Ismaning,
14
Oktober
2026
|
08:55
Europe/Amsterdam

Mehr Lebensqualität nach Operationen: Fast-Track-Konzepte unterstützen die schnelle Erholung

Zusammenfassung

Die Sana Kliniken AG setzt Fast-Track-Konzepte bereits seit vielen Jahren an verschiedenen Standorten in der operativen Versorgung ein und entwickelt die Nutzung dieses Ansatzes für verschiedene Fachbereiche stetig weiter. Für die Patienten hat das viele Vorteile.

Der englische Begriff „Fast-Track“ bedeutet wörtlich „schnelle Spur“. Für die operative Medizin bedeutet dies, dass wir die Prozesse vor, während und nach der Operation verbessern. Das führt automatisch zu einer schnelleren Versorgung, ohne Einbußen bei der Qualität. Fast-Track steht somit für einen standardisierten, interdisziplinär abgestimmten Behandlungspfad. Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten optimal auf den Eingriff vorzubereiten, die physiologische Stressreaktion auf die Operation zu verringern, die Organfunktion zu erhalten und die körperliche Genesung durch evidenzbasierte, interdisziplinäre Maßnahmen deutlich zu beschleunigen. Ursprünglich um 1990 von Professor Henrik Kehlet in Dänemark entwickelt, ist die klinische Wirksamkeit des Fast-Track Konzeptes mittlerweile auch für viele Indikationsbereiche in Studien nachgewiesen.

Schon im Vorfeld werden die Patientinnen und Patienten gezielt auf den Eingriff vorbereitet. Viele Komplikationen rund um eine Operation lassen sich vermeiden, wenn Risiken frühzeitig adressiert werden. Ein zentraler Baustein ist dabei der Umgang mit perioperativer Anämie. Wird sie vor dem Eingriff erkannt und behandelt, verbessert das die Ausgangslage für die Operation. Das einfache Prinzip dahinter lautet „better in, better out“.

In der Bauchchirurgie, insbesondere bei Darmkrebserkrankungen, haben die Patienten teilweise ein erhebliches Ernährungsdefizit, sie haben Muskulatur und „Kraft“ abgebaut. Dies kann tumorbedingt sein, aber auch durch Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme. Sie sind damit sehr viel anfälliger für Komplikationen (zum Beispiel Störungen der Wundheilung und infektiöse Komplikationen). Mit einer – auch zeitlich kurzfristigen – individuell angepassten Ernährungsunterstützung lässt sich die körperliche Verfassung zur Operation deutlich verbessern.

Wer bestmöglich vorbereitet und aktiv in eine Operation geht, bringt die besten Voraussetzungen für eine schnelle Heilung mit. Rund um den Eingriff arbeiten alle beteiligten Berufsgruppen eng zusammen. Der Ausgleich eines präoperativ bestehenden Ernährungsdefizits oder einer Blutarmut, ein individuell abgestimmtes, schonendes Narkose- und Schmerzmanagement, die Reduzierung von Blutungen durch Tranexamsäure sowie die frühe, begleitete Mobilisation sorgen dafür, dass die körperliche Belastung so gering wie möglich bleibt.

Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick

PhaseMaßnahmen
Vor der Operation (präoperativ)

Aufklärung: Ausführliche Information des Patienten über den Ablauf und aktive Einbindung als Teammitglied.

Ausgleichen einer möglichen präoperativen Mangelernährung

Ausgleichen einer präoperativen Anämie

Keine Darmreinigung: Verzicht auf präoperatives Abführen bei elektiven Eingriffen (z. B. Darm-OPs), da dies den Wasser- und Elektrolythaushalt stört.

Kurze Nüchternzeit: Klare Flüssigkeiten und Kohlenhydrat-Drinks sind bis kurz vor dem Eingriff erlaubt.

Während der Operation (intraoperativ)

Minimalinvasive Technik: wenn medizinisch indiziert, Bevorzugung von Schlüsselloch-Chirurgie (Laparoskopie) oder robotisch assistierte Operationen, um Gewebetrauma zu senken.

