Medizinische Schwerpunkte

Erkrankungen

Harnröhrenenge/Harnröhrenverschluss

Eine Harnröhrenenge (Harnröhrenstriktur) ist eine Einengung des Harnröhrendurchmessers mit unterschiedlicher Ausprägung. Sie kann auf der gesamten Strecke der Harnröhre – von der Harnröhrenöffnung an der Eichel bis zur Blase – auftreten. Auch bei Frauen kann (sehr selten) eine Harnröhrenenge entstehen. Selten ist diese Erkrankung angeboren, in den meisten Fällen entwickelt sie sich erst im Laufe des Lebens aus verschiedenen Gründen. Mögliche Ursachen sind Infektionen, eine Verletzung des Penis oder des Beckenrings (z.B. bei Verkehrsunfällen), endoskopische Eingriffe oder lang einliegende Blasenkatheter. Ebenso kann nach einer operativen oder strahlentherapeutischen Behandlung eines Prostatatumors eine Harnröhrenenge auftreten.

Symptome der Harnröhrenenge
Bei einer Harnröhrenenge leidet der Patient aufgrund des Abflusshindernisses unter einem schwachen Harnstrahl, einem erschwerten Start des Wasserlassens und einem Nachtröpfeln. Es verbleibt Resturin in der Blase nach dem Toilettengang. Diese Menge kann so groß werden, dass zuletzt gar kein Urinieren mehr möglich ist. Man spricht dann von einem Harnverhalt, der notfallmäßig durch Einlage eines Blasen- oder Bauchdeckenkatheters behandelt werden muss. Durch den Resturin in der Blase kann es durch Keimbesiedlung zu vermehrten Infektionen, z.B. der Blase, der Prostata und der Nebenhoden, kommen.

Diagnostik der Harnröhrenenge
Bei Verdacht auf eine Harnröhrenenge ist zuerst eine Harnstrahlmessung (Messung des Urinflusses über die Zeit) und ein Ultraschall zur Bestimmung des Resturins sinnvoll. Erhärtet sich der Verdacht, führt der Urologe eine Blasenspiegelung oder eine spezielle Röntgenaufnahme durch, die Penis und Blase einschließt. Hierbei wird entweder Kontrastmittel über die Öffnung an der Eichel in die Harnröhre (retrograde Urethrografie) oder mit einem Katheter in die Blase gegeben (MCU). Hiernach versucht der Patient während der Röntgenaufnahme Wasser zu lassen. Dieses Verfahren dient zur Bestimmung der Länge, Lokalisation und Anzahl der Harnröhrenengen.

Behandlungsoptionen bei Harnröhrenenge
Je nach Ergebnis kommen unterschiedliche operative Verfahren in Frage:
Harnröhrenengen können z. B. durch eine innere Harnröhrenschlitzung endoskopisch erweitert werden (Urethrotomia interna). Sollte erneut eine Harnröhrenenge auftreten, kann die verengte Stelle entfernt und die Enden neu vernäht werden (End-zu-End-Anastomose). Komplexere Verfahren stellen Harnröhrenplastiken dar, die z.B. bei langstreckigen Engen oder wiederkehrenden Engstellen angewendet werden. Dabei wird das verengte Stück der Harnröhre zum Teil oder vollständig mithilfe von anderem Gewebe, i.d.R. Mundschleimhaut, ersetzt.

Behandlungsoptionen bei Komplettverschluss
Die Wiedereröffnung einer komplett verschlossenen Harnröhre erfordert je nach Lage und Länge des Verschlusses eine sehr hohe Expertise und ein oft komplexes Vorgehen mit gleichzeitigem Einsatz von starren und flexiblen Endoskopen, Röntgen, selten auch offenem Schnitt oder Laserverfahren.

Deutschlandweites Kompetenzzentrum für Harnröhrenengen
Die Klinik für Urologie Hof führt jährlich mehr als 400 Harnröhrenoperationen durch und ist damit eines der beiden großen Kompetenzzentren für Harnröhrenengen in Deutschland.

