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Häufig diskutiert, oft operiert Der Leistenbruch

Gemessen an der Zahl der Eingriffe ist der Leistenbruch (Leistenhernie) die in den westlichen Ländern am häufigsten durchgeführte Operation in der Allgemeinchirurgie. Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen, Raucher, besonders schlanke Patienten und Menschen mit einer angeborenen Bindegewebsschwäche. Männer sind dabei etwa fünfmal häufiger betroffen als Frauen. Ein direkter Zusammenhang mit übermäßiger körperlicher Betätigung konnte nicht nachgewiesen werden. Bartosz Kozlowski, Leitender Arzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Sana-Krankenhaus Hürth, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was bricht denn nun in der Leiste?

Der Begriff „Bruch“ ist leicht irreführend. Es handelt sich bei einer Leistenhernie eher um einen Durchbruch. Der muskuläre und teils sehnige Aufbau der Bauchdecke weicht an besonders gefährdeten Stellen, am häufigsten im Bereich des Leistenbandes, auseinander und es entstehen Lücken in den tragenden Bauchdeckenschichten. Entsteht Druck im Bauchraum, etwa beim Husten oder Niesen, so wölbt sich Bauchinhalt wie der Darm durch die Lücke hindurch und bildet eine tastbare Verhärtung unter der Haut.

Wie wird die Diagnose gesichert?

Als sichere Diagnose gilt für den Arzt die tastbare Verhärtung unter der Haut, die sich noch gut wegdrücken lässt. Abhängig von Größe und genauer Lokalisation ist der Befund mittels eines Ultraschalls und, in seltenen Fällen, eines Magnet Resonanz Tomographen ( MRT) zu suchen und sichern.

Wie macht sich der Leistenbruch bemerkbar?

Bei einer entsprechend großen Lücke besteht unter Umständen dauerhaft eine Vorwölbung, die durch den Patienten selbsttätig wegzudrücken ist. Bei kleinen Brüchen sind es häufig über den Tag zunehmende, teils ziehende Schmerzen der betroffenen Leistenregion, die durch Anwinkeln des Beines zunehmen. Besteht der Bruchinhalt aus Darmschlingen, so gesellen sich Verdauungsprobleme bis hin zum Erbrechen hinzu. Ist die Vorwölbung nicht mehr wegzudrücken, so spricht man von einer Einklemmung (Inkarzeration). Hier muss operiert werden, weil der eingeklemmte Darm unterzugehen droht.

Wie wird er behandelt?

Unterschieden wird zwischen offenen und geschlossenen (endoskopischen) Verfahren. Die offenen Verfahren bedienen sich eines Schnittes in der Leiste, wodurch nach einer Naht der bestehenden Lücke ein grobporiges Netz aufgelegt und mit Nähten fest gemacht wird. Die endoskopischen Verfahren gehen durch meist drei kleine Öffnungen in den Bauch hinein, eröffnen das Bauchfell und legen dort ein Netz auf. Die heutigen Verfahren bieten eine hohe Sicherheit und Festigkeit. Eine Wahrscheinlichkeit des Wiederkehrens liegt über alle Verfahren hinweg bei ca. einem Prozent.

Wie geht es weiter?

Die netzgestützten Verfahren, unabhängig ob offen oder endoskopisch, erlauben eine rasche Wiederkehr ins normale Leben. Nach einer körperlichen Schonung von etwa zwei Wochen sind ein schneller Belastungsaufbau bis hin zu Leistungssportarten möglich.

Kontakt

Bartosz Kozlowski

Bartosz Kozlowski

Leitender Arzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Sana-Krankenhaus Hürth

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