Themendienst

Ismaning,
01
Mai
2024
|
08:00
Europe/Amsterdam

Angst, Sorge, Verzweiflung: Angehörige von Schlaganfall-Patienten im Ausnahmezustand

Zusammenfassung

Ein Schlaganfall kommt meist unerwartet. Das bisherige Leben ist ganz plötzlich vorbei, alles ist anders, die Zukunft ungewiss. Die Aufmerksamkeit der Beteiligten richtet sich zunächst natürlich auf die Patienten und deren medizinische Versorgung. Doch auch für die Angehörigen der Patienten beginnt eine schwere Zeit voller Angst, Sorge und Verzweiflung. Sana berücksichtigt daher ebenso die Bedürfnisse der Familien und nahestehenden Menschen.

Symptome und Einschränkungen können sehr unterschiedlich sein

Unter dem Begriff Schlaganfall verstehen Mediziner eine akute Schädigung von Gewebe im Gehirn – entweder durch einen Gefäßverschluss, der die Durchblutung in den betroffenen Gehirnregionen reduziert beziehungsweise ganz unterbindet, oder durch Platzen eines Blutgefäßes mit nachfolgender Gehirnblutung. In beiden Fällen wird das betroffene Gewebe im Gehirn geschädigt. Für Angehörige ist es wichtig zu wissen, dass die Symptome und Einschränkungen nach einem Schlaganfall sehr unterschiedlich sein können. Manche Patienten weisen nur geringe Einschränkungen auf, andere hingegen ringen mit dem Tod oder müssen langfristig mit schwersten Behinderungen leben lernen. Das Spektrum an möglichen Einschränkungen und Behinderungen ist also riesig und hängt maßgeblich von der betroffenen Region im Gehirn ab.

Häufige Folgen nach einem Schlaganfall, die Patienten und Angehörige kennen sollten:

FolgenErläuterung
HalbseitenlähmungBei einer Halbseitenlähmung (Hemiplegie) können die Betroffenen eine Körperhälfte nicht mehr richtig spüren und bewegen. Hier helfen insbesondere Experten aus Physio- und Ergotherapie mit Übungen und Alltagstraining sowie Sanitätshäuser mit der richtigen Hilfsmittelversorgung.
SprachstörungEine Sprachstörung (Aphasie) äußert sich auf vielfältige Weise, unter anderem durch Schwierigkeiten in Bezug auf Sprachverständnis, Wortfindung, Lese-Sinn-Verständnis oder Schreiben. Bei Vorliegen einer Sprachstörung ist die logopädische Versorgung elementar.
SchluckstörungBei einer Schluckstörung (Dysphagie) kommt es zu Problemen beim Schluckvorgang mit häufigem Verschlucken, Hustenanfällen oder sogar Atemnot. Auch bei Schluckstörungen sind Logopädinnen und Logopäden die richtigen Ansprechpersonen.
Kognitive EinschränkungenZu den kognitiven Einschränkungen gehören zum Beispiel Störungen in den Bereichen Konzentration, Aufmerksamkeit, Erinnerungsfähigkeit oder Orientierung. In diesen Fällen ist die Hilfe von Neuropsychologinnen und -psychologen gefragt.
Persönlichkeits- und WesensveränderungenManche Patienten scheinen nach dem Schlaganfall nicht mehr sie selbst zu sein. Häufige Veränderungen sind depressive Verstimmungen, Distanzlosigkeit oder Zurückgezogenheit. Diese Veränderungen sind eine Folge der Erkrankung und stellen eine große Stressbelastung dar. Angehörige sollten mit Psychologen und / oder Neuropsychologen darüber sprechen.

Stark sein und Fassung bewahren – wie soll das gehen?

Angesichts der bedrohlichen Situation wird den Angehörigen oft viel abverlangt. Familienmitglieder und nahestehende Menschen sind emotionalen und psychischen Belastungen ausgesetzt, müssen aber zugleich stark sein, Ruhe ausstrahlen und aus dem Effeff wichtige Entscheidungen treffen. Wir bei Sana lassen die Angehörigen mit dieser Last nicht alleine. Die auf solche Situationen geschulten Teams auf den Stroke Units – das sind Spezialstationen für Schlaganfall-Patienten – ermöglichen zum Beispiel Gespräche oder bei Bedarf auch eine gezielte psychotherapeutische Unterstützung für Familienmitglieder und nahestehende Personen. Angehörige sollten sich nicht scheuen, ihre Bedürfnisse anzusprechen.

Das Konzept der Familiaren Pflege bietet Unterstützung

Pflege im häuslichen Umfeld erfordert Mut und Kraft. Damit Angehörige nach der Entlassung mit der Pflegesituation zuhause nicht alleine stehen, bieten einige Sana-Kliniken das Konzept der Familialen Pflege an. Dazu gehören Beratung zu den verschiedensten Fragen sowie praktisches Pflegetraining zu allen wichtigen Kompetenzen, die pflegende Angehörige brauchen.

Beispiele aus dem Spektrum der Beratungsthemen:

  • Hilfestellungen bei wichtigen Entscheidungen
  • Soziale Unterstützung
  • Aufgabenteilung in Familie und sozialem Umfeld
  • Unterstützungs- und Entlastungsangebote
  • Leistungen der Pflegeversicherung
  • Fragen zu Verfügungen und Vollmachten
  • Pflege bei körperlichen Einschränkungen und Demenz
  • Medizinische Themen, z. B. Druckgeschwür (Dekubitus), Atmung, Herz und Kreislauf, künstliche Ernährung etc.

Mögliche Inhalte des Pflegetrainings:

  • Auswahl und Einrichtung des Pflegezimmers
  • Hilfsmittel und deren Anwendung
  • Sturzvermeidung
  • Körperpflege
  • Mobilisation und Lagerungstechniken
  • Umgang mit Injektionen
  • Medikamente und Verbände
  • Vorbereitung von MDK-Begutachtungen

Diese Kurse bieten die Pflegekassen der AOK NordWest und der AOK Rheinland/Hamburg gemeinsam mit den teilnehmenden Krankenhäusern an – sowohl am Krankenhausbett als auch in Form von Gruppenpflegekursen und Individualpflegekursen im häuslichen Bereich der Pflegebedürftigen.

In Biberach wurde bereits 2013 ein Förderverein zur Unterstützung von Patienten nach stationärer Behandlung e.V. gegründet. Der Verein „Unsere Brücke“ setzt sich für Patienten ein, die nach stationärer Behandlung aus der Klinik entlassen werden und Unterstützung zum Erhalt ihrer häuslichen Selbständigkeit benötigen. Die Beratung übernehmen dabei Sana-Pflegefachkräfte. Wichtige Adressen für Informationen und Beratungsstellen in ganz Deutschland hat die Deutsche Schlaganfall-Hilfe in einer Übersicht zusammengefasst.

 

Wir geben den Angehörigen eine Stimme
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Tag gegen den Schlaganfall: Angehörige berichten
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