Gutartige Prostatavergrößerung

Das benigne Prostatasyndrom, landläufig bekannt als gutartige Prostatavergrößerung oder benigne Prostatahyperplasie (BPH), ist eine häufige Erkrankung bei Männern in der zweiten Lebenshälfte. Diese nicht-krebsartige Vergrößerung der Prostata kann erhebliche Beschwerden und Beeinträchtigungen im Alltagsleben verursachen. Die Prostata, ein kastaniengroßes Drüsenorgan, das unterhalb der Blase die männliche Harnröhre umgibt, spielt eine wesentliche Rolle bei der Produktion von Samenflüssigkeit. Mit zunehmendem Alter kann die Prostata an Größe zunehmen, was zu Symptomen wie erschwertem und häufigem Wasserlassen und nächtlichem Harndrang führen kann. Allerdings kann vermehrter nächtlicher Harndrang auch andere Ursachen haben, beispielsweise Herzerkrankungen.

Symptome des benignen Prostatasyndroms
Die Symptome des BPS können je nach Grad der Vergrößerung und Einengung der Harnröhre durch die Prostata unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen zählen ein schwacher Harnstrahl, Schwierigkeiten beim Beginn des Wasserlassens, das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung, häufiges Wasserlassen, insbesondere in der Nacht, und teilweise auch Harninkontinenz. In fortgeschrittenen Fällen kann die BPH zu ernsteren Komplikationen wie wiederholten Harnwegsinfektionen, Blasensteinen oder Nierenschäden führen. Die Veränderungen sind dabei häufig schleichend.

Diagnose und Untersuchungsmethoden
Die Untersuchung dieser Form der Prostatavergrößerung beginnt typischerweise mit einer Anamnese, also der Befragung der Vorgeschichte, und einer körperlichen Untersuchung, einschließlich einer Tastuntersuchung vom After, bei der die Größe und die Beschaffenheit der Prostata beurteilt werden. Zusätzliche diagnostische Tests sind Urinanalysen, Blutuntersuchungen zur Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) und der Nierenwerte, Harnstrahlmessung und Ultraschall von Prostata, Blase und Nieren. Dazu zählt auch die Ultraschalluntersuchung der Prostata mit einer Sonde, die in den After eingeführt wird. Diese Tests helfen nicht nur bei der Diagnose der BPH, sondern auch beim Ausschluss anderer möglicher Ursachen der Symptome, wie Prostataentzündungen oder -krebs. Weitere Information über den Schweregrad ergibt die Befragung des Patienten mithilfe eines standardisierten Fragebogens, dem IPSS-Fragebogen.

Behandlungsmöglichkeiten des BPS
Die Behandlung des BPS hängt vom Schweregrad der Symptome und von den Wünschen des Patienten ab. Wenn kaum Beschwerden und keine wesentlichen Befunde vorliegen, muss die gutartige Prostatavergrößerung in der Regel nicht behandelt werden. Leichtere Fälle können oft durch Lebensstiländerungen und Medikamente behandelt werden. Diese Medikamente umfassen Alpha-Blocker, die die Muskeln der Harnröhre in der Prostata entspannen und damit ein verbessertes Wasserlassen erlauben, und 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, die dazu beitragen, die Größe der Prostata zu reduzieren. Beide Medikamententypen können dabei helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Auch können pflanzliche Medikamente versucht werden.

Operative und instrumentelle Verfahren
Für Männer mit moderaten bis schweren Symptomen oder bei denen, bei denen Medikamente nicht genügend wirksam sind, können operative oder instrumentelle Verfahren in Betracht gezogen werden.

Ziel dieser Verfahren ist es, das Prostatagewebe der Innendrüse zu entfernen oder die Prostata zu verkleinern um den Harnfluss zu verbessern. Hierzu kommen in unserer Klinik die TURP, die HoLEP-EPS oder die Greenlight-Laservaporisation zur Anwendung. Ein weiteres hier angewendetes Verfahren (die PAE) verschließt die Blutgefäße der Prostata und führet zu einer Schrumpfung der Drüse. Die Wahl des individuell besten Verfahrens ist abhängig von der Größe der Prostata und den spezifischen Gesundheitsbedingungen sowie Wünschen des Patienten.

Wir beraten Sie hier gerne individuell.

