27. Parkinson- Symposium: Hilfe für Betroffene
Neue Therapieansätze, Alltagsstrategien und Pflegekonzepte standen im Mittelpunkt
Rummelsberg/Feucht. Rund 190 Gäste kamen zum 27. Rummelsberger Parkinson-Symposium, das seit vielen Jahren fester Bestandteil im Kalender vieler Betroffener und Angehöriger ist. In diesem Jahr rückten vor allem der Alltag mit der Krankheit, psychische Begleiterscheinungen und neue Therapieansätze in den Mittelpunkt. Die Reichswaldhalle in Feucht wurde dabei erneut zum Ort des Austauschs zwischen Medizin, Forschung, Pflege und den Menschen, die mit der Krankheit leben oder sie begleiten.
Zum Auftakt begrüßte PD Dr. Martin Winterholler, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Krankenhaus Rummelsberg, die Gäste und gab gleich einen ehrlichen Ausblick zum Stand der Forschung: „Der große Durchbruch in der Therapie der Krankheit lässt weiter auf sich warten“, sagte der Gastgeber der traditionellen Veranstaltung. Umso wichtiger sei es, die bestehenden Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen. Entsprechend breit war das Themenspektrum des diesjährigen Symposiums: von medizinischen Entwicklungen über psychologische Aspekte bis hin zu praxisnahen Workshops.
Neben einer Übersicht zu bewährten Medikamenten wie L-Dopa, Enzymhemmer und Dopaminagonisten, ging der Chefarzt in seinem Vortrag auch auf aktuelle Entwicklungen wie die Pumpentherapie und neue Wirkstoffe wie Crexont und Tavapadon ein. Letztere könnten in Zukunft durch längere Wirkdauer und bessere Verträglichkeit den Alltag der Patienten spürbar erleichtern. Auch zur lang diskutierten Stammzellenforschung gab es vorsichtig optimistische Nachrichten. Erste Studien würden laufen, ob daraus eine praktikable Therapie entsteht, bleibt abzuwarten. Dennoch, so Winterholler, dürfe man sich nicht allein auf Medikamente verlassen: „Das beste Medikament hilft wenig, wenn die Bewegung fehlt“, so seine zentrale Botschaft.
Wenn Parkinson auf die Seele schlägt
Einen oft vernachlässigten Aspekt griff Dr. Harald Erxleben Rester in seinem Vortrag auf: die psychischen Begleiterscheinungen der Parkinson-Krankheit. Er sprach offen über Themen, über die Betroffene lieber schweigen: Depression, Halluzinationen, Angst oder Wahnvorstellungen. „Viele scheuen sich, über psychische Symptome zu sprechen, dabei ist genau das so wichtig. Wer versteht, was passiert, kann gezielter damit umgehen“, so Erxleben Rester. Der Oberarzt stellte nicht nur medikamentöse Möglichkeiten vor, sondern plädierte auch für mehr Offenheit im Umgang mit psychischer Belastung. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Resilienz, also die Fähigkeit, mit Belastungen gut umzugehen. „Es geht nicht darum, die Krankheit zu leugnen. Sondern darum, sich nicht von ihr unterkriegen zu lassen.“
Mit Bewegung gegen die Krankheit
Praxisnah gestaltete sich der gemeinsame Beitrag von Logopäde Andreas Wenzel und Therapeutin Anja Hauk. Die Teilnehmenden waren eingeladen mit einfachen Bewegungsübungen, Haltung, Atmung und Stimme zu schulen. Dabei zeigte sich: Regelmäßiges Üben kann spürbare Fortschritte bringen. Als effektive Übung für den Alltag empfahl Wenzel das Singen: „Es kräftigt nicht nur die Stimme, sondern kann auch helfen, Schluckstörungen vorzubeugen.“
Autofahren mit Parkinson: was Betroffene wissen sollten
Ein weiteres Thema mit hoher Alltagsrelevanz war die Frage der Fahrtüchtigkeit bei Parkinson. Chefarzt Dr. Winterholler und Psychologin Mareike Gick machten deutlich, dass es darauf keine pauschale Antwort gibt. Parkinson und manche Medikamente können die Fahrtüchtigkeit etwa durch plötzliche Müdigkeit oder verlangsamte Reaktion beeinträchtigen. „Das heißt aber nicht, dass Betroffene automatisch nicht mehr Auto fahren dürfen“, so Gick. Entscheidend sei eine ehrliche, tägliche Selbstreflexion: „Man muss sich jeden Tag aufs Neue fragen, ob man sich in der Lage fühlt, zu fahren,“ so Winterholler. Wer sich unsicher ist, kann eine sogenannte Fahreignungsuntersuchung machen. Dabei werden unter anderem Konzentration, Reaktionsvermögen und Belastbarkeit getestet.
Patienten zu mehr Selbstständigkeit ermutigen
Wie Pflege auf der Parkinson-Station am Krankenhaus Rummelsberg gelebt wird, machte Stationsleitung Colette Fingerhut in ihrem Vortrag deutlich. Sie schilderte anschaulich, wie der Alltag für die Patienten dort aussieht und was das Pflegepersonal neben der körperlichen Unterstützung leistet. „Wir sind nicht nur zum Waschen oder Anziehen da“, erklärte Fingerhut. „Wir hören zu, nehmen uns Zeit für Gespräche und begleiten die Menschen.“ Dabei sei das wichtigste Ziel, die Patienten zu ermutigen, wieder selbst aktiv zu werden und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Das Pflegeteam unterstützt die Betroffenen beim Training alltäglicher Fähigkeiten vom Gangtraining bis zum gemeinsamen Essen. Es wird täglich geübt, damit die Patienten möglichst viel Selbstständigkeit zurückgewinnen können. „Wir wollen, dass sich die Menschen trauen, wieder Dinge selbst zu machen. Das stärkt das Selbstbewusstsein und hilft, den Alltag zu meistern.“
Zum Abschluss des Symposiums standen die Experten in kleinen Gesprächsrunden für individuelle Fragen zur Verfügung. Diskutiert wurden dabei auch technische Innovationen wie Hirnschrittmacher, Vagusnervstimulation und MRg-FUS – ein modernes Verfahren mit fokussiertem Ultraschall zur Behandlung von Bewegungsstörungen.
Voller Saal beim Parkinson-Symposium in der Reichswaldhalle: Rund 190 Gäste folgten der Einladung von Chefarzt PD Dr. Martin Winterholler aus dem Krankenhaus Rummelsberg.
Über das Krankenhaus Rummelsberg
Das Krankenhaus Rummelsberg, in der Trägerschaft der Sana Kliniken AG, verfügt über 350 Betten und ist südöstlich von Nürnberg gelegen. Das Lehrkrankenhaus der Universität Erlangen-Nürnberg ist in den Fachbereichen Orthopädie und Unfallchirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Neurologie, Innere Medizin und Geriatrische Rehabilitation weit über die Grenzen der Metropolregion Nürnberg-Fürth-Erlangen hinaus bekannt und spezialisiert. Medizinische und pflegerische Fachkompetenz prägen die Arbeit im Krankenhaus Rummelsberg. Rund 13.000 stationäre und 23.000 ambulante Patienten werden hier jährlich versorgt. Zwischen 2023 und 2027 wird das bisherige Wichernhaus durch ein hochmodernes Klinikgebäude ersetzt. Die Baumaßnahme in Höhe von 150 Millionen Euro wird teilweise durch den Freistaat Bayern gefördert. Mehr Informationen unter www.krankenhaus-rummelsberg.de.