Borna

Dr. Astrid Dannenmann kennt gute Gründe für die HPV-Impfung »Die einzige Impfung, mit der wir einer Krebserkrankung vorbeugen können«

Seit über zehn Jahren werden Mädchen, und mittlerweile auch Jungen, gegen humane Papillomviren (HPV) geimpft – zum Schutz vor von HP-Viren hervorgerufenen Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs oder Genitalwarzen. Dass sich dieser Aufwand lohnt, davon ist Dr. Astrid Dannenmann überzeugt. Die Gründe dafür nennt die Frauenärztin und Koordinatorin des Gynäkologischen Tumorzentrums am Sana Klinikum Borna im Interview.

Was ist eine HPV-Infektion?
Dannenmann: Humane Papillomaviren (HPV) sind Viren die durch sexuelle Kontakte übertragen werden. Es sind mittlerweile über 200 Subtypen identifiziert worden. Die Viren werden in Niedrig- und Hochrisikotypen unterteilt und können Erkrankungen an den Geschlechtsorganen und im Mundrachen-Bereich auslösen.

Wie gefährlich ist eine HPV-Infektion?
Die Niedrigrisiko-Typen können gutartige Genitalwarzen verursachen. Direkt gefährlich sind diese nicht, die Behandlung ist aber oft sehr langwierig und kann für die Betroffenen durchaus belastend sein. Eine Infektion mit Hochrisiko-Typen kann in über 85 Prozent der Fälle von der körperlichen Immunabwehr bekämpft und somit ausgeheilt werden. In zehn bis 15 Prozent der Fälle persistiert die HPV-Infektion über längere Zeit und kann dann zu Krebsvorstufen führen, beispielsweise am Gebärmutterhals. Bleiben diese unbehandelt kann daraus in etwa 30 Prozent der Fälle eine Krebserkrankungen entstehen. Im Rahmen des Krebsfrüherkennungs-Programms in Deutschland wird beim gynäkologischen Vorsorgetermin jährlich ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals entnommen, welcher Hinweise auf eine Krebsvorstufe geben kann. Seit dem Jahr 2020 wird bei Frauen ab 35 eine Kombinationsuntersuchung aus zytologischem Abstrich und HPV-Test angeboten.
 
Betrifft das viele Menschen?
Nehmen wir mal das Beispiel Gebärmutterhalskrebs: In Deutschland erkranken daran pro Jahr etwa 4.500 Frauen und 1.500 davon sterben jährlich dadurch. Zudem können die notwendigen Krebstherapien, auch bei Heilung, das Risiko einer Frühgeburt erhöhen oder auch zu Unfruchtbarkeit führen. Da auch jüngere Frauen ab 35 Jahren betroffen sind, hat dies weitreichende Folgen für das weitere Leben.

Wie wird geimpft und was genau bewirkt die HPV-Impfung?
Die HPV-Impfung wird – ähnlich wie bei der Grippe – in den Arm gespritzt. Bei den neun- bis 14-jährigen empfehlen wir zwei Impfungen im Abstand von sechs Monaten. Ab dem 15. Lebensjahr müssen wir – ebenfalls über ein halbes Jahr verteilt – dreimal impfen, um den gleichen Impfschutz zu erreichen. Aktuell gibt es in Deutschland zwei Impfstoffe: Der eine schützt vor den neun häufigsten Hochrisiko- und den beiden häufigsten Niedrigrisiko-Typen, der andere vor den beiden häufigsten Hochrisiko-Typen.

Warum sollte man so früh wie möglich impfen?
Da die HPV-Viren durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, sollte die Impfung vor der Aufnahme der ersten sexuellen Kontakte erfolgen um einen optimalen Schutz zu bieten. Kondome können nicht ausreichend vor einer HPV-Infektion schützen, da eine Übertragung bereits durch eine Schmierinfektion möglich ist. Generell gilt: Bis zum 18. Geburtstag wird die HPV-Impfung in jedem Fall von den Krankenkassen erstattet, danach ist es eine individuelle Entscheidung der Kassen.
 
Wie wirksam ist die HPV-Impfung?
Seit Einführung der Impfung sind Infektionen mit bestimmten HP-Virustypen, Genitalwarzen und Krebsvorstufen der Gebärmutter deutlich zurückgegangen, und zwar nicht nur bei geimpften, sondern auch bei nicht geimpften Personen. Die Wirkung der Impfung hält mindestens 14 Jahre an. Vielleicht ist der Impfschutz noch viel länger vorhanden. Das muss die Zeit zeigen, da die Impfung erst seit 14 Jahren verabreicht wird.

Treten Nebenwirkungen auf?
Die Erfahrung zeigt, dass die HPV-Impfung in den allermeisten Fällen sehr gut vertragen wird. Wenn es Nebenwirkungen gibt, werden vor allem zeitweise Kopfschmerzen, Schwindel und Abgeschlagenheit beschrieben. Darüber hinaus besteht ein extrem geringes Risiko, allergisch auf eine Impfung zu reagieren.
 
Raten Sie dennoch zur Impfung?
Unbedingt! Es ist die erste und einzige Impfung, mit der wir einer bösartigen Krebserkrankung vorbeugen können. Das betrifft nicht nur den Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen sondern unter anderem Erkrankungen des äußeren weiblichen Genitales oder auch Anal-, Penis- und seltene HNO-Tumoren. Wir empfehlen die Impfung sowohl den Mädchen als auch unbedingt den Jungen. Wenn wir Kinder impfen, die noch nie mit einem HP-Virus in Kontakt gekommen sind, können Infektionen mit vielen Virenstämmen fast zu 100 Prozent verhindert werden.

 

In unserem Podcast beleuchtet Frau Dr. Dannenmann das Thema »HPV-Impfung« ausführlich und aus verschiedenen Blickwinkeln. Hören Sie doch mal rein!

 

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