Coburg,
30
März
2026
|
10:23
Europe/Amsterdam

1 Jahr Gefäßmedizin am Sana Klinikum Coburg

Eine erste Bilanz und Ausblick

Zusammenfassung
  • Erfolgreicher Start mit starkem Wachstum: Die Gefäßmedizin am Sana Klinikum Coburg behandelte im ersten Jahr über 1.500 stationäre und etwa 10.000 ambulante Patienten und entwickelte sich zu einer der leistungsstärksten Abteilungen des Klinikums.
  • Bevorstehende Erweiterungen und Tag der offenen Tür: Ab Mai erhält die Abteilung eine eigene Gefäßstation und einen separaten Funktionsbereich; am 10. Juni findet ein Tag der offenen Tür statt, bei dem Interessierte die neuen Räumlichkeiten kennenlernen und sich über Gefäßerkrankungen informieren können.
  • Breites Behandlungsspektrum mit Fokus auf minimalinvasive Verfahren: Hauptsächlich werden Durchblutungsstörungen der Beine behandelt, wobei das Team sowohl minimalinvasive Kathetereingriffe als auch komplexe gefäßchirurgische Eingriffe wie Bypässe und Aortenbehandlungen anbietet.

Vor einem Jahr, am 1. April, startete die Gefäßmedizin am Sana Klinikum Coburg. Chefarzt PD Dr. Marcus Thieme blickt auf das erste Jahr zurück und gibt einen Ausblick auf geplante Entwicklungen

Thieme_Marcus

Vor einem Jahr ist die Klinik für Gefäßmedizin am Klinikum Coburg gestartet, wie ist das erste Jahr denn gelaufen?

Der Start war besser und zugleich schwieriger als gedacht, da wir schon nach wenigen Tagen sehr viel mehr Patienten behandeln durften, als wir eigentlich angenommen hatten. Dieser Trend hat sich fortgesetzt, so dass wir uns mit inzwischen mehr als 1.500 stationär und etwa 10.000 ambulant behandelten Patienten zu einer der leistungsstärksten Abteilungen des Klinikums Coburg entwickeln konnten. So schnell zu wachsen war für alle Beteiligten sehr fordernd. 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Mein Dank gilt zunächst den niedergelassenen Kollegen, die uns ihre Patienten anvertrauen und von Beginn an wirklich hervorragend mit uns kooperieren. Zudem bin ich insbesondere meinem Team sehr dankbar, denn alle sind mit vollem Einsatz und viel Enthusiasmus bei der Arbeit. Da hat es schon sehr geholfen, dass wir als eine seit 15 Jahren eingespielte Gruppe starten durften und das Glück hatten, dass auch die neuen ärztlichen Kollegen prima in unser Team integriert wurden. Wichtig ist uns dabei immer die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen den Fachdisziplinen, aber auch innerhalb der verschiedenen Professionen. Dass unser Mindset passt, spiegeln auch unsere Patienten zurück, denen auffällt, dass wir mit sehr viel Freude an unsere Arbeit gehen, und dabei auch noch Behandlungsergebnisse liefern, mit denen unsere Patienten überaus zufrieden sind.

Wie funktioniert die Pflege am Klinikum Coburg?

Bisher teilen wir uns mit der Kardiologie eine Station. Die Pflegekräfte dort sind hochmotiviert, mit unseren „neuen“ Krankheitsbildern umzugehen, und haben das sehr professionell umgesetzt. Dennoch fahren wir auch wegen der eingeschränkten Kapazitäten quasi noch mit angezogener Handbremse und freuen uns, zum 1. Mai endlich unsere „eigene“ Gefäßstation zu beziehen, das wird die Effizienz und auch die Patientenzahl noch einmal steigern und sicherlich auch dabei helfen, weitere engagierte Pflegekräfte für die Gefäßmedizin zu begeistern.

Welche Schritte sind weiter geplant?

Ebenfalls im Mai werden wir einen separaten Funktionsbereich beziehen, in dem die gesamte Gefäßdiagnostik, unsere angiologischen und gefäßchirurgischen Sprechstunden, Büros und die Studienambulanz räumlich in einer Einheit untergebracht sind. Das wird zu kürzeren Wartezeiten, einer gesteigerten Effizienz und mehr Wohlfühl-Atmosphäre bei Patienten und Mitarbeitern sorgen. Zudem wird unser ärztliches und nichtärztliches Team auch nochmals wachsen. Schon jetzt die herzliche Einladung an die Leserinnen und Leser zu unserem Tag der offenen Tür am 10. Juni, an dem Sie uns in unserem neuen Ambiente live erleben und viel über Gefäßerkrankungen erfahren können.

