Brustkrebs: Gemeinsam mehr erreichen
Das Ertasten eines Knotens in der Brust ist eine einschneidende Erfahrung, die bei vielen Betroffenen Angst auslöst und Fragen aufwirft: Ist das gefährlich? Wo bekomme ich schnell Hilfe? Was passiert jetzt mit mir? Der beste Behandlungserfolg lässt sich erreichen, wenn Experten in Netzwerken zusammenarbeiten.
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. “Sicher verhindern lässt sich die Erkrankung nicht. Aktuelle Untersuchungen zeigen jedoch: Wer sich regelmäßig bewegt, ein gesundes Gewicht hält und weitgehend auf Alkohol verzichtet, kann das Risiko senken. Auch Stillen hat einen gewissen Schutzeffekt", erklärt Andrea Hasse, Leiterin des Brustzentrums Lübeck Süd in der Sana Klinik. Fachgesellschaften betonen daher, dass die Prävention ein zentraler Baustein der Strategie gegen Brustkrebs ist. Seit Juli 2024 können in Deutschland auch Frauen zwischen 70 und 75 Jahren alle zwei Jahre am Mammographie-Screening teilnehmen. Das Ziel: Knoten oder bösartige Veränderungen so früh wie möglich zu erkennen, dann sind die Heilungschancen am besten.
Mehr Informationen zum Mammographie-Screening vom gemeinsamen Bundesausschuss gibt es hier: Mammographie-Screening-Programm
Ängste abbauen
„Wenn Patienten mit einer spürbaren Veränderung an der Brust zu uns kommen, ist das oft mit Angst verbunden. Wir möchten dann in erster Linie zuhören, erklären und gemeinsam den nächsten Schritt finden“, sagt Andrea Hasse. „In der Sprechstunde erfolgt zunächst ein ausführliches Gespräch zur Krankengeschichte. Danach untersuchen wir Brust und Achselhöhle, meist ergänzt durch einen Brustultraschall (Mammasonografie). Liegen bereits Bilder aus einer Mammografie vor, werden diese berücksichtigt. Falls nicht, organisieren wir die erforderliche Diagnostik.“
Je nach Befund kann eine Gewebeprobe notwendig sein, zum Beispiel durch eine sonografisch gestützte Stanzbiopsie oder durch eine sogenannte Vakuumbiopsie in Zusammenarbeit mit einer radiologischen Praxis. Die Untersuchung der Proben erfolgt durch Experten in der Pathologie. Auf Basis der Ergebnisse entwickeln Andrea Hasse und ihre Kollegin Dr. Julia Stockfisch-Altmann gemeinsam mit den betroffenen Patienten das weitere Vorgehen.
Therapie muss individuell geplant werden
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von mehreren Aspekten ab. Wichtig sind unter anderem die Größe und der genaue Ort des Tumors. Zudem ist wichtig, wie aggressiv der Knoten wächst. Außerdem spielen das Alter, der allgemeine Gesundheitszustand und auch die persönlichen Wünsche der Betroffenen eine Rolle. Um den Tumor genauer einzuordnen, nutzen Fachleute die sogenannte TNM-Klassifikation. Dabei steht T für den Tumor selbst, N für die befallenen Lymphknoten (Nodes) und M für Metastasen, also Ableger in anderen Körperregionen. Mit dieser Einteilung lässt sich beschreiben, wie groß der Tumor ist, ob Lymphknoten betroffen sind und ob sich die Krankheit schon ausgebreitet hat.
“Diese Einstufung hilft uns dabei, den möglichen Krankheitsverlauf besser einzuschätzen und eine passende Behandlung zu planen. Meist besteht die Therapie aus einer Kombinationsbehandlung mit Operation, Bestrahlung und Medikamenten”, führt Julia Stockfisch-Altmann aus.
Netzwerk für eine bessere Versorgung
Die Expertinnen des Brustzentrums Lübeck Süd in der Sana Klinik arbeiten eng mit den niedergelassenen Kollegen zusammen und engagieren sich im Netzwerk Onkologischer Zentren in Schleswig-Holstein, dem NOZ. Das NOZ ist ein Zusammenschluss onkologischer Fachärzte aus Lübeck und Umgebung. Ziel ist es, eine ganzheitliche und qualitativ hochwertige Krebsversorgung in den ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins sicherzustellen.
“Durch die Vernetzung verschiedener Disziplinen erhalten die Patienten eine wohnortnahe Betreuung in allen Krankheitsphasen. Und zwar von der Diagnose über die Therapie bis zur Nachsorge”, so Julia Stockfisch-Altmann.
Tumorkonferenzen, interdisziplinärer Austausch und Zweitmeinungen sorgen für objektive, qualitätsgesicherte Behandlungskonzepte. Dies ist insbesondere bei komplexen Fällen sehr wichtig. Zudem gehören enge Kooperationen mit Hausärzten, Sozialdiensten und Palliativmedizinern zum Netzwerk. So lassen sich Informationsverluste vermeiden und Behandlungen besser koordinieren.
Das ambulante Konzept stellt die Möglichkeit zur Versorgung im häuslichen Umfeld in den Mittelpunkt, ergänzt durch stationäre Versorgung bei Bedarf. Dieser Ansatz kommt am Brustzentrum Lübeck Süd in der Sana Klinik zum Einsatz. Das Zentrum bietet unter anderem interdisziplinäre Betreuung, psychosoziale Unterstützung und Einbindung in Screeningprogramme.
Dr. Julia Stockfisch-Altmann (l.) und Andrea Hasse vom Brustzentrum Lübeck Süd in der Sana Klinik engagieren sich im Netzwerk Onkologischer Zentren in Schleswig-Holstein.