COPD – Wenn die Luft zum Atmen knapp wird
Dr. med. Sandor Kokai im Experteninterview anlässlich des Welt-COPD-Tags am 19. November
- Am 19. November ist Welt-COPD-Tag.
- Dr. med. Sandor Kokai, Facharzt für Pneumologie und kommissarischer Chefarzt am Sana Klinikum Coburg, spricht über Risikofaktoren, Prävention und Therapie der chronischen Erkrankung.
- Er geht dabei auch auf aktuelle Trends wie Vaping und den Konsum von E-Zigaretten ein.
Am 19. November würdigen wir den Welt-COPD-Tag. Experte Dr. med. Sandor Kokai, kommissarischer Chefarzt der Pneumologie am Sana Klinikum Coburg, gibt kompakte, verständliche Einblicke zu Ursachen, Prävention und aktuellen Therapiemöglichkeiten.
Frage: Herr Dr. Kokai, was verbirgt sich hinter der Abkürzung COPD – können Sie die Erkrankung kurz erklären?
Dr. Kokai: COPD steht für chronic obstructive pulmonary disease, also eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, eine dauerhafte Verengung der Atemwege, die meist durch langjähriges Einatmen schädlicher Substanzen – vor allem Tabakrauch – verursacht wird. Die Erkrankung betrifft schätzungsweise sieben Prozent aller über 40-Jährigen. Typisch sind Husten, Auswurf, Brustenge und eine zunehmende Atemnot. Es handelt sich eigentlich um eine Kombination aus zwei Erkrankungen – die Zerstörung des Lungengewebes (Lungenemphysem) und die Entzündung der Atemwege.
Frage: Wer ist besonders gefährdet, an COPD zu erkranken?
Dr. Kokai: Der größte Risikofaktor ist eindeutig das Rauchen. Circa 80 bis 90 Prozent der COPD-Patientinnen und -Patienten sind oder waren Raucher. Aber auch Passivrauchen, Luftverschmutzung, Feinstaub und berufliche Schadstoffexposition beispielsweise mit Staub oder Chemikalien spielen eine Rolle. Zudem gibt es seltene genetische Ursachen.
Frage: Wie wird COPD diagnostiziert?
Dr. Kokai: Am Anfang steht ein offenes Gespräch über Beschwerden und individuelle Risikofaktoren. Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung und vor allem eine Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie oder Bodyplethysmographie). Damit messen wir, wie viel Luft jemand ausatmen kann und wie stark die Atemwege verengt sind. Ergänzend können Röntgen- oder CT-Aufnahmen sowie Blutgasanalysen zum Einsatz kommen, auch um Begleiterkrankungen oder andere Ursachen auszuschließen.
Frage: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und versprechen diese eine Linderung der Symptome oder gar Heilung?
Dr. Kokai: COPD an sich ist nicht heilbar, es gibt aber immer bessere Möglichkeiten zur Behandlung. Hierbei ist eine dauerhafte Mitwirkung der Patienten erforderlich: Beim wichtigsten Schritt, dem Rauchstopp, aber auch während der Therapie – klassischerweise mit inhalativen Medikamenten und bei der Atemphysiotherapie bzw. Lungensport. Ein angepasstes körperliches Training und regelmäßige Bewegung verbessern die Belastbarkeit deutlich.
Im fortgeschrittenen Stadium kommen weitere Therapieansätze wie eine Langzeit-Sauerstofftherapie oder sogar eine Transplantation in Frage - COPD ist in Deutschland die häufigste Ursache für eine Lungentransplantation!
Schutzimpfungen gegen Pneumokokken, Grippe, COVID sind zudem ein wesentlicher Aspekt, um eine plötzliche Verschlechterung der chronischen Erkrankung, die sogenannte Exazerbation, zu vermeiden.
Frage: Was kann man tun, um einer Erkrankung mit COPD vorzubeugen?
Dr. Kokai: Ganz klar: Nicht rauchen! Und wenn man raucht, so früh wie möglich aufhören. Die genetischen Voraussetzungen und Umweltfaktoren können wir ja kaum beeinflussen.
Frage: In den letzten Jahren sind viele Menschen und Raucher auf E-Zigaretten umgestiegen. Sogenannte Vapes sind zudem bei Jugendlichen sehr beliebt – wie werden diese und andere Tabakersatzprodukte fachlich bewertet?
Dr. Kokai: Das ist ein zunehmend wichtiges Thema, auch weil diese Produkte aggressiv vermarktet werden und eine starke Abhängigkeit erzeugen. Aktuelle Übersichtsstudien zeigen, dass E-Zigaretten, Dampfen und auch Vaping das Risiko für COPD erhöhen können. Auch wenn die Annahme, dass sie weniger schädlich sind als klassischer Tabakrauch, weit verbreitet ist - aktuelle Erhebungen deuten darauf hin, dass auch die Tabakersatzprodukte keineswegs harmlos sind!
Bild: Dr. med. Sandor Kokai, komm. Chefarzt der Pneumologie am Sana Klinikum Coburg, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Pneumologie