Lichtenfels,
06
August
2026
|
08:23
Europe/Amsterdam

Vom Kinderwunsch zur jungen Familie

20 Jahre Adipositaschirurgie am Sana Klinikum Lichtenfels

Zusammenfassung
  • Adipositas beeinträchtigt Stoffwechsel, Hormone und Fruchtbarkeit. Am Sana Klinikum Lichtenfels werden seit 2006 adipositaschirurgische Eingriffe angeboten, die Gewicht, Begleiterkrankungen und Lebensqualität nachhaltig verbessern.
  • Nach einer Schlauchmagen-OP normalisierten sich bei Andrea G. Blutdruck und Hormonhaushalt. Im Gegensatz zur ersten, komplikationsreichen Schwangerschaft verlief die zweite ohne Präeklampsie/Diabetes und führte rasch und natürlich zur Geburt.
  • Die Adipositaschirurgie ist ein etabliertes Verfahren; Studien belegen den Rückgang von Begleiterkrankungen und eine bessere Fertilität. Entscheidend sind sorgfältige Indikationsstellung, interdisziplinäre Nachsorge sowie engmaschige Betreuung, insbesondere bei Kinderwunsch.
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Wie eine Adipositas-Operation Andrea G. den Weg zum zweiten Kind ebnete

Adipositas ist weit mehr als ein Gewichtsproblem – sie ist eine chronische Erkrankung, die den gesamten Stoffwechsel und Hormonhaushalt beeinflusst und nicht selten auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Die Geschichte von Andrea G. zeigt, wie ein adipositaschirurgischer Eingriff nicht nur Gewicht, sondern auch Lebensqualität und Familienglück zurückbringen kann. Seit dem Jahr 2006 bietet das Sana Klinikum Lichtenfels adipositaschirurgische Eingriffe an — und hat seither hunderten Patientinnen und Patienten neue Lebensperspektiven eröffnet.

Erste Schwangerschaft mit Komplikationen

Andrea G. kennt die gesundheitlichen Folgen von Adipositas aus eigener Erfahrung. Ihre erste Schwangerschaft war von Beginn an eine Belastungsprobe. Bis zum positiven Schwangerschaftstest im Februar 2022 vergingen mehrere Wochen intensiver Hormontherapie und zahlreiche Untersuchungen. Auch der weitere Verlauf war alles andere als unkompliziert, bis hin zur Entbindung mit Kaiserschnitt.

„In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich eine Präeklampsie mit sehr hohem Blutdruck und stark zunehmendem Körpergewicht durch Wassereinlagerungen", berichtet Andrea G. „Es war eine sehr anstrengende Zeit, in der ich mir oft Sorgen gemacht habe – um mich und um mein Baby."

Der Wendepunkt: Schlauchmagen-OP im Mai 2024

Mit einem Ausgangsgewicht von rund 131 Kilogramm entschied sich Andrea G. im Mai 2024 für einen adipositaschirurgischen Eingriff am Sana Klinikum Lichtenfels. Bei der Schlauchmagen-Operation (Sleeve-Gastrektomie) wird ein großer Teil des Magens entfernt. Die Folge: Die Nahrungsaufnahme wird reduziert und zugleich auch die hormonelle Steuerung von Hunger und Sättigung positiv verändert.

In den Monaten nach dem Eingriff verlor Andrea G. über 50 Kilogramm. Mit dem Gewicht veränderte sich auch ihr gesundheitlicher Gesamtzustand grundlegend: Der Blutdruck normalisierte sich, Medikamente konnten abgesetzt werden, und der Hormonhaushalt fand wieder ins Gleichgewicht. Lediglich die nach einer Schlauchmagen-OP empfohlenen Nahrungsergänzungsmittel nimmt sie regelmäßig ein.