Blasenhalsenge/Blasenhalsverschluss

Die Blasenhalsstenose ist eine Verengung des Blasenhalses, die hauptsächlich Männer, aber auch Frauen betrifft. Der Blasenhals ist der Übergangsbereich der Blase zur Harnröhre, in dem der innere Schließmuskel liegt. Beim Mann schließt der Blasenhals an die prostatische Harnröhre an, die von der Prostata umgeben ist. Direkt unterhalb liegt der äußere Schließmuskel, und von dort aus verläuft die Harnröhre durch den Penis bis zur äußeren Harnröhrenmündung. Bei der Frau geht der Blasenhals direkt in die kurze Harnröhre über, die vom äußeren Schließmuskel umgeben ist. Eine Blasenhalsenge kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen, da sie Schwierigkeiten beim Urinieren verursacht.

Symptome der Blasenhalsstenose
Eine Blasenhalsstenose zeigt sich durch Probleme beim Start des Wasserlassens, einen abgeschwächten oder unterbrochenen Urinstrahl, das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung und häufiges Urinieren, auch in der Nacht. In schweren Fällen kann es zu einem Harnverhalt kommen, bei dem sich die Blase nicht entleeren kann, was eine sofortige medizinische Behandlung erforderlich macht.

Ursachen einer Blasenhalsstenose
Die Ursachen für eine Blasenhalsstenose sind vielfältig. Sie kann durch Narbenbildung nach Operationen, Verletzungen, Infektionen oder durch angeborene Anomalien entstehen. Bei Männern kann sie im Zusammenhang mit einer Prostatavergrößerung auftreten. Bei Frauen sind unter anderem vorangegangene operative Eingriffe im Beckenbereich mögliche Ursachen. Auch Strahlentherapie bei Krebsbehandlungen kann zu einer Blasenhalsverengung führen. Häufig wird eine Engstelle auch durch Verkrampfungen des inneren Schließmuskels hervorgerufen.

Diagnostik der Blasenhalsstenose
Die Diagnose einer Blasenhalsstenose erfolgt durch eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung, ergänzt durch spezialisierte diagnostische Verfahren. Eine Schlüsselrolle spielt die Uroflowmetrie (Harnstrahlmessung), bei der die Stärke und das Muster des Urinstrahls gemessen werden. Eine ergänzende Blasenspiegelung (Zystoskopie) ermöglicht die direkte Betrachtung des Blasenhalses und der Blase und sichert in der Regel die Diagnose.

Behandlungsmöglichkeiten der Blasenhalsstenose
Die Behandlung der Blasenhalsstenose ist individuell und richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. In einigen Fällen, besonders bei Verkrampfungen des inneren Schließmuskels, können Medikamente, die die Muskulatur des Blasenhalses entspannen, Linderung verschaffen. Bei höhergradigen oder narbigen Verengungen kann eine Blasenhalsinzision erforderlich sein, die wir i.d.R. mit dem Tm-Laser (TFL) durchführen. Dies gewährleistet eine nahezu blutungsfreie Operation. Meist genügt es, den engen Ring so einzuschneiden, dass er aufspringt. In manchen Fällen ist es notwendig, zusätzlich Gewebe mit dem Laser abzutragen. Nach einem solchen Eingriff ist der Urinabfluss wieder frei.

Blasenhalsverschluss
In Folge von Voroperationen u/o Traumata kann es vorkommen, dass der Blasenhals komplett verschlossen ist. Nicht selten auch in Zusammenhang mit einer Harnröhrenenge oder einem Harnröhrenverschluss. Die Wiedereröffnung eines komplett verschlossenen Blasenhalses erfordert je nach Situation eine sehr hohe Expertise und ein oft komplexes Vorgehen mit ggf. gleichzeitigem Einsatz von starren und flexiblen Endoskopen, Röntgen und i.d.R. dem Einsatz des Tm-Lasers (TFL).

Weiteres Vorgehen nach Blasenhalseröffnung
Das Team der Urologie Hof verfügt mit dem CELU, aber vor allem auch durch die langjährige Expertise im Bereich der Perineal- und Harnröhrenchirurgie sowie Robotik über eine große Vielfalt an weiteren Behandlungsmöglichkeiten. Sollte aufgrund von während der OP festgestellten starken Vernarbungen ein Wiederauftreten der Enge/ des Verschlusses wahrscheinlich sein, werden wir sie eingehend über das weitere Vorgehen beraten.

