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Das Problem mit der BeuleHernien

Sie sind Grund für rund 350.000 Operationen jährlich allein in Deutschland, sie sind bei (Klein-)Kindern oftmals angeboren, sie nehmen bei Erwachsenen mit steigendem Lebensalter zu und sie betreffen Männer deutlich häufiger als Frauen – die Rede ist von einer sogenannten Hernie, einer Lücke in der Bauchwand, landläufig bekannt als Eingeweidebruch. Durch diese Lücke (auch Bruchpforte), können Eingeweide aus der Bauchhöhle nach außen hervortreten, und ein Bruchsack entsteht. Welche Arten von Hernien es gibt und wie diese am besten behandelt werden können, erklärt Jan Schöche, Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, MIC- und Gefäßchirurgie an den Sana Kliniken Leipziger Land in Borna.

Eine Hernie – was ist das eigentlich?

Eine Hernie ist ein Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle. Das hört sich jetzt sehr dramatisch an, da der Bruch im Inneren aber nur nach außen gestülpt wird und von Haut- und Gewebeschichten umschlossen ist, ist eine Hernie nicht unbedingt ein akuter Notfall, sollte aber behandelt werden. Es gibt viele verschiedene Arten von Hernien: Leistenhernien – auch als Leistenbruch bekannt  – Bauchwandhernien, Zwerchfellhernien, Narbenhernien, oder auch Nabelhernien. Vielleicht ist Ihnen beim Baden schon mal ein ungewöhnlich geformter Nabel aufgefallen, da haben Sie eventuell eine Bauchhernie gesehen.

Was können denn Ursachen für eine Lücke in der Bauchwand sein?

Die Ursache ist normalerweise schwaches Bindegewebe. Begünstigt wird ein Bruch der Bauchwand zudem durch Übergewicht, zurückliegende OPs und deren Narben, Bauchwasser, Verstopfungen oder auch chronische Atemwegserkrankungenwie zum Beispiel COPD. Und natürlich wird das Bindegewebe mit zunehmendem Alter schwächer.

Wie bemerke ich eine Hernie?

Eine Hernie ist meist gut sichtbar, vor allem dann, wenn bei Belastung, wie etwa Pressen oder Husten, Eingeweide durch die Lücke der Bauchwand nach außen treten. Dann wird eine Art Beule, der Bruchsack sichtbar. Zumeist ist das gar nicht so schmerzhaft. Natürlich können Hernien auch deutlich spürbare Schmerzen verursachen, das kann ganz unabhängig von der Herniengröße sein. Soll heißen, die kleinen Hernien machen oft größere Beschwerden.

Können Hernien auch gefährlich werden?

Gefahr besteht immer dann, wenn ausgetretene Eingeweide nicht wieder in die Bauchhöhle zurückfallen, sondern im Bruchsack, also außerhalb der Bauchhöhle eingeklemmt werden. Teile des Darms oder anderer Strukturen und Organe des Bauchraumes können abgeschnürt werden und im allerschlimmsten Fall absterben. Deshalb sollte, wenn durch eine genaue Untersuchung der Hernie die Notwendigkeit einer Operation festgestellt wurde, der Eingriff nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Die meisten Menschen kennen sicherlich die Leistenhernie, den Leistenbruch. Gibt es weitere Brüche der Bauchwand?

Die Leistenhernie ist die mit Abstand häufigste Form einer Hernie, weitere häufiger auftretende Hernien sind der Nabelbruch, die Hernie in der Mittellinie des Oberbauches, der Narbenbruch, die Zwerchfell- und Schenkelhernie. Hinzu kommen circa 15 weitere, aber eher selten auftretende Hernien.

Muss bei einer Hernie stets operiert werden oder gibt es Alternativen?

In aller Regel müssen Hernien chirurgisch versorgt werden, denn Bauchdeckenbandagen können bei größeren Bauchwandbrüchen die Bauchdecke unterstützen – den Bruch aber natürlich nicht heilen. Sogenannte Bruchbänder schaden eher und gehören mittlerweile eigentlich in das Museum. Zwar lassen nicht alle Menschen ihren Nabel- oder Leistenbruch direkt nach Diagnosestellung operieren und leben eine Weile mit diesen Bruchstellen – aber über kurz oder lang wird eine OP notwendig, nicht zuletzt, weil Hernien im Langzeitverlauf an Größe zunehmen können.

Wie operieren Sie?

Abhängig von der Größe des Bruchs und vom Gesundheitszustand der Patienten operieren wir offen oder minimalinvasiv. Das hängt auch von persönlichen Erfordernissen des Patienten, seinen Vorerkrankungen und der Art des Bruches ab. Unser Ziel ist es, mit einer für den Patienten passenden Operationsmethode, die ursprüngliche Belastbarkeit des Gewebes wiederherzustellen und die Bruchpforte spannungsfrei zu verschließen. Wenn die körpereigenen Nachbargewebe für eine Nahtversorgung keine ausreichende Stabilität mehr aufweisen, setzen wir künstliche Netzmaterialien ein.

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Jan Schöche

Jan Schöche

Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, MIC- und Gefäßchirurgie, Sana Kliniken Leipziger Land in Borna

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