Ismaning,
21
Oktober
2025
|
07:00
Europe/Amsterdam

Herzinfarkt vermeiden: Prävention hat zu wenig Priorität in Deutschland

Zusammenfassung

Die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland liegt im internationalen Vergleich zu führenden Industrienationen zurück. Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Daher kommt der Prävention eine große Bedeutung zu. Sowohl für die Gesundheit jedes Einzelnen als auch für die Gesellschaft insgesamt.

Dr. med. Brunilda Alushi, Conradia Medical Prevention München

Herzerkrankungen gelten gemeinhin als Problem älterer Menschen. Zwar steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen tatsächlich mit zunehmendem Alter, doch auch Jüngere können betroffen sein. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig um die eigene Herzgesundheit zu kümmern. Idealerweise ab dem 40. Lebensjahr bei Männern und ab etwa 50 Jahren bei Frauen, mit Beginn der Wechseljahre.

Warum ist die Lebenserwartung in Deutschland vergleichsweise niedrig?

Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Forschungsteam aus Deutschland. Die Wissenschaftler verglichen die Daten aus Deutschland mit den Ergebnissen aus sechs anderen Industrieländern, darunter die Schweiz und Frankreich. Deutschland schneidet sehr schlecht ab, nur in den USA ist die Lebenserwartung noch niedriger. Dr. Brunilda Alushi, Kardiologin bei Conradia Medical Prevention der Sana Gesundheit GmbH, erklärt: “Diese Ergebnisse sind selbst für mich als Kardiologin eine negative Überraschung. Kardiovaskuläre Risikofaktoren stehen im Fokus. Wir tun in Deutschland zu wenig für die Prävention, das zeigt diese Analyse deutlich auf.” 

An dieser Stelle setzt das Geschäftsfeld “Sana Gesundheit” an. Es gibt bereits Präventionszentren in einigen Großstädten, zum Beispiel in München und Hamburg, die Check-ups für Unternehmen, aber auch für Privatkunden anbieten.

Rechtzeitig vorsorgen, regelmäßig zum Check-up

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache. Die Risikofaktoren sind weitgehend bekannt. Neben genetischen Einflüssen zählen Alter, Geschlecht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel – das sogenannte „schlechte Cholesterin“ – zu den Hauptursachen. Doch auch Menschen, die sich gesund ernähren, regelmäßig Sport treiben und keine Beschwerden haben, können von kardiovaskulären Erkrankungen betroffen sein. Eine Früherkennungsuntersuchung kann helfen, solche Erkrankungen rechtzeitig zu diagnostizieren und erfolgreich zu behandeln.

Kernelement einer gezielten Prävention ist daher die Untersuchung des Herz-Kreislauf-Risikoprofils. Gerade bei Herz-Kreislauferkrankungen lässt sich präventiv viel erreichen. 

Die folgenden Untersuchungen und Tests gehören in der Regel zu einem ausführlichen kardiovaskulären Check:

  • Eigenanamnese: Vorerkrankungen, aktuelle Beschwerden, Medikamenteneinnahme, Lebensstil mit Angaben zu Ernährung, Alkoholkonsum, Rauchverhalten, sportlichen Aktivitäten und Schlafqualität.
  • Familienanamnese: Relevante Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei nahestehenden Verwandten.
  • Körperliche Untersuchung: Auskultation (Abhören) des Herzens und der Lunge, Blutdruckmessung, Überprüfung des peripheren Pulsstatus, Messung des Körpergewichtes inklusive Körperfett und Muskelmasse.
  • Blutuntersuchungen: Analyse des Fett- und Zuckerstoffwechsels.
  • Ruhe-EKG: Ausschluss von Herzrhythmusstörungen und Untersuchung der Herzfunktion.
  • Echokardiografie (Herz-Ultraschall): Beurteilung der Herzmuskelfunktion, Ausschluss oder Diagnose von Herzklappenerkrankungen.
  • Spiroergometrie (Belastungs-EKG mit Atemgasanalyse): Untersuchung der Herzkranzgefäße, Beurteilung der Ausdauerleistungsfähigkeit, Bestimmung der individuellen Trainingsbereiche zur optimalen Steuerung für regelmäßigen Ausdauersport.

Brunilda Alushi erklärt: “Neben unseren Unternehmenskunden kommen auch zunehmend Privatpersonen zu uns, die einen Check-up wünschen. Manche privaten Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten. Dies ist aber immer individuell zu klären.”

Anlaufstelle für umfangreiche Chek-ups wie diese sind spezialisierte Zentren: Sana Praevention

Jeder Tag zählt

Zusätzlich zu einem Herz-Check lässt sich jeden Tag viel für die Herzgesundheit tun. Hier die wichtigsten Empfehlungen der Kardiologin:

  • Gesunde Ernährung: Die Mehrheit der Menschen in Deutschland ernährt sich ungesund. Das trägt wesentlich zur Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen bei. Ein großes Problem sind hoch verarbeitete Lebensmittel, wie Fertigpizza und Co.
  • Bewegung, Bewegung, Bewegung: Inaktivität hat viele negative Folgen, auch auf das Herz. Eine Kombination aus Kraftübungen und Ausdauerbelastung ist nach heutigen Wissensstand gut für die Herzgesundheit. Niemand muss deswegen ins Fitnesscenter gehen oder “Sportler” werden. Treppe anstatt Aufzug, mit dem Rad in die Arbeit, Kniebeugen beim Zähneputzen. Es gibt viele gute Möglichkeiten, Aktivitäten in den Tagesablauf zu integrieren.
  • Versteckte Probleme finden: Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Cholesterin und Diabetes erkennen und behandeln.
  • Rauchstopp: Wer regelmäßig raucht, schädigt Gefäße und Herz. Es ist nie zu spät, Nichtraucher zu werden. Wem das schwerfällt, kann sich professionelle Hilfe suchen und zum Beispiel an einem Raucherentwöhnungsprogramm teilnehmen.