Operation, indem der Patient auf den geplanten Eingriff speziell vorbereitet wird. Im Rahmen dieses Protokolls erhalten Patienten einen Termin, um Informationen zur Ernährung und eine spezielle Diät zu erhalten, die sie vor der Operation (zwei bis drei Wochen später) einhalten müssen. Anschließend wird ein Termin mit dem Chirurgen vereinbart, um Patienten über den auszuführenden chirurgischen Eingriff zu informieren und die Abläufe zu besprechen. Nach der Operation beginnen die Adipositas-Patienten mit einer sofortigen postoperativen Mobilisierung schon im Aufwachraum. Auch trinken kann der Patient sofort“, erläutert Dr. Raggi. Das Fast track-Konzept trägt dazu bei, den Krankenhausaufenthalt zu reduzieren, postoperative Nebenwirkungen wie etwa Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Darmträgheit und vieles mehr sowie den Bedarf an Opioid-Medikamenten zu verringern. Zudem kann so die Aufnahme von Flüssigkeiten und Nahrungsmitteln beschleunigt werden.

All diese Konzepte sind dafür da, um den Patienten besser und schneller nach Hause zu bringen.

 

Kontakt

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Dr. Matthias Raggi

Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Karl-Olga-Krankenhaus

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