Ismaning / Dresden,
20
Mai
2025
|
08:42
Europe/Amsterdam

Herzinsuffizienz: Telemedizin kann Leben retten

Zusammenfassung

Telemedizinische Mitbetreuung führt zu geringerer Sterblichkeit und weniger Einweisungen ins Krankenhaus. Zu dem Ergebnis kommen Studien bei Patienten mit chronischer Herzschwäche. Die Sana-Experten am Herzzentrum Dresden blicken mittlerweile auf mehr als zehn Jahre Erfahrung mit über 5.000 betreuten Patienten zurück.

Laut dem Statistischen Bundesamt Destatis verstarben im Jahr 2023 etwa 38.000 Menschen an Herzinsuffizienz. Diese Erkrankung rangiert mit einem Anteil von fast elf Prozent auf Platz drei der Todesursachen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Herzbericht 2024 zeigt, dass Herzinsuffizienz nicht nur die häufigste Einzeldiagnose für stationäre Krankenhausbehandlungen in Deutschland ist, sondern auch eine Hauptursache für den plötzlichen Herztod darstellt. 

Ein schwaches Herz entwickelt sich über eine lange Zeit

Chronische Herzinsuffizienz entwickelt sich nicht über Nacht, sondern ist oft die Folge von Vorerkrankungen wie verengten Herzkranzgefäßen (koronare Herzkrankheit), Herzinfarkt oder Herzklappenerkrankungen. Da eine Herzschwäche häufig schleichend beginnt, werden erste Anzeichen wie eine nachlassende Leistungsfähigkeit und Atemnot von vielen Menschen nicht ernstgenommen. Betroffene gehen häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung zum Kardiologen. Patienten mit einer chronischen Herzinsuffizienz müssen oft ins Krankenhaus, ihre Lebensqualität ist in der Regel deutlich reduziert und die Sterblichkeit hoch. 

Professor Axel Linke, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie am Herzzentrum Dresden, Universitätsklinik an der Technischen Universität Dresden, sagt: „Viele unserer Patienten leiden bereits an einer chronischen Herzschwäche. Ist die Insuffizienz des Herzmuskels schon weit fortgeschritten und das Risiko hoch, können wir den Patienten ein telemedizinisches Monitoring anbieten. Damit lässt sich eine Verschlechterung des Gesundheitszustands frühzeitig erkennen und entsprechende Maßnahmen einleiten. Das kann Leben retten.“

Versorgung von Risikopatienten

Den Nutzen der Telemedizin für Patienten mit Herzerkrankungen belegte die Fontane-Studie schon vor einigen Jahren. Aufgrund der Datenlage beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA Ende 2020, die telemedizinische Versorgung in die Regelversorgung von Hochrisikopatienten zu überführen. Der Beschluss trat zum 31. März 2021 in Kraft. Die Entscheidung für die telemedizinische Mitbetreuung liegt bei den primär behandelnden Ärzten, die mit einem kardiologisch geführten Telemedizinzentrum zusammenarbeiten. Weitere Hinweise für Ärztinnen und Ärzte zum Telemonitoring von Herzinsuffizienz gibt es auf der Seite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV. Für folgende Patienten ist das Telemonitoring laut Vereinbarung zwischen der KBV und dem GKV-Spitzenverband zugelassen:

  • Es liegt eine Herzinsuffizienz im Stadium zwei oder drei der NYHA-Klassifikation mit einer Auswurfleistung (Ejektionsfraktion) von weniger als 40 Prozent vor.
  • Der Patient ist Träger eines implantierten kardialen Aggregates oder ist im zurückliegenden Jahr wegen einer kardialen Dekompensation, das heißt einer Verschlechterung der Herzschwäche, stationär behandelt worden.
  • Die Herzinsuffizienz wird leitliniengerecht behandelt.
  • Es sind keine Faktoren erkennbar, die die Gewährleistung einer Übertragung der Monitoringdaten verhindern oder gefährden oder die das Selbstmanagement des Patienten behindern würden.

Oberärztin Julia Mayer erklärt: „Wir arbeiten eng mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen zusammen. Uns ist es wichtig, die Behandlung und die telemedizinische Betreuung zusammen mit den ambulant tätigen Ärzten zu koordinieren.“

Für die telemedizinische Betreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ist ein Team aus Spezialisten gefragt. Die Einrichtungen müssen neben einer einwandfreien technischen Funktionalität auch einheitliche Prozess- und Qualitätsstandards sicherstellen. Dafür hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie DGK in einem Positionspapier die entsprechenden Kriterien festgelegt. Das Herzzentrum Dresden bereitet sich derzeit auf die Zertifizierung zum Telemedizinzentrum der DGK vor. 

Telemonitoring in der Praxis

Im ersten Schritt müssen die Patienten im Umgang mit dem telemedizinischen Überwachungsgerät, Experten sprechen von einem Transmitter, eingewiesen und geschult werden. Die Datenübertragung an das Telemedizinzentrum erfolgt automatisch ohne Zutun des Patienten – in der Regel nachts sowie bei Bedarf zusätzlich durch den Patienten initiiert während des Tages. Der Vorteil ist die unmittelbare Analyse der Daten, die bei Auffälligkeiten oder Hinweisen auf ein ernstes Problem sofort ein Warnsignal melden. Die Spezialisten im Telemedizinzentrum können diese dann sichten hinsichtlich eines möglichen Handlungsbedarfs interpretieren sowie entsprechende Maßnahmen einleiten.

Die telemedizinische Funktionsanalyse bei Herzinsuffizienzpatienten erfolgt über implantierbare kardiale Aggregate oder externe Messgeräte zur Erfassung verschiedener Parameter, zum Beispiel Blutdruck, Körpergewicht, EKG sowie subjektiver Gesundheitszustand. So werden zahlreiche medizinische Daten erfasst, die in Kombination mit anderen Messungen und einem Fragebogen ein umfassendes Monitoring der Betroffenen ermöglichen.

Engagement in der Forschung

Die Spezialisten am Herzzentrum Dresden engagieren sich zudem in der Forschung. Derzeit läuft die sogenannte PASSPORT-HF Studie, die sich mit der Frage beschäftigt, ob sich die Therapie von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium III optimieren lässt, wenn der Blutdruck kontinuierlich über einen implantierten Sensor in der Lungenarterie gemessen und überwacht wird. Das Herzzentrum Dresden gehört aufgrund der hohen Expertise zu den Studienzentren, die die vom G-BA festgelegten Anforderungen für die Studie erfüllen. Für Geschäftsführer Oliver Wehner ist die Beteiligung an Forschungsprojekten eine Herzensangelegenheit: „Forschung trägt zur Verbesserung der Patientenversorgung bei. Das Herzzentrum Dresden leistet dazu einen wichtigen Beitrag.“

 

Telemedizin HZD Zusammenarbeit

Niedergelassene Ärzte und Telemonitoringzentrum arbeiten zusammen.

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Telemedizin HZD Ablauf

Im Ernstfall erhalten die Herzspezialisten Warnmeldungen und können weitere Maßnahmen einleiten.

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Telemedizin HZD Erfassung der Parameter

Beim Telemonitoring werden zahlreiche Parameter erfasst.

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