Schmerzausschaltung: Einsatz von Regionalanästhesie zur opiatsparenden Schmerztherapie

Flüssigkeitsmanagement: Zielgerichtete, sparsame Gabe von Infusionen, um eine Schwellung des Darms zu verhindern.

Keine Drainagen: Verzicht auf unnötige Katheter, Magensonden oder Drainagen, die das frühzeitige Aufstehen behindern.

Nach der Operation (postoperativ)

Frühzeitige Mobilisation: Das Aufstehen und Verlassen des Bettes erfolgt oft noch am Operationstag.

Postoperativ einfache Gymnastik und Übungs-Parcours auf dem Stationsflur

Früher Kostaufbau: Normale Nahrung und Trinken sind direkt nach dem Eingriff erlaubt, sobald die Patienten Hunger verspüren.

Einnahme der Mahlzeiten am Tisch, nicht im Bett

Opiatsparende Schmerztherapie: Vermeidung starker Opiate, um Übelkeit und eine Darmlähmung zu verhindern.

Bei all dieser Strukturierung ist Fast-Track jedoch niemals ein Automatismus nach der Stoppuhr. Das Ziel ist es, die natürliche Erholung aktiv zu unterstützen. Eine Entlassung erfolgt ausnahmslos erst dann, wenn alle definierten Kriterien erfüllt sind und der Schritt nach Hause medizinisch vollkommen vertretbar ist, dazu gehören:

  • trockene und saubere Wunde,

  • ausreichende Schmerzkontrolle

  • Selbstständigkeit im Alltag

  • ausreichende Mobilität (Laufen, Treppe steigen)

  • Unterstützung zu Hause durch Angehörige bzw. Partner

Nutzen für Patienten: Orientierung, Sicherheit und aktive Erholung

Perioperative Behandlungspfade führen prinzipiell zu besseren Behandlungsergebnissen und weniger Komplikationen, bei Sana sind sie in den Kliniken für die allermeisten Erkrankungen hinterlegt.

Fast-Track-Konzepte unterstützen die schnelle ErholungFür Patienten ist ein planbarer Ablauf oft ein zentraler Faktor. Wer weiß, was wann passiert und warum, erlebt mehr Sicherheit, baut Ängste ab und kann selbst aktiv am Genesungsprozess teilhaben. Fast-Track-Konzepte zielen darauf ab, diese Orientierung systematisch zu stärken. Fast-Track verbindet Effizienz mit hoher medizinischer Qualität. Am Ende kommt bei den Patienten auch ein deutliches Mehr an Zuwendung durch die intensive Beschäftigung an.

Jens Schick, COO der Sana Kliniken AG: „Für uns bei Sana bedeutet Qualität, dass sich unsere Patientinnen und Patienten zu jedem Zeitpunkt ihrer Behandlung in den besten Händen wissen. Mit unseren Fast-Track-Konzepten überlassen wir nichts dem Zufall. Alle Schritte sind aufeinander abgestimmt. Die Qualität über alle Schnittstellen hinweg ermöglicht für unsere Patienten eine schnelle und auf ihren Gesundheitszustand abgestimmte Genesung.“

Nutzen für die Versorgung: Qualität durch Standardisierung

Aus Sicht der Versorgung ist Standardisierung ein Qualitätsinstrument. Wenn Abläufe weniger variieren, werden Schnittstellen klarer und Behandlungsschritte besser planbar. Das Fast-Track Konzept verfeinert die ohnehin bei Sana schon vorhanden Behandlungsstandards noch umfangreicher und ergänzt dadurch eine noch höhere persönliche Betreuung und Zuwendung. Das trägt zu einer Minimierung der Stressbelastung durch den Eingriff und dadurch zu einer hohen Behandlungsqualität bei. Die Effektivität dieser strukturierten, interdisziplinären Behandlungspfade und die Vorteile für die Patienten sind wissenschaftlich sehr gut belegt.