Der zweite Kinderwunsch – diesmal ohne Hürden

Wie sehr sich die Operation auch auf die Fruchtbarkeit auswirkte, zeigte sich beim Wunsch nach einem zweiten Kind. Im Gegensatz zur ersten Schwangerschaft klappte es dieses Mal sehr schnell und nach nur kurzer Hormongabe. Auch der Verlauf der zweiten Schwangerschaft war ein anderer: keine Präeklampsie, kein Schwangerschaftsdiabetes, unauffällige Untersuchungsergebnisse. Das Baby kam gesund und auf natürlichem Weg zur Welt.

„Es ist ein riesiger Unterschied zur ersten Schwangerschaft", sagt Andrea G. „Diesmal war alles in Ordnung und alle Tests unauffällig. Ich fühle mich gesünder, fitter und brauche keine Medikamente mehr. Die Operation hat mir nicht nur geholfen abzunehmen, sondern auch dabei, endlich unsere Familie zu vervollständigen."

Adipositas und Fruchtbarkeit – ein unterschätzter Zusammenhang

Rund jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist von Adipositas betroffen. Was viele Betroffene nicht wissen: Starkes Übergewicht greift tief in den Hormonhaushalt ein. Bei Frauen kann es zu Zyklusstörungen, einem erhöhten Risiko für das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS), Insulinresistenz und einer deutlich verminderten Fruchtbarkeit kommen. Auch das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck oder Präeklampsie steigt mit dem Body-Mass-Index (BMI) erheblich.

„Adipositas ist eine ernstzunehmende Erkrankung mit weitreichenden Folgen – von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Diabetes bis hin zu hormonellen Veränderungen, die einen Kinderwunsch unerfüllt bleiben lassen können", erläutert Prof. Dr. Emilio Domínguez, Leiter des Adipositaszentrums und Chefarzt der Klinik für Allgemein- uns Viszeralchirurgie am Sana Klinikum Lichtenfels. „Wenn konservative Maßnahmen wie Ernährungsumstellung, Bewegung und medikamentöse Therapie nicht zum gewünschten Erfolg führen, kann ein chirurgischer Eingriff der entscheidende Schritt sein, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen und Folgeerkrankungen zu vermeiden."

20 Jahre Adipositaschirurgie – 20 Jahre für die Patienten

Die Adipositaschirurgie ist heute ein etabliertes Verfahren bei stark übergewichtigen Patientinnen und Patienten, bei denen konservative Therapien nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. Studien zeigen, dass nach einer erfolgreichen Operation nicht nur das Gewicht, sondern auch zahlreiche Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Schlafapnoe deutlich zurückgehen. Bei Frauen mit Kinderwunsch verbessern sich Fruchtbarkeit und der Verlauf späterer Schwangerschaften häufig signifikant.

Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg ist eine sorgfältige Indikationsstellung sowie eine enge interdisziplinäre Begleitung – vor und vor allem nach dem Eingriff. Dazu gehören regelmäßige Nachsorge, Ernährungsberatung, psychologische Unterstützung und – im Fall einer Schwangerschaft – eine engmaschige gynäkologische Betreuung.

„Andrea G. ist eine von über 300 Patientinnen und Patienten, die in den vergangenen 20 Jahren am Sana Klinikum Lichtenfels adipositaschirurgisch behandelt wurden", so Prof. Domínguez. „Das ist es, was unsere tägliche Arbeit so wertvoll macht. Wir begleiten unsere Patienten über Jahre hinweg und manchmal können wir auch sehen, wie die Familie wächst“, freut sich Prof. Dr. Emilio Domínguez.

Das zertifizierte Kompetenzzentrum für Adipositas – und Metabolische Chirurgie steht für medizinischer Kompetenz, Teamarbeit und Fortschritt. Für Terminanfragen steht die Patientenkoordinatorin des Adipositaszentrums unter Tel. 09571 12-2385 zur Verfügung.

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Bild: Zentrumsleiter Prof. Dr. Emilio Domínguez (Copyright: SKOF)