Harnsteine

In den vergangenen Jahren ist die Häufigkeit von Harnsteinerkrankungen in den westlich geprägten Industrienationen deutlich angestiegen. Besonders in Deutschland zeigt sich ein alarmierender Trend: Die Anzahl der Neuerkrankungen hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre verdreifacht. Heute ist fast jeder 20. Deutsche mindestens einmal im Leben betroffen – teils sogar mehrfach. Jährlich benötigen etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland eine Behandlung wegen Harnsteinen.

Harnsteine können sich im gesamten Harntrakt bilden. Je nach Lage spricht man von Nierensteinen, Harnleitersteinen oder Blasensteinen. Während Blasensteine häufig durch Probleme bei der Blasenentleerung entstehen, werden Nieren- und Harnleitersteine oft durch ungünstige Ernährungsgewohnheiten, genetische Veranlagung oder Stoffwechselstörungen ausgelöst.

Ein wesentlicher Grund für die steigende Zahl von Harnsteinerkrankungen in den westlichen Industrieländern ist die zunehmende Übergewichtigkeit der Bevölkerung. Übergewicht geht häufig mit weiteren gesundheitlichen Problemen einher, wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen – zusammen bekannt als metabolisches Syndrom.

Typische Beschwerden bei Harnsteinen
Nierensteine verursachen anfangs meist keine Beschwerden. Selbst größere Steine, sogenannte Ausgusssteine, bleiben oft unbemerkt. Sobald jedoch ein Stein oder ein Bruchstück aus dem Nierenbecken in den engeren Harnleiter gelangt, treten meist starke Schmerzen durch eine Harnabflussstörung auf. Diese Harnstauung verursacht die charakteristischen Nierenkoliken.

Beim Besuch beim Urologen wird nach einer ersten Schmerzbehandlung mittels Ultraschall- und Röntgenuntersuchung und ggf. Computertomografie die Größe und Lage des Steins festgestellt. Auf Basis dieser Diagnose bespricht der Urologe die möglichen Therapieoptionen – von abwartendem Beobachten bis hin zu operativen Eingriffen.

Was sind Harnsteine genau?
Harnsteine sind Kristallablagerungen, die sich in den Nieren bilden. Am häufigsten bestehen sie aus Kalziumoxalat, welches etwa 70 % aller Harnsteine ausmacht. Weitere Bestandteile können sein: Harnsäure, Kalziumphosphat, Magnesium-Ammonium-Phosphat oder selten Cystin.

Wie entstehen Harnsteine?

Die Entstehung von Harnsteinen kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden, wie z. B.:

  • Falsche Ernährung und Übergewicht
  • Zu geringe Flüssigkeitszufuhr, insbesondere bei hoher Temperatur oder körperlicher Anstrengung
  • Harnwegsinfektionen
  • Stoffwechselstörungen, etwa eine Überfunktion der Nebenschilddrüse
  • Abflussbehinderungen oder anatomische Besonderheiten im Harntrakt (z. B. Verengungen des Nierenbeckens)
  • Genetische Stoffwechselerkrankungen wie Zystinurie
  • Allgemeine Veranlagung

Symptome eines Harnsteinleidens
Seine, die in der Niere liegen, bleiben oft unbemerkt oder verursachen nur diffuse Beschwerden wie ein leichtes Ziehen in der Flanke.

Bei Harnleitersteinen, die aus der Niere in den Harnleiter abgegangen sind, treten dagegen typischerweise starke Koliken auf. Diese äußern sich als plötzlich einsetzende, sehr starke Schmerzen, die intervallartig kommen und gehen. Je nach Lage des Steins können die Schmerzen in der Flanke, der Leiste, dem Unterbauch oder im Bereich des Hodens bzw. der Schamlippen auftreten. Häufig besteht auch ein verstärkter Harndrang.

Zusätzlich kann der Urin durch Blutbeimengungen eine rötliche Färbung aufweisen. Liegt eine begleitende Harnwegsinfektion vor, treten oft Brennen beim Wasserlassen oder sogar Fieber auf.