Einsatz bei Sana

Bei Sana werden Fast-Track-Konzepte deutschlandweit an zahlreichen Standorten in vielen Indikationsbereichen genutzt. Neben der „Ursprungsanwendung“ bei Darmoperationen profitieren besonders Patienten bei Knie- und Hüftoperationen und in der Wirbelsäulenchirurgie. Über das System der medizinischen Fachgruppen wird das Fast-Track Konzept im Sana-Netzwerk stetig weiter ausgebaut.

Matthias Bescherer, kommissarischer Leiter des Bereichs Medizin und Prozesse der Sana Kliniken AG, begleitet die kontinuierliche Entwicklung des Konzepts auf Konzernebene: „Bei Fast-Track geht es uns um die bestmögliche Qualität in der Versorgung. Unser Ziel ist es nicht, Rekorde bei der Entlassung zu brechen, sondern den gesamten Aufenthalt so sicher, schonend und planbar wie möglich zu gestalten. Wenn unsere Patientinnen und Patienten schneller wieder auf die Beine kommen, ist das der beste Beweis dafür, dass unser Konzept funktioniert.

Fast-Track hat viele Namen

Wer sich über moderne Operationspfade informiert, stößt oft auf Begriffe wie Rapid Recovery, ERAS (Enhanced Recovery After Surgery), Medtronic ERP (Enhanced Recovery Pathway), GOPOM (Gesellschaft für Optimiertes PeriOperatives Management), oPOM (optimiertes perioperatives Management) oder Spine-Pro (B. Braun). Diese Vielzahl an Namen entsteht durch die geschützten Programme unterschiedlicher medizinischer Anbieter. Für Patienten ist dabei nur eines wichtig: Im Kern stehen all diese Bezeichnungen für denselben Ansatz. Es handelt sich stets um standardisierte und leitlinienbasierte Behandlungskonzepte zur Reduzierung der Stressbelastung rund um die Operation, die für verschiedene Indikationen, das heißt bei unterschiedlichsten Erkrankungen und operativen Eingriffen, sicher und erfolgreich eingesetzt werden.

Stimmen aus der Praxis

Das Konzept wird längst an vielen Orten und von vielen Kolleginnen und Kollegen gelebt. Drei Chefärzte berichten, warum es für sie unverzichtbar ist.

Professor Andreas Halder, Chefarzt der Klinik für Operative Orthopädie an den Sana Kliniken Sommerfeld

„Gerade beim Gelenkersatz an Knie oder Hüfte sehen wir den Effekt sofort. Durch die schonenden Verfahren stehen unsere Patientinnen und Patienten oft schon am Tag der Operation wieder auf eigenen Beinen. Das gibt ein enormes Vertrauen in den eigenen Körper und beschleunigt die Heilung immens.“ Professor Andreas M. Halder, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Operative Orthopädie der Sana Kliniken Sommerfeld.

Professor Michael Rauschmann, Chefarzt am Sana Klinikum Offenbach

„Eingriffe an der Wirbelsäule sind für viele Patienten im Vorfeld mit großen Sorgen verbunden. Durch die strukturierte Begleitung im Fast-Track-Konzept geben wir ihnen vom ersten Tag an Sicherheit. Sie finden deutlich zügiger und gestärkt in ihren Alltag zurück.“ Professor Michael Rauschmann, Chefarzt der Wirbelsäulenorthopädie und Rekonstruktive Orthopädie am Sana Klinikum Offenbach

PD Dr. med Kay Kohlhaw

„Bei großen bauchchirurgischen Eingriffen, wie etwa bei einer Darmkrebserkrankung, kommen die Patienten mit dem Fast-Track-Konzept deutlich besser in und durch die Operation. Dies bedeutet deutlich weniger Stress für den Organismus. Die Patienten gehen in die Operation und kommen danach spürbar schneller wieder zu Kräften. Sie erholen sich besser und haben weniger Probleme und Komplikationen.“ PD Dr. Kay Kohlhaw, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, MIC- und Gefäßchirurgie der Sana Kliniken Leipziger Land.