Apropos Sprechstunden und Wartezeiten…

Tatsächlich gibt es hier zum heutigen Tag auch Neuerungen und positive Nachrichten! Neben den bewährten angiologischen Sprechstunden in Coburg (OA Pawel Aftanski), Bad Staffelstein (OA Andrei Cacuci) und Hildburghausen (CA Dr. Marcus Thieme) übernimmt Prof. Dr. Ulrich Krause die gefäßchirurgische Sprechstunde von Andrei Nistor an unserem Sana MVZ in Coburg. In der Folge kann Andrei Nistor zum 1. April eine neue gefäßchirurgische Sprechstunde in unserem Sana MVZ Lichtenfels anbieten, was zur Entlastung der Kapazitäten, noch kürzeren Wartezeiten und wohnortnaher Versorgung unserer Patienten beitragen wird.

Welche Krankheitsbilder sehen Sie denn in Ihrer Abteilung am häufigsten?

Definitiv am häufigsten müssen wir im stationären Setting Patientinnen und Patienten mit Durchblutungsstörungen der Beine aufnehmen. Während in den mittleren Altersgruppen zwischen 50 und 70 Jahren die klassischen Risiken Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes eine große Rolle spielen, sehen wir eine Zunahme der Gruppe von Hochbetagten, bei denen das Alter allein als Risikofaktor schon ausreichen kann. Da es sich hierbei meist um Frauen handelt, die ohnehin ein höheres Komplikationsrisiko als Männer haben, profitieren diese Patientinnen besonders von unserer Fokussierung auf minimalinvasive Verfahren, um große operative Eingriffe möglichst zu vermeiden. Zudem ist in Coburg die enge Vernetzung zur Geriatrie wirklich hilfreich.

Und wenn die minimalinvasiven Kathetereingriffe nicht zum Ziel führen?

Dem ganzen Team war beim Aufbau der neuen Abteilung in Coburg wichtig, dass wir alle Therapieverfahren der Gefäßmedizin in exzellenter Qualität anbieten können. Daher ist unser gefäßchirurgisches Team auf komplizierte Fälle trainiert und kann in schwierigen Situationen, wenn die eigenen Arterien sich nicht wieder öffnen lassen, zum Beispiel Bypässe anlegen. Diese Bypässe können auch direkt auf die Fußgefäße angeschlossen werden, was dazu führt, dass auch länger bestehende Wunden endlich abheilen. Erst kürzlich konnten wir eine über 90-jährige Patientin mit einer kritischen Durchblutungsstörung des Beines entlassen, die eine solche Konstruktion benötigt hat. Die Wundheilung verläuft bei diesen Patienten zwar häufig verzögert, aber letztlich erfolgreich.

Unterscheiden sich die Krankheitsbilder, die Sie in Coburg sehen, von denen, die Sie vor dem Umzug der Abteilung in Sonneberg behandelt haben?

Wir sehen deutlich mehr Patienten mit Erkrankungen der Aorta, der Hauptschlagader. Hier macht es sich bemerkbar, dass unser Sektionsleiter der Gefäßchirurgie, Dr. Halil Celepci, eine besondere Expertise in diesem Bereich mitgebringt. Da wir alle Aortenerkrankungen sowohl endovaskulär (mit Stents) als auch offen (operativ) behandeln können, werden uns auch komplizierte Fälle aus anderen Kliniken zugewiesen, was uns besonders freut. Zudem haben wir insgesamt viele „Spezialfälle“. Auch hier ist mir eine ältere Dame aus dem Saalfelder Raum in Erinnerung geblieben, bei der die Gefäße, die den Magen-Darm-Trakt versorgen, verschlossen waren. Sie wurde bereits vom ambulanten Palliativdienst versorgt, da sie wegen starker Schmerzen nach dem Essen immer mehr an Gewicht verloren hatte. Durch einen kleinen Eingriff über das Handgelenk konnten wir der Patientin, die schon mit ihrem Leben abgeschlossen hatte, Hoffnung und Lebensqualität zurückgeben.

Was können denn unsere Leserinnen und Leser tun, um gar nicht erst in Ihrer Klinik zu landen?

Das, was man selbst tun kann, ist nicht so komplex, wie man vielleicht annimmt. An erster Stelle steht eine gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung, Verzicht auf Nikotin und ausreichend Bewegung. Allerdings hilft das nur bedingt, da sowohl genetische Einflüsse, als auch die sogenannten „Volkskrankheiten“ wie Diabetes, Bluthochdruck, Adipositas, aber auch Nierenerkrankungen zu Gefäßveränderungen führen können. Daher ist es in bestimmten Konstellationen wichtig, Symptome frühzeitig zu erkennen und die zugrundeliegende Erkrankung zu behandeln oder auch mittels Vorsorgeuntersuchungen auszuschließen.

Gefäßmedizin Team

Bild: Chefarzt PD Dr. Marcus Thieme (Mitte hinten) mit seinem Team am Sana Klinikum Coburg (Copyright: SKOF)