Untersuchung zur Diagnose von Harnsteinen
Der erste Schritt zur Diagnose ist die Anamnese. Der Urologe fragt nach der Krankheitsgeschichte, inklusive der Familiengeschichte, da Harnsteine auch vererbt werden können. Ernährungsgewohnheiten und Lebensumstände liefern ebenfalls wichtige Hinweise.

Nach der Anamnese folgt die körperliche Untersuchung. Ein Druckschmerz in der Flanke kann auf einen Harnstau hinweisen. Zudem wird der Urin untersucht, häufig finden sich rote Blutkörperchen. Im Blut werden Werte wie Harnsäure, Kalzium und Kreatinin überprüft.

Bildgebende Untersuchungen
Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) liefert Hinweise auf die Lage der Steine und mögliche Harnabflussstörungen. In der Regel erfolgt dann eine Computertomographie zunächst ohne Kontrastmittel (Nativ-CT), die eine genaue Beurteilung der Steine erlaubt. In manchen Fällen sind auch Untersuchungen mit Kontrastmittel (Röntgen oder CT) nötig.

Können Harnsteine von selbst abgehen?
In etwa 80 % der Fälle scheiden sich Harnsteine auf natürlichem Weg über die ableitenden Harnwege aus, wenn sie klein (bis etwa 5mm) sind. Mit krampf- und schmerzlösenden Medikamenten kann dieser Prozess unterstützt werden. Bleibt ein Stein jedoch stecken, wird der Urologe eine weitere Behandlung einleiten, um Komplikationen zu vermeiden.

Notfall: Schwere Kolik
Eine akute Nierenkolik ist ein medizinischer Notfall und erfordert sofortige Behandlung. Zunächst wird eine Schmerztherapie durchgeführt. Im Anschluss folgen weiterführende Untersuchungen, um die bestmögliche Therapie individuell festzulegen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Harnsteinen
Folgende Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung

  • Medikamentöse Unterstützung und Flüssigkeitszufuhr:
    Mit einer ausreichenden Trinkmenge und medikamentöser Unterstützung können Harnsteine häufig spontan ausgeschieden werden. Körperliche Bewegung kann den Prozess zusätzlich fördern.
  • Chemolitholyse – Auflösen der Harnsteine durch Medikamente:
    Diese Methode ist besonders bei Harnsäuresteinen erfolgreich. Die medikamentöse Litholyse eignet sich jedoch nicht für alle Steinzusammensetzungen.
  • Extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL):
    Mit fokussierten Energiewellen werden die Harnsteine von außen zertrümmert. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant und ohne Narkose. Sowohl Nierensteine als auch Harnleitersteine können auf diese Weise behandelt werden.
    Größere Steine können jedoch nach der Zertrümmerung den Harnleiter blockieren und Koliken verursachen, wodurch unter Umständen weitere Maßnahmen wie die Anlage einer Harnleiterschiene oder eine Ureterorenoskopie (URS) notwendig werden. In seltenen Fällen treten größere Blutergüsse im Bereich der Nieren auf.
  • Anlage einer Harnleiterschiene:
    Verlegt ein Harnleiterstein den Harnleiter vollständig, sodass kein Urinabfluss mehr möglich ist, kann eine Harnleiterschiene erforderlich werden. Diese besteht aus einem dünnen Kunststoffschlauch, der im Rahmen einer Blasenspiegelung in die Niere eingeführt wird. Ziel ist es, die Nierenfunktion zu schützen und die durch den Stein verursachte Engstelle zu überbrücken. Dies dient gleichzeitig der Erweiterung des Harnleiters als Vorbereitung einer URS.
  • Perkutane Nephrolitholapaxie (PNL):
    Über die Körperaußenseite wird ein dünner Kanal mithilfe einer Punktionsnadel bis zur Niere angelegt. Durch diesen Kanal wird ein optisches Instrument eingeführt, mit dem der Urologe größere Nierensteine zerkleinern und entfernen kann.
    Diese Methode wird bevorzugt bei größeren Nierensteinen angewendet, da sie eine schnelle und vollständige Entfernung ermöglicht. Nachteilig ist jedoch eine erhöhte Blutungsneigung sowie das Risiko der Verletzung benachbarter Organe. Harnleitersteine können mit der PNL nicht behandelt werden.
  • Ureterorenoskopie (URS):
    Ein Endoskop wird durch die Harnröhre in den Harnleiter bis ins Nierenbecken eingeführt. Mit dieser Methode können Steine aus dem Harnleiter oder Nierenbecken entfernt werden. Größere Steine lassen sich zuvor mit einem Laser zerkleinern.
    Die URS ermöglicht eine schnelle und vollständige Entfernung von Harnleitersteinen sowie kleineren Nierensteinen. Bei sehr großen Steinen ist jedoch die PNL das bevorzugte Verfahren. Zu den Risiken zählen mögliche Verletzungen des Harnleiters durch das Instrument oder narbige Verengungen der Harnwege. Nach der Behandlung wird häufig eine Harnleiterschiene eingelegt.

