Borna

Bei Infarkt-Verdacht: Keine Scheu vor Notruf und Krankenhaus!

Notfallmediziner*innen und Kardiolog*innen warnen eindringlich: Bei Verdacht auf Herzinfarkt oder andere Herznotfälle nicht zögern, sondern sofort den Notruf 112 absetzen und sich in ein Krankenhaus bringen lassen. Denn andernfalls drohen schlimme Konsequenzen: Auch weil sie zu spät oder gar nicht den Notarzt (112) alarmieren, versterben rund 30 Prozent der Herzinfarktpatienten außerhalb der Klinik, weiß Dr. Uwe Müller, stv. Chefarzt und Kardiologe am Sana Klinikum Borna.

Warum ist bei Herznotfällen Eile geboten?
Müller: Ein Herzinfarkt, aber auch andere Herznotfälle wie z. B. Herzinsuffizienz oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen sind keine aufschiebbaren Krankheitsfälle, sondern unterliegen absolut der Notfallversorgung. Dennoch zögern immer noch viele Betroffene davor, den lebensrettenden Notruf 112 abzusetzen, häufig aus Scheu vor dem Rettungswagen vor der eigenen Haustür oder weil die Symptome nicht richtig zugeordnet werden. Dabei ist dieses Zögern die eigentliche Gefahr – denn im Notfall zählt jede Minute.

Hat Corona diese Scheu noch verschlimmert?
Leider ja. Wir beobachten tatsächlich eine besorgniserregende Entwicklung – einige Menschen haben Angst, sich in Krankenhäusern mit Sars-CoV-2 zu infizieren oder nicht behandelt zu werden, und zögern deshalb dringend lebensnotwendige Behandlungen hinaus. Wir sorgen uns sehr, dass die sofort notwendige Behandlung – wir dürfen nicht vergessen, dass bei Infarkten wirklich jede Minute zählt – verspätet oder gar nicht stattfinden kann.

Was ist daran so riskant?
Wird ein Infarkt zu spät behandelt, drohen nicht selten schwere bleibende Folgen, wie eine Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen oder gar der Tod. Das Risiko, sich mit dem neuen Virus anzustecken ist auch im Krankenhaus verschwindend gering gegenüber den körperlichen Einbußen, die eine verzögerte Diagnose und Behandlung nach sich ziehen. 

A propos Symptome: Wie äußert sich ein Herzinfarkt?
Bei Herzschmerzen, Luftnot oder einem Engegefühl im Brustbereich sollten Betroffene oder deren Angehörige umgehend die Notrufnummer 112 wählen, da es sich um einen Herzinfarkt oder eine andere akute Herzerkrankung handeln könnte. Dazu kommen Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit, hartnäckiges Herzstolpern und sog. Synkopen, also kurze Bewusstlosigkeiten oder Schwindelanfälle. Und Vorsicht: Bei Frauen machen sich Herzinfarkte häufiger mit eher unspezifischen Symptomen bemerkbar – z. B. mit starker Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder auch mit Beschwerden im Oberbauch. Insbesondere wenn solche Zeichen in zuvor noch nicht gekannter Heftigkeit auftreten, ist es daher wichtig, auch an einen Herzinfarkt zu denken. 

Was macht Corona mit Herzpatienten?
Jeder dritte Mensch, der wegen einer COVID-19-Erkrankung stationär behandelt werden muss, hat kardiovaskuläre Vorerkrankungen. Diese Situation wird nicht nur in Deutschland beobachtet, sondern stellt sich auch in anderen Ländern ähnlich dar. Dau kommt, dass Corona Herzrhythmusstörungen, Thrombosen, Gefäßentzündungen und Herzinfarkte auslösen kann. Eine Herzerkrankung erhöht damit das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit hohem Sterberisiko auch bei jüngeren COVID-19-Patienten. Umso wichtiger ist es, bei Herzerkrankungen – egal ob akut oder chronisch – sehr vorsichtig zu sein. Gerade bisher nicht geimpfte, herzerkrankte Menschen sollten sich durch die bekannten Maßnahmen wie Reduzierung der Kontakte, Abstand halten, Maske tragen, Händewaschen und regelmäßiges Lüften vor einer Infektion schützen.

Was raten Sie?
Als Kardiologe richte ich einen dringenden Appell an die Menschen in Stadt und Landkreis: Wenn es Ihnen plötzlich sehr schlecht geht oder Sie akute Schmerzen haben. Bitte zögern Sie nicht und wählen Sie den Notruf 112. Nur wenn wir Sie rechtzeitig sehen, können wir Ihnen gut helfen! Sie haben kein erhöhtes Risiko, sich in der Notaufnahme oder unseren Spezial-Stationen anzustecken. Die Versorgung von Menschen mit Herzproblemen erfolgt auf unserer Brustschmerzeinheit, der sog. Chest Pain Unit, in räumlicher Trennung von COVID-19-Patienten.
 

Pressekontakt

Sana Kliniken Leipziger Land
Janet Schütze
Leitung Unternehmenskommunikation Region Sachsen
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