Senftenberg,
12
September
2025
|
08:19
Europe/Amsterdam

Ärztin rät: Sepsis-Anzeichen ernst nehmen

Welt-Sepsis-Tag am 13. September 2025 / Lausitzer ABS-Expertin appelliert: Bei frühen Warnzeichen schnell zum Arzt

Ein aufgekratzter Mückenstich, ein Harnwegsinfekt oder eine Lungenentzündung: Jede Infektion im Körper hat das Potenzial, um eine Blutvergiftung auszulösen. Für Sepsis-Patienten zählt jede Stunde. Allein in Deutschland gibt es jedes Jahr rund 75.000 Todesfälle, Überlebende haben häufig mit Langzeitfolgen zu kämpfen. Anlässlich des Welt-Sepsis-Tages am 13. September 2025 appelliert Sana-ABS-Expertin Dr. Catharina Gießner: Betroffene und Angehörige sollten Warnzeichen unbedingt ernst nehmen.

„Das Trügerische bei einer Sepsis ist: Die ersten Anzeichen sind meist unspezifisch und kaum von einer normalen Grippe zu unterscheiden“, sagt Dr. Catharina Gießner, Leiterin der Krankenhaushygiene und Expertin für Antibiotic-Stewardship (ABS) in den Sana Kliniken Niederlausitz. Zu den typischen Symptomen gehören Fieber und Schüttelfrost, aber auch Verwirrtheit, Desorientierung und Schwäche. Außerdem sind Atmung und Puls beschleunigt, während der Blutdruck sinkt. „Die Patienten beklagen oft ein extremes Krankheitsgefühl und Angehörige sagen uns häufig, dass die betroffene Person völlig verändert und anders als sonst ist“, erklärt die erfahrene Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin und rät: „Wenn mindestens zwei dieser Symptome zutreffen, sollte man aufmerksam sein und unbedingt einen Arzt aufsuchen.“

 

Symbolbild Wunde

 

Schon kleine Verletzungen wie eine Schürfwunde können Auslöser für eine Sepsis sein. Sorgfältige Wundpflege kann vor einer schweren Infektion schützen. 

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Keine Frage des Alters

Eine Sepsis kann jeden treffen. In jedem Alter. „Aber Menschen mit chronischen Vorerkrankungen, einem geschwächten Immunsystem, Patienten ohne Milz, Ältere über 60 Jahre und Kinder unter einem Jahr haben ein besonders hohes Risiko“, erklärt die ABS-Expertin. Bei Neugeborenen sollten Eltern so schnell wie möglich ärztlichen Rat holen, wenn sich das Baby unnormal kalt und fiebrig anfühlt, schwer atmet und nicht mehr trinkt. Auch verlangsamte Reaktionen, Erbrechen, Durchfall und Krampfanfälle können ernstzunehmende Warnzeichen sein.

Häufige Auslöser

„Eine Sepsis kann sich beispielsweise aus einer Lungenentzündung, einem Harnwegsinfekt, einer Entzündung im Bauchraum oder nach einer Operation sowie durch Geräte und Schläuche im Körper wie zum Beispiel Dauerkatheter entwickeln. Auch Hautwunden wie Schürfwunden oder ein aufgekratzter Insektenstich können Auslöser sein“, zählt Dr. Catharina Gießner auf. Sie entsteht, wenn die Abwehrreaktion des Immunsystems gegen die Infektion oder eindringende Mikroorganismen so stark ist, dass der Körper sie nicht mehr kontrollieren kann. „Es ist praktisch die gefährlichste Komplikation einer Infektion. Sepsis ist nach Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland“, betont die Fachärztin.  

Faktor Zeit ist entscheidend

Für Sepsis-Patienten zählt jede Stunde. Die Ärzte und Pflegekräfte in den Sana Kliniken Niederlausitz werden deshalb regelmäßig zu diesem Thema geschult. „Wenn sich die Diagnose bestätigt, wird die Behandlung schnellstmöglich eingeleitet“, erklärt Dr. Catharina Gießner. Blut wird abgenommen, um es auf schädliche Mikroorganismen zu untersuchen und Laborwerte zu prüfen. Außerdem erhalten die Patienten breitwirksame Antibiotika und Flüssigkeit über einen Tropf, in manchen Fällen auch Sauerstoff über eine Maske. Parallel suchen die Ärzte nach dem Entzündungsherd im Körper und entscheiden dann, ob gegebenenfalls eine Operation nötig ist. In schweren Fällen werden die Patienten auf der Intensivstation weiterbehandelt.

Noch immer sterben viele Menschen an einer Sepsis, weil diese zu spät erkannt und dadurch nicht mehr rechtzeitig mit der Therapie begonnen werden kann. „Wer eine Sepsis überlebt, hat häufig mit körperlichen, aber auch seelischen Langzeitfolgen zu kämpfen“, berichtet die Expertin.

Prävention schützt

Etwa 80 Prozent der Sepsis-Fälle entstehen außerhalb des Krankenhauses. Um eine Infektion im Krankenhaus zu vermeiden, legt das Team der Sana Kliniken Niederlausitz deshalb größten Wert auf gründliche Händehygiene, Schutzkleidung und eine saubere Umgebung durch regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren. Im Alltag kann jeder selbst viel dafür tun, um sich vor einer Sepsis zu schützen: „Eine sorgfältige Wundpflege, die frühzeitige Behandlung von Infektionen sowie Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken und Meningokokken sind wichtige Schutzmaßnahmen“, erklärt die ABS-Expertin und rät: „Wenn Betroffene oder Angehörige Warnsignale für eine Sepsis entdecken, sollten sie nicht zögern und sofort ärztlichen Rat suchen. Je früher die Behandlung startet, desto größer sind die Aussichten auf Erfolg.“