Individuelle Therapieplanung
Die Wahl der Behandlung hängt von der Lokalisation, der chemischen Zusammensetzung sowie dem Ausmaß des Steinleidens ab. Wir werden sie hier ausführlich beraten und die Therapie gemeinsam mit ihnen festlegen.

Vorbeugung gegen Harnsteine
Ohne eine geeignete Nachsorge erleiden etwa 50 % der Harnstein-Patienten mindestens ein Steinrezidiv, also eine erneute Steinbildung. Bei bis zu 25 % der Betroffenen treten sogar drei oder mehr Rückfälle auf.

Trink- und Ernährungsanpassungen
Eine signifikante Senkung des Risikos erneuter Harnsteine kann durch die Anpassung von Trink- und Ernährungsgewohnheiten erreicht werden. Wichtig ist, dass die Urinproduktion mindestens zwei Liter pro Tag beträgt.

Empfehlungen zur Prävention:

  • Ausreichend trinken, idealerweise 2–3 Liter Wasser pro Tag.
  • Eine ausgewogene Ernährung befolgen, Übergewicht reduzieren und sich regelmäßig körperlich betätigen.

Nach der Entfernung von Harnsteinen sollte eine Harnsteinanalyse durchgeführt werden. Die chemische Zusammensetzung der Steine liefert wichtige Informationen für eine gezielte Prävention.

Die häufigsten Steinzusammensetzungen

  • Kalziumoxalat-Steine (70–75 %):
    Die häufigste Art von Harnsteinen entsteht durch eine Vielzahl von Faktoren, weshalb die Entstehung als multifaktoriell gilt.
    Prävention: Eine Reduktion oxalatreicher Lebensmittel wie Rhabarber, schwarzer Tee, Spinat, Kakao und Nüsse wird empfohlen.
  • Harnsäure-Steine (ca. 10 %):
    Die Bildung dieser Steine wird durch eine purin- und proteinreiche Ernährung gefördert, die den Harn ansäuert. Harnsäure ist ein Endprodukt des Purinstoffwechsels und wird über die Nieren ausgeschieden.
    Prävention: Gewichtsreduktion, eine Ernährungsumstellung mit weniger rotem Fleisch und die Alkalisierung des Urins durch Medikamente können das Risiko deutlich senken.
  • Infekt-Steine:
    Diese Steine entstehen bei Harnwegsinfekten und waren früher oft die Ursache für große Ausgusssteine. Durch Frühdiagnostik und Antibiotika sind Infekt-Steine heute deutlich seltener.
    Prävention: Eine vollständige Steinentfernung und konsequente Infektprophylaxe sind entscheidend.
  • Zystin-Steine:
    Zystinsteine entstehen aufgrund der Zystinurie, einer genetischen Stoffwechselerkrankung. Ohne Behandlung kann diese zu einem Nierenversagen und Dialysepflicht führen. Sehr wichtig ist daher eine engmaschige urologische Betreuung. Hierbei werden zur Therapiekontrolle regelmäßige Untersuchungen eines 24h Sammelurin durchgeführt.
    Prävention: Betroffene sollten eine Trinkmenge von 4–7 Litern täglich einhalten und tierisches Eiweiß reduzieren. Oft ist zusätzlich eine medikamentöse Therapie notwendig.
Harnleiterengen

Eine Harnleiterenge (Ureterstriktur) ist eine Verengung des Harnleiters, die den Urinabfluss behindert, Nierenschäden verursachen kann und meist operativ behandelt wird. Ursachen sind oft Narben, Tumoren oder Steine. Symptome sind Flankenschmerzen, Fieber oder Harnwegsinfekte, oft verläuft sie asymptomatisch.

Wichtige Aspekte der Harnleiterenge

  • Diagnose: In der Regel durch bildgebende Verfahren: Ultraschall, CT-Abdomen, Nierenfunktionsszintigramm oder eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel. Oft ist auch eine Kombination aus diesen Methoden oder sogar eine direkte Spiegelung (URS) nötig.
  • Akutmaßnahme: Einlegen einer inneren Harnleiterschiene (JJ) oder einer Nephrostomie (Nierenfistel) zur Entlastung der Niere.
  • Definitive Behandlung: Je nach Grundsituation und Lage der Enge sind verschiedene Verfahren nötig. Während Steine i.d.R. relativ einfach entfernt werden können (s. URS), sind bei anderen Ursachen oft aufwändigere robotische oder sogar offene Rekonstruktionen nötig, nachdem die Grundursache behoben ist. In einigen Fällen ist jedoch die Dauerbehandlung mit JJ oder Nierenfistel die einzig sinnvolle Lösung.
  • Folgen unbehandelter Engen: Dauerhafte Schädigung der Nierenfunktion, Nierenbeckenentzündungen, Steinbildung
Tumorerkrankungen der Harnwege

Harnröhrentumore

Ein Harnröhrentumor ist eine seltene, meist bösartige Neubildung (Karzinom) der Harnröhre, die häufiger bei Frauen als bei Männern auftritt. Typische Symptome sind Blut im Urin (Hämaturie), Schmerzen beim Wasserlassen, ein geschwächter Harnstrahl oder Ausfluss.

Diagnostik
Die Diagnosesicherung erfolgt meist über eine Urethroskopie (Harnröhrenspiegelung) kombiniert mit bildgebenden Verfahren (Ultraschall, CT, MRT, Röntgen).

Behandlung
Um Gewebeproben des Tumors zu erhalten, wird dieser – je nach Größe und Ausdehnung – mittels elektrischer Schlinge oder unter Einsatz des Tm-Lasers so weit wie möglich entfernt (Transurethrale Tumorresektion oder Tm-Laserexcision in der Harnröhre).

Die weitere Behandlung (weitere Operationen/ Strahlentherapie/ Chemotherapie) ist vom Ergebnis der Gewebeuntersuchung und der Bildgebung abhängig.

Prostatakarzinom

Das Prostatakarzinom ist der häufigste bösartige Tumor beim Mann in Deutschland, mit rund 79.600 Neuerkrankungen im Jahr 2023. Es wächst oft langsam und verursacht im Frühstadium selten Symptome, ist aber bei früher Diagnose (Früherkennung mittels PSA-Wert) sehr gut behandelbar. In unserem zertifizierten Prostatakarzinomzentrum sind wir auf die Behandlung dieses Tumors spezialisiert. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf unserer Website.

Endo- und Laserurologie beim Prostatakarzinom
Die Endo- und Laserurologie kann einen Prostatakrebs nicht heilen. Es gibt jedoch viele Fälle, in denen der Patient aufgrund eines bereits weit fortgeschrittenen Tumors nicht mehr Wasser lassen kann. Vor allem bei sehr großen Drüsen über 80g, einem sehr hohen PSA-Wert und der Einnahme von Blutverdünnern stoßen konventionelle Methoden wie die TURP an ihre Grenzen. Analog zur Leitlinie für die BPH ist hier die Laserenukleation Methode der Wahl.

Diese wird bei der genannten Konstellation jedoch nur in sehr wenigen Kliniken weltweit angeboten.

Die Ärzte des CELU führen bereits seit 2012 die palliative Thulium-Laser Vapoenukleation der Prostata (pall. ThuVEP) bei weit fortgeschrittenem Prostatakrebs durch.

Auch zur Vorbereitung einer Strahlentherapie für Patienten, die für eine Radikaloperation der Prostata nicht in Frage kommen oder diese ablehnen, ist die pall. ThuVEP eine gute Option zur Verkleinerung des Bestrahlungsvolumens, insbesondere wenn Probleme beim Wasserlassen bestehen.

Blasentumoren

Ein Blasentumor ist ein meist bösartiges Gewebewachstum (Harnblasenkarzinom) in der Blase, das überwiegend durch schmerzloses Blut im Urin auffällt. Jährlich erkranken in Deutschland ca. 17.800 bis 30.000 Menschen, primär im höheren Alter und häufiger Männer. Hauptrisikofaktor ist das Rauchen. Die Behandlung erfolgt operativ (transurethral) und ist bei früher Erkennung gut heilbar. 

Symptome
Das Leitsymptom ist eine oft schmerzlose rötliche Verfärbung des Urins durch Blut (Hämaturie). Weitere Anzeichen können häufiger Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen oder ein tröpfelnder Urin sein.

Ursachen & Risikofaktoren
Der wichtigste vermeidbare Risikofaktor ist Rauchen. Auch Schadstoffe aus der Industrie (aromatische Amine) und chronische Blasenentzündungen erhöhen das Risiko.

Diagnose
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) beim Urologen.

Formen
Man unterscheidet nicht-muskelinvasive (oberflächliche) Tumoren, die gut behandelbar sind, und muskelinvasive Tumoren, die tiefer in die Blasenwand wachsen.

Therapie

  • Oberflächliche Tumoren: Werden endoskopisch durch die Harnröhre entfernt (Transurethrale Resektion, TUR-B), häufig unterstützt durch moderne Floureszenztechnologie (PDD), oft gefolgt von einer Blasenspülung mit Medikamenten.
  • Muskelinvasive Tumoren: Erfordern oft eine radikale Entfernung der Blase (Zystektomie) sowie einen Ersatz derselben (i.d.R. durch eine Ableitung mit Darm).

Prognose
Die Prognose ist bei frühzeitiger Entdeckung gut, jedoch besteht ein hohes Risiko für Rückfälle (Rezidive), weshalb engmaschige Nachsorgeuntersuchungen notwendig sind

Tumore des oberen Harntrakts
(Harnleiter + Nierenbecken)

Tumore des oberen Harntrakts sind seltene, meist bösartige Urothelkarzinome des Nierenbeckens oder Harnleiters, die ca. 5–7 % aller urothelialen Tumoren ausmachen. Hauptsymptom ist oft schmerzloses Blut im Urin (Hämaturie), häufig bei Männern um 70 Jahre. Goldstandard ist die radikale Entfernung (Nephroureterektomie), bei geringem Risiko ist ein organerhaltender, endoskopischer Laser-Eingriff möglich. 

Wichtige Aspekte

  • Definition & Häufigkeit: Urothelkarzinome (Übergangszellkarzinome) des Nierenbeckens und Harnleiters sind selten, aber oft aggressiv. Sie treten vermehrt im Alter auf.
  • Symptome: Hämaturie (Blut im Urin) ist das führende Symptom, gelegentlich Flankenschmerzen durch Harnstau.
  • Risikofaktoren: Zigarettenrauchen ist der Hauptrisikofaktor, gefolgt von chronischem Analgetikagebrauch und bestimmten berufsbedingten Chemikalienexpositionen.
  • Diagnostik: Die CT-Urographie (Computertomographie des Bauches) ist das Mittel der Wahl zur Diagnose. Zusätzlich erfolgen eine Ureterorenoskopie (Spiegelung) und Zytologie (Urinuntersuchung).
  • Therapie:
    • Organerhaltend: Bei Tumoren mit niedrigem Risiko (Low-Risk) wird der Tumor endoskopisch mit dem Laser entfernt.
    • Radikal: Bei hohem Risiko (High-Risk) ist die Entfernung der betroffenen Niere, des Harnleiters und einer Blasenmanschette (Nephroureterektomie) der Standard.
    • Medikamentös: Eine adjuvante Chemotherapie (nach OP) kann das Überleben verbessern, bei Metastasen kommen Chemo- und Immuntherapien zum Einsatz.
  • Rezidivrate: Da der Tumor multifokal auftreten kann, sind regelmäßige, lebenslange Nachsorgeuntersuchungen mittels Blasenspiegelung (Zystoskopie), Harnleiter- und Nierenspiegelung (URS) und Bildgebung (CT) zwingend erforderlich